Heimat ist dort, wo freies WLAN ist

Sein WLAN mit anderen zu teilen, wird in Deutschland als Straftat betrachtet. In anderen Ländern dagegen gilt es als Dienst an der Gemeinschaft. Eine neue App – die auch in Deutschland funktioniert – macht es nun sehr leicht, freie Netze zu finden, zu nutzen und eben auch zu teilen.

Hierzulande gibt es das juristische Konzept der Störerhaftung. Wer sein WLAN nicht verriegelt und verrammelt, ist dafür verantwortlich, was andere darüber tun und kann dafür bestraft werden, wenn sie in "seinem" Netz illegale Dinge machen. Die große Koalition will das ein wenig entschärfen und beispielsweise Cafés davon befreien. Für private Nutzer aber wird es wohl weiter ein Risiko bleiben, Fremde in ihr Netz zu lassen.

In anderen Ländern ist die Störerhaftung unbekannt. Eine schwedische Firma namens Instabridge hat eine gleichnamige App gebaut, mit der sich WLANs teilen lassen. Der Satz, mit dem sie dafür wirbt, heißt: "Home is where the free wifi is". Zuhause ist dort, wo es freies WLAN gibt.

Wer Instabridge auf seinem Android-Gerät installiert, kann anschließend sein eigenes WLAN eintragen. Und dann entscheiden, ob er seinen Freunden oder gleich allen Instabridge-Nutzern Zugang dazu gewähren will.

Dabei wird kein Passwort verschickt. Zumindest nicht an die Nutzer. Instabridge will einmal das Passwort haben, anschließend gewährt es anderen den Zugang, ohne die Passphrase dabei zu übertragen. Ein Crowdsourcing für freie Netze also. Die Firma wirbt damit, dass viele Cafés und andere Orte bereits eingetragen seien.

Natürlich sind all die WLAN-Passwörter damit auf den Servern der schwedischen Firma gespeichert. Und damit potenziell auch für andere zugänglich. Instabridge verspricht, dass die Passwörter nur verschlüsselt übertragen und gespeichert werden. Auf dem Server der Firma liegen sie verschlüsselt, als Verschlüsselung wird der Standard AES 256 genutzt, der derzeit als sicher gilt.

Google speichert WLAN-Passwörter auch

Aber das Problem mit der Speicherung bei einem Anbieter gab es auch schon vorher. Google und Apple kennen selbstverständlich auch die WLAN-Passwörter ihrer Kunden und speichern diese auch. Die Nutzer tragen sie schließlich dauernd in ihre Smartphones ein.

Nutzer der App können entscheiden, ob nur einzelne Menschen oder auch alle anderen Nutzer den Zugang zum eigenen WLAN bekommen sollen. Die einzelnen werden in der Kontaktliste des Telefons ausgewählt. Soll der Zugang komplett freigegeben werden, genügen ein paar Klicks und das WLAN erscheint als blaues Fähnchen auf der Weltkarte der App. Wer Instabridge nutzt, kann sich dort nun ohne weitere Mühe einbuchen.

Keine Anonymität möglich

Das Unternehmen weist aber darauf hin, dass die App das Prinzip Vertrauen nicht ersetzen könne. Man solle nur jenen Zugang zu seinem privaten Netz geben, denen man vertraue. Denn prinzipiell sei es möglich, dass Passwort auszulesen. Wer Rootzugriff auf sein Telefon habe, könne ein Passwort herausbekommen, das mit ihm geteilt wurde.

Die App taugt übrigens nicht, um die eigene Identität im Internet zu verschleiern. Instabridge kennt seine Nutzer aufgrund der von der App gesammelten Daten ziemlich gut. In seinen Geschäftsbedingungen weist das Unternehmen darauf hin, dass es Strafverfolgern Auskunft gibt, wenn die solche Daten verlangen. Das bedeutet: Nutzer der App unterliegen in Deutschland prinzipiell weiter der Störerhaftung. Strafverfolger können aber mithilfe des schwedischen Unternehmens herausfinden, wer ein freigegebenes WLAN wirklich für illegale Zwecke missbraucht hat.

Wer sein Netz teilen und dabei Anonymität für die Surfer mit einbauen will, der muss dann doch zum Verein Freifunk gehen, der bietet entsprechend konfigurierte WLAN-Router an.

Für das mobile Betriebssystem von Apple gibt es das Programm bislang nicht. Auf der Website aber versprechen die Entwickler, dass für iOS und Windows Phone eigene Versionen gebaut werden sollen.

Kabel Deutschland öffnet WLANs seiner Kunden

Einen anderen Weg, sein WLAN zu teilen, bietet Kabel Deutschland an. Kunden, die ein WLAN-fähiges Kabelmodem haben, sollen ihren privaten Internetanschluss zu einem öffentlichen Hotspot machen. "Homespot" heißt das Programm. Bestandskunden werden per Post darüber informiert, sie haben sechs Wochen Zeit, der Teilnahme zu widersprechen. Neukunden werden bei Vertragsabschluss darauf hingewiesen.

Dabei richtet Kabel Deutschland auf dem WLAN-Modul im Router ein streng vom privaten WLAN getrenntes Netz ein. Dieses WLAN betreibt das Unternehmen selbst, so dass die Störerhaftung nicht greift. Für dieses zweite WLAN wird auf dem Kabelanschluss selbst mehr Bandbreite freigeschaltet, die des privaten Anschlusses soll im gewohnten Umfang erhalten bleiben.

Genutzt werden kann das zusätzliche Netzwerk dann von allen anderen Kabel-Deutschland-Kunden, die sich gerade in seiner Reichweite befinden. Sie müssen sich mit ihren Zugangsdaten einloggen und bekommen für die Dauer der Verbindung eine eigene IP-Adresse zugewiesen. Eine Übersichtskarte zeigt, wie viele dieser offenen WLANs es schon gibt.