Microsoft will eigentlich gar keine Tablets bauen. Das Unternehmen ist mit PCs groß geworden, mit Arbeitsmaschinen, nicht mit Spielgeräten. Von dem Konzept will man offensichtlich nicht lassen. Die Tablets namens Surface sollen eigentlich Laptops sein, mit denen es sich ebenso gut arbeiten lässt wie eben mit einem vollständigen Rechner.

Seit Dienstag ist die zweite Surface-Generation auf dem Markt. Die Version mit dem Betriebssystem Windows 8.1 RT und ARM-Chiparchitektur heißt Surface 2, die Version mit dem vollwertigen Windows 8.1 heißt Surface Pro 2.

Mit ihnen kommt Microsoft dem Ziel, arbeitstaugliche Tablets zu bauen, zumindest ein Stück näher. Das Unternehmen wirbt damit, dass die Geräte "fühlbar leichter" und dünner seien als ihre Vorgänger. Das stimmt, aber es sind im Vergleich zu anderen Tablets noch immer ziemliche Klötze. Das ist der Preis für den Versuch, ihnen so viel Rechenkraft mitzugeben wie einem großen Computer.

Die auffälligste Neuerung ist wohl die Klappe an der Rückseite. Die lässt sich nun in zwei verschiedenen Winkeln arretieren, einmal bei 22 und einmal bei 55 Grad. Das macht das Hantieren in vielen Positionen angenehmer. Und da es bei den Surface-Tablets, zumindest bei dem großen mit der vollständigen Windows-8.1.-Installation und dem schnelleren Chip, ums Arbeiten geht, folgt nun ein kleiner Arbeits-Praxistest samt Kurzurteil.

Anschalten: leicht. Knopf oben rechts drücken.

Hauptbildschirm finden: lösbar. Das neue Surface hat keinen "Home"-Button wie Apple- oder Android-Tablets, zumindest keinen, der so aussieht. Auf dem schwarzen Glasrand prangt allerdings unten ein Logo in Fensterform. Es ist das einzig sichtbare Zeichen auf der sonst schwarzen Oberfläche. Irgendwie erscheint es logisch, das weiße Symbol mal anzutippen. Siehe da, es erscheint der Hauptbildschirm mit seiner Kacheloptik.

Browserwahl nur beim Surface Pro

Es sei denn, man hat ein Profil samt Passwort angelegt und muss das Gerät zuvor entsperren. Das geht erst, wenn man auf dem Bildschirm von unten nach oben gewischt hat, um das Passwort-Entsperren-Menü aufzurufen. Darauf zu kommen, dauert einen Moment. 

Browser starten: interessant. Dank dem Kartellverfahren, das Konkurrenten gegen Microsoft angestrengt haben, sind im Surface Pro 2 praktisch alle Browser dieser Welt vorinstalliert, sogar Exoten wie Sleipnir oder Internet Explorer (ha ha). Das Tablet fragt beim ersten Mal, welcher es denn sein darf. Da sie alle bereits im Speicher sind, geht die Installation des ausgewählten Browsers dann sehr schnell. In der RT-Version dagegen gibt es nur den Internet Explorer und auch keine Alternativen im Windows Store.

Skype starten: kompliziert. Microsoft verlangt ein Microsoft-Konto, um Skype zu starten. Zwar wird die Möglichkeit angeboten – "Stattdessen bei jeder App separat anmelden (nicht empfohlen)" – aber das ist ein Placebo. Wer draufklickt, kommt nun nicht etwa zur App zurück, um sich dort endlich einzuloggen, sondern sieht erneut die Aufforderung "Microsoft-Konto hinzufügen". Andere Dienste wie Facebook oder Twitter, die nicht Microsoft gehören, lassen sich problemlos installieren und "separat anmelden".

Immerhin gibt es sie inzwischen als Windows-App. Das ist bereits ein Fortschritt, der App-Store ist lange nicht so gut bestückt wie die von der Konkurrenz.

Konto anlegen: seltsam. Zunächst funktioniert alles wie gewohnt, man gibt ein paar Informationen samt Sicherheitsfragen wie Schuhgröße der Mutter und Lippenstiftfarbe der ersten Grundschullehrerin ein, sucht ein Passwort aus und dann sollte es eigentlich losgehen – aber nicht bei Microsoft. Bevor ein Profil angelegt werden kann, fragt das Tablet ein Captcha ab mit der Begründung: "Wir möchten sicherstellen, dass sich an diesem PC eine echte Person anmeldet." Wirklich? Bei Websites mag das sinnvoll sein, über die kann man Scripte laufen lassen. Aber wer setzt schon einen Roboter vor ein Tablet? Anschließend wird auch noch ein Sicherheitscode per Mail oder SMS geschickt, der am Tablet eingegeben werden muss, um endlich beginnen zu können.