Das Interesse am ersten Smartphone mit zusätzlichem E-Paper-Bildschirm auf der Rückseite war groß, als der russische Hersteller Yota das Yotaphone Ende 2012 ankündigte. Auf dem Mobile World Congress (MWC) 2013 konnte Golem.de das Smartphone erstmals selbst in die Hand nehmen, der erste Eindruck war gut – die Vorstellung, mit seinem Smartphone ermüdungsfrei Bücher lesen und akkuschonend Nachrichten betrachten zu können, hat uns gefallen.

Der Start war allerdings etwas holprig: Yota hatte die Hardware des Yotaphones zwischenzeitlich angepasst, der Starttermin verschob sich. Als das 500 Euro teure Gerät dann im Dezember 2013 verkauft werden sollte, war es nicht verfügbar. Mittlerweile scheinen die ersten Yotaphones im Handel anzukommen – wenn auch in geringen Stückzahlen. Golem.de hat sich das Smartphone angeschaut und das E-Paper-Display auf seine Alltagstauglichkeit überprüft.

Zwei Displays

Das Yotaphone hat auf der Vorderseite ein 4,3 Zoll großes LC-Display mit einer Auflösung von 1.280 mal 720 Pixeln. Das ergibt eine Pixeldichte von fast 342 ppi, dementsprechend scharf werden Bildschirminhalte dargestellt. Auch feine Details sind klar zu erkennen, ein Treppeneffekt beispielsweise bei kleiner Schrift ist mit dem bloßen Auge kaum zu sehen. Der LC-Bildschirm des Geräts stellt Farben kräftig dar, ohne dass sie unnatürlich wirken. Der Bildschirm ist blickwinkelstabil: Neigt der Nutzer das Smartphone zur Seite, invertieren die Farben nicht, auch die Helligkeit nimmt kaum ab. Auf der Rückseite befindet sich das ebenfalls 4,3 Zoll große E-Paper-Display, das eine Auflösung von 640 mal 360 Pixeln hat. Das ergibt eine Pixeldichte von 170 ppi, vergleichbar mit der des günstigsten Kindle-Readers (167 ppi). Der Kindle Paperwhite hat mit 212 ppi allerdings eine bessere Pixeldichte. Anders als das Paperwhite hat das E-Paper-Display des Yotaphones keine Hintergrundbeleuchtung.

Verwaschene Schrift

Die Qualität des E-Paper-Bildschirms reicht nicht an die eines modernen E-Book-Readers heran. Kleine Schrift ist verwaschen, größere immer noch ohne wirkliche Konturen – das war beim ersten Kindle bereits besser. Die bei E-Paper-Displays möglichen Geisterbilder beim Wechsel zwischen den Bildschirminhalten hat das Yotaphone auch, sie stören allerdings nicht sonderlich und treten auch nicht ungewöhnlich häufig auf. Das E-Paper-Display ist wie erwartet auch im hellen Sonnenschein sehr gut lesbar. Dafür wurde die Art von Bildschirm konzipiert. Aufgrund der fehlenden Hintergrundbeleuchtung ist es bei dunkler Umgebungsbeleuchtung allerdings nutzlos. Zudem ist der E-Paper-Bildschirm im oberen Drittel angeschrägt, was bei bestimmten Lichtwinkeln störend sein kann.

Steuerung durch Wischgesten

Das Yotaphone hat außer dem Einschalter und der Lautstärkewippe keine physischen Tasten, sondern wird mit Gesten bedient. Diese wendet der Nutzer auf beiden Seiten unterhalb des jeweiligen Displays an. Die Gesten werden bei der Ersteinrichtung des Smartphones in einem kleinen Tutorial erklärt und prägen sich schnell ein. Sie unterscheiden sich leicht, je nachdem, ob der Nutzer die Vorder- oder die Rückseite des Yotaphones verwendet: Mit einem Wisch von links nach rechts kehrt der Nutzer auf der Vorderseite zum Startbildschirm zurück, ein Wisch von rechts nach links entspricht dem Zurück-Button. Ein Doppeltipp direkt unter dem Display öffnet die App-Übersicht, ein langer Tipp Google Now.

Alternativ kann sich der Nutzer auf der Vorderseite auch die Android-Navigationsleiste anzeigen lassen. Die Rückseite wird mit einer Wischgeste von links nach rechts oder umgekehrt entsperrt. Ein langer Tipp öffnet den rückseitigen App-Manager mit einer Übersicht über die aktuell verwendeten Programme. Diese Funktion muss jedoch erst in den Einstellungen aktiviert werden. Die Wischgesten von den Seiten dienen hier zur Auswahl der Bildelemente. Alternativ kann hierfür auch die Lautstärkewippe verwendet werden. Ein Doppeltipp wechselt zwischen dem rückseitigen Hauptbildschirm und der vorher genutzten Anwendung.

Auf der Vorderseite funktionieren die Gesten einwandfrei, auf der Rückseite hatten wir häufiger damit zu kämpfen. Oft reagierte das Touchpad unter dem E-Paper-Display nicht gleich auf unsere Eingaben. Nutzer müssen hier etwas mehr Druck ausüben als auf der Vorderseite.

E-Paper-Display im Alltag

Das E-Paper-Display des Yotaphones kann unter anderem aktuelle Benachrichtigungen, RSS-Feeds, Mitteilungen sozialer Netzwerke, den Kalender, eine Kartenapp oder einfach einen Screenshot des Frontbildschirms anzeigen. Auch das Lesen von E-Books ist möglich. Über eine Datenschutzeinstellung wählt der Nutzer, welche Benachrichtigungen auf der Rückseite angezeigt werden - bestimmte Kontakte kann er ausblenden. Yota hat eine Reihe spezieller Apps vorinstalliert, die Interaktionen mit dem rückseitigen Bildschirm ermöglichen.

Dank des E-Paper-Displays soll der Nutzer seltener den LC-Bildschirm des Yotaphones aktivieren, wodurch sich die Akkulaufzeit verlängern soll. Zudem wird er unauffällig über eingehende Nachrichten, Tweets und RSS-Feed-Aktualisierungen informiert.