Wer vor ein paar Jahren eine Staumeldung im Radio hörte, konnte eigentlich entspannt weiter fahren. Bis der Reisende die Stelle erreichte, war die Chance hoch, dass der Stau längst wieder verschwunden war. Heute ist das anders, Staumeldungen basieren auf nahezu in Echtzeit erhobenen Daten – dank der Hilfe aller.

Derzeit gibt es zwei Systeme, um zu erfassen, auf welchen Strecken viel los ist. Das erste System nutzt stationäre Sensoren, die auf Autobahnen den Verkehrsfluss messen. Sie beobachten die Spuren und errechnen aus Zahl und Geschwindigkeit der Fahrzeuge, ob der Verkehr stockt.

Immer wichtiger aber wird das zweites System, es basiert auf Mobilfunkdaten. Anbieter hierzulande sind derzeit Google , TomTom, Navigon und Garmin.

Echtzeit-Beobachtung statt Hochrechnung

Wer zum Beispiel mit seinem Handy im Auto den Dienst Google Maps nutzt, erhält seit einiger Zeit nicht nur eine Karte angezeigt, sondern auf dieser auch die aktuelle Verkehrssituation. Grün steht für freie Fahrt, gelb für volle Straßen, rot für Stau. Gleichzeitig wird er zum Lieferanten von Verkehrsdaten, da Google Ort, Richtung und Geschwindigkeit des Handys kennt und das sofort in seine Karte einfließen lässt.

Floating-Car-Daten heißen diese Informationen, da sie im Unterschied zu den stationären Sensoren aus dem sich bewegenden Auto heraus generiert werden. Der Nutzer wird damit zum Agenten der Software und zum Staumelder. Bei Garmin und Google beispielsweise kann nur der das Angebot nutzen, der eine Ortung seines Mobiltelefons oder Navigationsgerätes zulässt. So lässt sich bei Google zwar die Ortungsfunktion ausschalten, dann funktioniert aber auch das Stauwarnsystem nicht mehr.

Die Vorteile von Googles Verkehrsinformationssystem Maps, von TomToms Angebot HD Traffic, Navigons Live Traffic und Garmins Navteq Traffic gegenüber herkömmlichen Diensten ist, dass sie die Verkehrssituation in nahezu Echtzeit wiedergeben und die Wirklichkeit abbilden, statt Wahrscheinlichkeiten zu simulieren .

Stauforscher sehen diese Floating-Car-Daten als wichtige zusätzliche Datenquelle: "Auf Nebenstrecken, auf denen es keine Detektoren gibt, sind diese Floating-Car-Daten sogar die einzige Quelle", sagt Verkehrsdynamiker Martin Treiber von der TU Dresden.