Seit Jahren versucht der deutsche Buchhandel, Amazons E-Reader Kindle etwas Eigenes entgegenzusetzen. Die Produkte von Trekstor und Oyo aber waren nie konkurrenzfähig. Erst der Tolino Shine mit Hintergrundbeleuchtung – ein E-Reader der sogenannten Tolino-Allianz aus der Telekom sowie den Buchhandelsketten Thalia, Hugendubel, Weltbild und dem Bertelsmann Buchclub – war eine ernstzunehmende Alternative zum Kindle Paperwhite, Amazons Topmodell.

Während Amazon im zweiten Quartal 2014 bereits die siebte Generation auf den Markt bringen wird, gibt es vom Tolino nun Version zwei. Wie schlägt sich das Modell im Vergleich mit dem aktuellen Kindle Paperwhite?  

Zumindest äußerlich nehmen sich die beiden Geräte nichts. Der Tolino ist ein paar Millimeter dicker als der Kindle, aber ebenso breit und hoch. Dafür wiegt er mit 183 Gramm etwas weniger, der Kindle kommt auf 206 Gramm. Die Bildschirme sind gleich groß. Größter Unterschied ist der physische Home-Button das Tolinos, mit dem der Nutzer zur Startseite gelangt. Der Kindle bietet den Button nur als Touchfeld.

Der Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten des Tolino ist etwas zu schwergängig. Auch dauert es hier ausgesprochen lange, bis der Startbildschirm erscheint, nachdem der E-Reader ganz ausgeschaltet war. Der Kindle dagegen ist nach ein bis zwei Sekunden benutzbar.

Dafür hat der Tolino – wie schon in der ersten Version – einen Steckplatz für microSD-Karten. Damit kann die Speicherkapazität auf 32 Gigabyte erweitert werden. Wie sinnvoll das ist, darüber lässt sich streiten: Die internen Speicher von Tolino und Kindle sind mit ihren zwei Gigabyte bereits groß genug für 1.000 bis 2.000 E-Books

Mit dem dritten Schalter am Gehäuse des Tolino Shine lässt sich die Hintergrundbeleuchtung ausschalten. Das schont den Akku und auch die Augen, denn in hellen Umgebungen ist die Beleuchtung nicht nötig. Die Hintergrundbeleuchtung des Kindle Paperwhite lässt sich nicht mit einem Knopfdruck abschalten, hier muss der Helligkeitsregler ganz nach unten geschoben werden, was ein wenig umständlicher ist. Dafür ist die Beleuchtung regelmäßiger als beim Tolino, der im Test vor allem auf der rechten Seite deutliche Schatten zeigte.

Bei der Textdarstellung ist der Kindle aber mit und ohne Beleuchtung besser. Das liegt vor allem am sauberen Schriftbild. Der Tolino Shine der zweiten Generation dagegen hat eine der größten Schwächen seines Vorgängers übernommen: Die Buchstaben sehen häufig so aus, als fehle ihnen die Druckerschwärze. Während des Lesens stört das zwar nicht wirklich, aber es wirkt nicht so hochwertig. Es verfestigt sich der Eindruck, dass deutsche E-Reader beim Display mit der internationalen Konkurrenz einfach nicht mithalten können. Der Bildschirm des Amazon-Rivalen Kobo Aura HD ist laut Testberichten sogar noch besser als der des Kindle Paperwhite, weshalb Amazon beim kommenden Modell die Auflösung noch einmal deutlich verbessern will

Immerhin hat der Tolino zwei große Probleme in den Griff bekommen: das einst langsame Umblättern funktioniert nun wesentlich schneller, und Ghosting tritt gar nicht mehr auf. Das heißt, die Artefakte anderer Seiten, die beim ersten Modell durchschienen, sind in der neuen Version nicht mehr sichtbar. Beim Paperwhite dagegen gibt es durchaus Ghosting-Effekte, es sei denn, man öffnet die Einstellungen, tippt auf "Leseoptionen" und aktiviert "Seite aktualisieren". Dann wird das Display bei jedem Umblättern aktualisiert, was aber den Stromverbrauch erhöht. 

Viele vergleichbare Funktionen

Die Touchbedienung beider Geräte ist simpel und übersichtlich. Beide bieten die Möglichkeit, die eigene Bibliothek nach Titel, Autor oder Datum zu sortieren, jeweils in Listenansicht oder mit Abbildungen der Buchcover. Beide haben Wörterbücher integriert und bieten die Möglichkeit, Notizen zu machen. Der erste Tolino Shine hatte diese Möglichkeit erst mit einem Software-Update bekommen, nun gehört sie zum Standard.

Beide haben zwar einen integrierten Webbrowser, aber Spaß macht es keinen, eine News-Seite damit aufzurufen. Wer regelmäßig ins Netz will, sollte lieber ein Tablet kaufen.