Es herrscht wieder einmal Goldgräberstimmung unter den Start-ups im Silicon Valley und dem Rest der Welt, seit Facebook im April die Foto-App Instagram für eine Milliarde US-Dollar gekauft hat . Mit Video-Apps, so die naheliegende Annahme, müsste sich diese Erfolgsgeschichte wiederholen lassen. Der Markt ist umkämpft, die Über-App noch nicht gefunden. Einige versuchen es mit Spielereien, wie sie auch Instagram bietet.

Das bloße Aufnehmen und Teilen von Clips leisten Dienste wie Tout , Klip , Captimo und Mobli längst, wobei Mobli eigentlich eine Fotoapp ist. Wie bei Twitter können die Nutzer dieser Apps Freunden, fremden Menschen, Institutionen und Rubriken folgen. Eigene Videos können aus der App heraus gefilmt oder aus dem Smartphone-Speicher ausgewählt werden, mit einem Kommentar oder einer Ortsmarkierung versehen und dann gepostet werden.

Socialcam und Viddy aber gehen einen Schritt weiter. Sie personalisieren, verfremden und pseudo-individualisieren die Aufnahmen im Grunde so, wie Instagram das mit Bildern tut: Über die Videos, die zumindest bei Viddy nicht länger als 15 Sekunden sein dürfen, werden Filter gelegt. Neun veschiedene sind es bei Socialcam, plus Themen- und Musikauswahl, acht bei Viddy, plus Feinjustierungen. Wie bei Facebook können Leute markiert, Videos geliked und Inhalte in anderen Netzwerken geteilt werden. Bei Socialcam sind das Facebook, Twitter, Youtube, E-Mail, SMS, Posterous, Tumblr und Dropbox, bei Viddy sind es Facebook, Twitter, Youtube und Tumblr.

Aktuell zählt Socialcam über 20 Millionen, Viddy bereits über 26 Millionen Nutzer, jeden Tag kommen Hunderttausende dazu. Das "Instagram für Video" oder das "Twitter für Video" dürfte derjenige werden, der als erster eine kritische Masse von Nutzern erreicht. Beim Wachstum sind die beiden der Konkurrenz schon enteilt. Sie bewegen sich bereits in einer Größenordnung, in der Instagram zum begehrten Übernahmeobjekt wurde, sind international allerdings noch nicht so bekannt wie die Foto-App.

Aggressive Anbindung an Facebook

Im Vergleich zu Instagram haben die beiden Video-Apps ihre Verbreitung aber nicht allein mit intuitiver Nutzerführung, Design und einfachen Funktionen zum Teilen erreicht. Beide bieten eine Desktopoberfläche, waren früh für Android-Betriebssysteme verfügbar und erlauben die Suche nach Freunden bei Twitter und Facebook. Die Verbindung zu Facebook wiederum ist bei Socialcam recht aggressiv, jede Aktion in der App wird auch den Facebook-Freunden gezeigt, sofern das nicht in den Einstellungen unterbunden wird.

Andere Apps dagegen versuchen gar nicht erst, der Instagram-Klon für Videos zu werden. Sie wollen durch mehr oder weniger nützliche Spielereien punkten. SloPro etwa versucht es mit Zeitlupenaufnahmen, PowerCam mit albernen Effekten, Kinotopic mit selbstgemachten GIFs .