Per Fingerabdruck bei iTunes einkaufen – Seite 1

Nahezu wöchentlich werden irgendwo neue technische Gerätschaften vorgestellt, aber es gibt ein paar Veranstaltungen dieser Art, die sind anders als die anderen. Wenn die weltweit größten Hersteller von Tablets und Smartphones ihre Neuigkeiten zeigen, sind die Erwartungen hoch. Das war in der vergangenen Woche so bei Samsung, und das ist nun so bei Apple.

Es ist ein weltweites Rennen um einen wertvollen Markt. 700 Millionen Geräte mit dem Betriebssystem iOS habe Apple inzwischen verkauft, sagte Firmenchef Tim Cook am Dienstag bei seiner Produktshow – Google hatte wenige Tage vorher gemeldet, man habe die Marke von einer Milliarde Geräten mit dem Konkurrenzsystem Android überschritten.

Bislang genügte es Apple in diesem Rennen, die teuersten Geräte anzubieten. Jedes iPhone hat sich bisher besser verkauft als das Vorgängermodell. Das war auch beim iPhone 5 nicht anders. Doch wird die Marke inzwischen nicht mehr als so edel wahrgenommen, andere Hersteller wie HTC haben auch hervorragend verarbeitete Smartphones voller Funktionen im Programm. Apple setzt daher nun offensichtlich zum ersten Mal auf Masse.

Bislang wurde das abgelöste iPhone anschließend zu einem geringeren Preis weiter angeboten, diese Politik wird nun eingestellt. Das Modell 5 wird es nicht verbilligt geben, sagte Cook. Es verschwindet aus den Läden, lediglich das iPhone 4S wird weiter im Bestand gehalten, bei Abschluss eines Mobilfunkvertrages gibt es das 4S kostenlos dazu.

iPhone 5C in buntem Plastik

Dafür kommt nun das iPhone 5C. Seine Ecken und Kanten sind runder und erinnern an frühere Modelle. Im Inneren befindet sich ein Stahlrahmen, der der Konstruktion mehr Stabilität verleihen soll. Außen hat es eine bunte Plastikschale aus Polykarbonat in Grün, Gelb, Blau, Weiß oder Rot. Zusammen mit den schrillen Farben der Schale und dem ebenfalls neuen Betriebssystem iOS 7 wirkt es wie ein Bonbon.

Im Inneren beherbergt es nahezu die gleiche Technik wie das jetzige Modell, beispielsweise den sogenannten A6-Chip. Damit das nicht wie ein schlechter Deal wirkt, wurden einige Funktionen verbessert: Die Kamera hat acht Megapixel, es gibt eine neue Kamera-App mit Fotofiltern, eine neue Facetime-Kamera und es unterstützt mehr LTE-Frequenzen als das bisherige iPhone.

Mit einem Zweijahresvertrag bieten Mobilfunkfirmen die Version mit 16 Gigabyte Speicher für 99 Dollar an, die größere mit 32 Gigabyte für 199 Dollar. 

Apple bewarb es ausdrücklich damit, dass es Standards des Umweltschutzes berücksichtige und weder Arsen noch Quecksilber enthalte. Apple war in den vergangenen Jahren immer wieder dafür kritisiert worden, dass seine Geräte aus Sicht des Umweltschutzes eher eine Katastrophe sind. Unter anderem deshalb, weil sich deren Komponenten nicht austauschen lassen und bei einem Defekt ganze Bauteilgruppen weggeworfen werden. Zum Thema Akku- oder Bildschirmwechsel beim 5C sagte Apple bei der Vorstellung jedoch nichts.

Fingerabdrücke werden nicht auf Appleservern gespeichert

Tim Cook vor einem Bild mit den neuen iPhones der Reihe 5C © Justin Sullivan/​Getty Images

Als zweites Gerät wurde wie erwartet das iPhone 5S vorgestellt. Äußerlich unterscheidet es sich nur in der Farbe von seinem Vorgänger. Die Aluminiumhülle gibt es nun in Gold, Silber und Weltraumgrau, wie die Farbe genannt wurde.

Die Technik darin wurde überarbeitet. Der neue Chip namens A7 arbeitet mit 64-Bit-Architektur. Er ist der erste seiner Art, der in einem Smartphone verbaut wird. Laut Apple ist er doppelt so schnell wie der A6 des Vorgängers und mehr als 40 Mal schneller als der Chip im ersten iPhone.

