Apps gibt es bei Facebook schon länger. Doch das App Center, das der Konzern nun in seinem Entwicklerblog ankündigt , hat mit dem bisherigen Modell wenig zu tun. Vielmehr ist es der Versuch, den Erfolg der App-Vertriebsplattformen von Apple und Android nachzubauen. Facebook will so im Mobilmarkt endlich Geld verdienen.

Mit dem neuen Softwareladen will Facebook erstmals Apps auch verkaufen. Externen Firmen soll es erlaubt sein, ihre Programme via Facebook anzubieten. Bislang sind die Programme externer Anbieter kostenlos. Apple hat jedoch gezeigt, wie hoch die Bereitschaft der Nutzer ist, Geld für Apps auszugeben, und dass sich Milliarden im Geschäft mit den Programmen verdienen lassen . Der Konzern aus Cupertino streicht immerhin 30 Prozent von jeder Verkaufssumme als Gebühr ein – eine Marge, die auch Facebook erhebt. Ein lukratives Geschäft, weshalb auch Amazon das Modell bereits kopiert hat . Facebook ist im Vergleich zur Konkurrenz spät dran.

Umso mehr bemüht sich das Unternehmen nun, die Idee auszuweiten: Im App Center soll es Programme für Androidgeräte ebenso geben wie für iOS und den Browser. Das ist logisch, schließlich soll Facebook auf so vielen Betriebssystemen wie möglich laufen und sich möglichst schnell verbreiten. Je nachdem mit welchem Betriebssystem der Nutzer die App-Seite besucht, soll er dann nur Programme für seine Version zu sehen bekommen. Muss eine App installiert werden, schickt Facebook seine Nutzer zum Applestore oder zu Google Play.

Facebook setzt auf seine Nutzer

Gleichzeitig will Facebook ein System aufbauen, das die Qualität der angebotenen Programme kontrolliert. Ausdrücklich fordert das Unternehmen in den Hinweisen an die Entwickler strikte Qualitätsstandards. Die Apps dürfen demnach keine gravierende Fehler aufweisen, sie sollen eine leichte Benutzerführung haben, Werbung und Inhalt müssen klar getrennt sein.

Die eingereichten Apps will Facebook vor der Veröffentlichung prüfen. Zugleich setzt das Netzwerk auf seine 900 Millionen Nutzer. Apps mit vielen schlechten Bewertungen sollen bestraft werden. Wer die hohen Qualitätsansprüche nicht erfülle, dessen Programm werde nicht im App Center gezeigt, teilt der Konzern mit. Das Urteil der Nutzer fließt in diese Bewertung ein.

Auch Apple ist gefürchtet für seine rigide Kontrolle neuer Programme. Viele Unternehmen haben sich den teilweise seltsamen Forderungen des Konzerns unterworfen. Das Magazin Focus lieferte etwa eine Ausgabe mit zensiertem Titelbild auf dem iPad aus , weil darauf eine weibliche Brust zu sehen war. Facebook wird wohl eine ähnliche Politik verfolgen. Immerhin hat Apple gezeigt, dass die strenge Prüfung und die daraus resultierende geringe Fehlerquote der Programme einen App-Shop beliebt machen können.