Larry Page scheint ein freundlicher Chef zu sein. Zumindest sind seine Mitarbeiter bei Google offensichtlich recht entspannt und hantieren selbst in Feierlaune arglos mit hochsensiblen Gerätschaften. Einer von ihnen folgte kürzlich in einer Bar einem ganz menschlichen Bedürfnis. Bevor er aufs Klo verschwand, stöpselte er noch kurz am Tresen das Ladegerät seines Telefons ein.   

Ein Vorgang, über den es wenig zu berichten gäbe – wenn es sich bei dem Gerät nicht um das neue und bisher streng geheime Smartphone Nexus 5 gehandelt hätte.

Nun ist es aber so, dass in Kalifornien offenbar selbst Barkeeper erkennen, wenn sie einen Prototypen vor sich haben. Und so geschah, was geschehen musste: Der Mann nahm das Handy in die Hand und schoss prompt ein paar Fotos und Videos von dem Gerät. Die ließ er dann selbstverständlich einem einschlägigen Online-Magazin zukommen, das sie prompt veröffentlichte.

Sehr viel Zeit scheint der Bilderdieb nicht gehabt zu haben, während der Besitzer seinen Geschäften nachging. In Umlauf gerieten nur wenige Fotos von Vorder- und Rückseite. In den Videos ist zu sehen, wie die neugierige Thekenfachkraft am Verriegelungs-Mechanismus des Telefons scheitert.

Damit hat Google nun einen kleinen "Skandal", der freilich nur den PR-Ritualen der Tech-Branche folgt. Pressekonferenzen und Produkt-Keynotes, das war gestern.  Wer etwas auf sich hält, verliert heutzutage Prototypen in einer Bar.

So hat es 2010 ein Mitarbeiter von Apple unter dem Einfluss von deutschem Bier mit dem iPhone 4 vorgemacht. Ein Kollege ist diesem leuchtenden Beispiel 2011 mit dem iPhone 4S und reichlich Verve gefolgt. Auch bei Google ereignete sich 2012 ein ähnlicher, nun ja, Patzer mit dem Nexus 4. Und sogar bei Microsoft ist es zu vergleichbaren Unachtsamkeiten gekommen, und dabei sitzen die doch viel weiter im Norden in Redmond bei Seattle. 

Doch selbstredend handelt es sich bei all den aufgezählten Vorfällen nur um eine Serie von Zufällen. Ein solcher Zufall ist es sicher auch, dass die Bilder des Nexus 5 etwa zeitgleich in Umlauf geraten sind mit der Meldung, dass das Vorgängermodell Nexus 4 sowohl in der 8-Gigabyte- wie in der 16-Gigabyte-Version im Google Play Store vergriffen ist.  

Google leakte das Nexus 5 bereits selbst

Mitte Oktober wird nun mit der Vorstellung des Nexus 5 gerechnet, nachdem Apple gerade sein neues Flagschiff präsentiert hat, das iPhone 5S, und das vor allem für den asiatischen Mark bestimmte 5C.

Ein guter Zeitpunkt also, da viele nun darauf warten, was von Google kommt. Außer den Fotos derzeit nicht viel. Technische Spezifikationen sind weiter unbekannt. Die Bar-Fotos scheinen zu bestätigen, was schon nach dem Leak in der US-Zulassungsbehörde für Kommunikation (FCC) an Gerüchten kursierte: ein Smartphone mit einem Fünf-Zoll-Bildschirm und einem Kunststoff-Gehäuse.

Da das Nexus 5 – natürlich ebenfalls total aus Versehen – kurz im Spot für das neue Android-Betriebssystem KitKat auftauchte, darf vermutet werden, dass eben dieses auf dem neuen Smartphone läuft. 

Ob es tatsächlich wie kolportiert einen Snapdragon-800-Prozessor enthält, ist in der schummerigen Bar-Beleuchtung nun wirklich nicht zu erkennen. Mehr will Google zum jetzigen Zeitpunkt offensichtlich nicht preisgeben.

Bei aller verdeckten PR hat die Offenheit Grenzen, ein bisschen Geheimnis soll bleiben. Gut möglich also, dass der Konzern ähnlich energisch wie etwa Apple gegen jene vorgeht, die für diese Aufmerksamkeit gesorgt haben. Das sich im Bildschirm des Nexus 5 spiegelnde Gesicht des Barkeepers haben Photoshop-Experten bereits kenntlich gemacht. Der junge Mann könnte demnächst am eigenen Leib erfahren, wie freundlich Google-Chef Larry Page wirklich ist.