Die Sorge um Spott ist berechtigt. Schon beim ersten Testlauf durch unser Großraumbüro errege ich mit dem "Hi-Call Talking Glove" mehr Aufmerksamkeit, als mir lieb ist. Was das ist? Ein knallroter Lederhandschuh, mit dem man – so die Idee – telefonieren kann. Ein bisschen James Bond, ein bisschen Inspektor Gadget: Meine Erwartungen sind hoch. Schließlich kostet die High-Tech-Kleidung im Handel 99 Euro. (Die Strickvariante kostet nur halb so viel.) Aber bekommt man auch, was der italienische Hersteller High Fun verspricht?

Die schlichten Lederhandschuhe sollen das Dilemma lösen, dass ein Anruf bei Minusgraden meist zu frierenden Fingern führt, weil man das Handy nicht mit dick eingepackten Händen bedienen kann. Ein Mikrofon im kleinen Finger, Lautsprecher im Daumen und das per Bluetooth verbundene Smartphone machen den "Hi-Call" zum warmen Telefon. Darüber hinaus sorgt in die Fingerkuppen eingenähtes Spezialmaterial dafür, dass man sein Smartphone oder ein Tablet bedienen kann, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

Doch schon bei der Inbetriebnahme tauchen die ersten Schwierigkeiten auf. Dabei könnte sie so einfach sein: Handschuh einschalten, am Handy die entsprechende Bluetooth-Funktion aktivieren und warten, bis sich die beiden Geräte miteinander verbinden. Doch es klappt nicht auf Anhieb. Mit drei verschiedenen Handys (von Nokia, Apple und Samsung) versuche ich, den Handschuh zu verbinden – vergeblich. Offenbar ein technischer Fehler: Erst mit einem zweiten Paar Handschuhe, das in einer anderen Größe geliefert wird, steht die Verbindung.

Glücklicherweise ist die Bedienung mehr oder weniger intuitiv – man kann gar nichts falsch machen, wenn man überall mal drauf drückt. Denn aus der Bedienungsanleitung wird man kaum schlau, sie strotzt nur so vor "Übelsetzungen".

Handschuh vibriert bei eingehenden Anrufen

Es ist schon erstaunlich, was im Eifer des Gefechts alles geschrieben wird. Eine Kostprobe: "Zum ersten Mal muss Hi-Call Leather im Verbindungsmodus wieder übereinstimmen mit einem neuen Gerät. Dieser Modus wird durch schnell abwechselnd blinkende rot und blaue LEDs angezeigt. Um den Pairing-Modus zu aktivieren, müssen Sie Hi-Call Leather ausschalten und wieder einschalten durch Drücken und alten des Ein-Ausschalters. An dieser Stelle erscheint im Bluetooth Menü des Geräts der Name "hi Call Leather" und Hallo-Freiheit ist bereit."

Um entspannt telefonieren zu können, braucht es ein gesundes Selbstbewusstsein. Andernfalls läuft man Gefahr, in der Öffentlichkeit milde belächelt zu werden. Sobald der Handschuh vibriert und man das Gespräch mit einem kleinen Knopfdruck entgegen genommen hat, werden Daumen und kleiner Finger zu Ohr und Mund geführt. Das erste Telefonat mutet etwas seltsam an: "Hallo, ist da jemand?" – "Verrückt, ich kann dich total gut hören." – "Aber ein bisschen raschelt es schon." – "Mich schauen alle Leute total komisch an." 

Selber anrufen: Mit dem kleinen Finger sprechen

Kurz: Die Qualität der Verbindung ist erstaunlich gut dafür, dass man über ein winziges Mikrofon im kleinen Finger kommuniziert. Das gilt für beide Seiten, also auch derjenige, der mit einem normalen Telefon bei mir auf dem Handschuh anruft, hört mich nahezu störungsfrei. Nur einmal bricht die Verbindung ab, als ich mich mit dem "Hi-Call" zu weit von meinem eigenen Smartphone entferne. Der Hersteller sagt, dass die Verbindung in einem Umkreis von bis zu zehn Metern hält.

Wenn man selber telefonieren möchte und ein Handy hat, dass über Spracherkennung verfügt, muss man nur seinem kleinen Finger sagen, wen man sprechen will. "Max Mustermann anrufen", und die Verbindung wird aufgebaut. Das funktioniert völlig reibungslos. Kritikpunkt: Man kann leider nur mit dem linken Handschuh telefonieren, was vielleicht für einige Menschen etwas gewöhnungsbedürftig ist.