Er sei sicher, "die anderen Jungs reden noch nicht einmal darüber", sagte Technikchef Phil Schiller selbstbewusst. Das stimmt so sicher nicht, der Chipentwickler ARM hat entsprechende Prozessoren für 2014 angekündigt.

Aufgrund der neuen Chiparchitektur wurde auch das Betriebssystem iOS 7 dementsprechend angepasst und hat nun einen 64-Bit-Kernel. Alle mitgelieferten Apps seien daher neu entwickelt worden. Es ist aber abwärtskompatibel mit dem bisherigen Apps der 32 Bit-Architektur.

Das bedeutet wahrscheinlich, dass kommende Entwicklungen die 32-Bit-Technik nicht mehr unterstützen werden. Bislang ist das iPhone-Modell Nummer 4 die unterste Grenze der Kompatibilität, bei kommenden Generationen des mobilen Apple-Betriebssystems wird es wohl die Nummer 5S sein. 

Bewegungsdaten werden noch genauer erfasst

Neben dem A7 hat das Gerät einen neuen Ko-Prozessor namens M7, der nur die Bewegungsdaten verarbeitet, die vom Gyroskop, dem Kompass und dem Beschleunigungssensor kommen. Damit und mit einer neuen Schnittstelle (Api) in iOS 7 sollen Nutzerbewegungen viel besser identifiziert und völlig neue Apps ermöglicht werden. Erwähnt wurden dabei Fitness-Programme. Doch die Vermessung und Beobachtung des Telefoninhabers wird damit sicher um einiges genauer – und damit auch die Überwachbarkeit.

Außerdem wurde die Kamera verbessert und auch das dazu gehörende Programm. In iOS 7 macht es automatisch einen Weißabgleich. Es gibt nun einen Doppelblitz, der seine Farbtemperatur an die Umgebung anpasst, einen Bildstabilisator, einen größeren Bildsensor, einen Dauerfeuer-Modus mit zehn Bildern pro Sekunde solange der Auslöser gedrückt wird und außerdem bei Filmaufnahmen eine selektive Zeitlupe.

Und ja, auch der Fingerabdrucksensor ist verbaut, von dem gerüchteweise längst geredet worden war, Apple nennt ihn Touch ID. Ungefähr die Hälfte aller Smartphonenutzer richte keine Passworte auf ihrem Gerät ein, sagte Schiller. Um die Sicherheit zu erhöhen, habe das iPhone 5S im Homeknopf einen Sensor, der Fingerabdrücke erkenne. Technisch wird dabei ein Foto der Hautstruktur aufgenommen und analysiert. Der Metallring um den Knopf registriere, ob auch wirklich ein Finger auf ihm liege.

Die Technik wird von Apple nicht nur genutzt, um das Telefon zu entsperren. Der Fingerabdruck könne auch dazu verwendet werden, bei iTunes einzukaufen. Der Finger sei doch ein großartiger Ersatz für mühsame Passworte, die Bedienung sei leicht und der Sensor könne verschiedene Fingerabdrücke speichern und unterscheiden, hieß es als Begründung.

Ab dem 20. September im Laden

Apple hat damit ein starkes Argument, nun auch noch Millionen Fingerabdrücke zu sammeln. Die dadurch entstehenden Datenschutzbedenken sind dem Unternehmen offensichtlich bewusst. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass der Abdruck nie auf Servern des Unternehmens oder bei iCloud gespeichert werde, sondern nur verschlüsselt im Telefon selbst.

Weitere Daten: zehn Stunden Gesprächszeit im Standard 3G, 250 Stunden Standby, zehn Stunden browsen mit LTE oder 40 Stunden Musik spielen. Mit Vertrag kostet es 199, 299 oder 399 Dollar, je nachdem, ob der interne Speicher 16, 32 oder 64 Gigabyte groß ist.

Ab dem 13. September können die neuen iPhones vorbestellt werden, ab dem 20. September sollen sie in den Läden in den USA, Kanada, Australien, Deutschland und zum ersten Mal auch zeitgleich in China und in Japan liegen. Bis Dezember dann auch im Rest der Welt. Das Betriebssystem steht ab dem 18. September zum Download bereit.