Vielleicht ist Apple selbst Schuld. Die Firma aus Kalifornien hat im Jahrestakt neue Technik aus dem Hut gezaubert, die bis dahin niemand vermisst hatte, dann aber sofort jeder haben wollte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Punkt erreicht war, an dem punktuelle Verbesserungen des Bestehenden reichen müssen, weil es nicht immer exponentiell nach oben gehen kann. Irgendwann ist eine Sättigung erreicht.

Gleich zwei neue Produkte bringt Apple am Freitag auf den Markt, das iPhone 5S und die billigere Variante 5C. Aufmerksamkeit erfuhr bislang vor allem der neue Fingerabdrucksensor, der schnell in die Kritik geriet. Kurz vor dem Verkaufsstart gibt es nun die ersten Testberichte von Technik-Journalisten, die die Geräte schon in der Hand hatten.

Spiegel Online ließ sich von einem Apple-Sprecher versichern, der neue Fingerabdruck-Scanner sei "so sicher wie Fort Knox". Er werde nur auf dem Smartphone gespeichert und das verschlüsselt. Vor allem zwei Neuerungen hebt der Bericht hervor: Das 5S besitze einen "spürbar" schnelleren Prozessor. Apple setze als erster Hersteller auf die 64-Bit-Architektur. "Wie viel man davon hat, hängt aber auch davon ab, wie schnell Software-Entwickler ihre Apps an die neue Technik anpassen", schreibt Matthias Kremp. Auch die App-Entwickler müssten also nachziehen.

Die  zweite wichtige Verbesserung sei bei der iPhone-Kamera zu sehen. Der Fotochip sei größer, das bedeute mehr Platz für Lichtsensoren. Mit 1,5 Micron seien sie größer als bei anderen Smartphones. Zusammen mit einer vergrößerten Blendenöffnung mit der Blendenzahl 2.2 ergebe das deutlich bessere Fotos, wenn die Beleuchtung schwach ist. Das habe mit dem Vorgänger-iPhone nicht gut geklappt. Das 5C habe diese Neuerungen nicht, niedergeschlagen hätten sich dort lediglich Detailverbesserungen beim LTE-Chip und der Frontkamera.

Lob gibt es für das Gehäuse: "Befürchtungen, das Plastikgehäuse würde billig wirken, verschwinden, sobald man das Gerät in der Hand hält. Der hochglänzend lackierte Korpus macht einen sehr stabilen Eindruck, der Lack sieht sehr hochwertig aus." Billig ist auch der Preis der neuen iPhones nicht, resümiert der Bericht: "iPhones sind Luxus, auch wenn Technik vom Vorjahr drinsteckt, wie beim iPhone 5c." 

Fingerabdrücke einlesen macht Spaß

Faz.net hat sich intensiv mit dem Fingerabdrucksensor beschäftigt. Wolle man den optionalen Sensor verwenden, sei es aufwendig, den Fingerabdruck zu registrieren. "Man muss mit dem Finger mehrfach auf das Sensorfeld tippen, ihn kurz anheben und wieder neu ansetzen. Möglichst die gesamte Fläche ist zu erfassen, es gibt dazu Hinweise auf dem Bildschirm, aber nicht immer gelingt die Prozedur im ersten Anlauf." Sei der Finger aber erst einmal registriert, werde er im ersten Anlauf erkannt: "Die Erkennungsgenauigkeit ist spektakulär." Mit einem falschen Finger habe man das System nie überlisten können.

Ein bisschen üben muss Autor Michael Spehr aber noch: Manchmal schalte sich Siri an, wenn man den Finger zu lange auf dem Homebutton, in welchen der Sensor integriert ist, lässt. Sein Fazit trotzdem: "Im Unterschied zur Gesichtserkennung anderer Smartphones funktioniert die Technik, und sie macht im Dauereinsatz Spaß. Die Option auf die Zukunft könnte darin bestehen, dass die Authentifizierung per Fingerabdruck und iPhone in weiteren Apps oder auf anderen Plattformen verwendet wird." Pluspunkte geben die "durchgängig sehr guten Leistungen", tolle Apps und hohe Verarbeitungsqualität.

"Wie bei den Vorgängermodellen gilt auch hier: Man macht nichts verkehrt und kann getrost zugreifen. Das iPhone 5S ist jedoch keine Revolution, und die Fans anderer Betriebssysteme werden mit Recht darauf verweisen, dass zum Beispiel ein Nokia Lumia die bessere Kamera und die bessere Fahrzeugnavigation hat." Auch im Test von faz.net fällt daher der hohe Preis der iPhones negativ ins Gewicht.