Das Blackphone ist der Versuch, die vielen Datenlecks eines normalen Smartphones zu stopfen, ohne dem Nutzer den Spaß am Gerät gänzlich zu verderben. Es ist ein Gerät, das in die Zeit passt – eines für jene, die durch die NSA-Affäre sensibilisiert sind, aber noch nicht so verschreckt, dass sie auf ein Smartphone verzichten würden.

Am Montag wurde es beim Mobile World Congress (MWC) vorgestellt. Für 629 US-Dollar – umgerechnet derzeit etwa 460 Euro – plus Steuern und Versand bekommen Käufer ein insgesamt ordentlich bis gut ausgestattetes Smartphone mit 4,7 Zoll großem Bildschirm. Hergestellt wird es von der spanischen Firma Geeksphone. Der besondere Clou liegt in den Anwendungen und deren Verwaltung.

Mitte Januar hatten die Entwickler – unter ihnen auch die PGP-Erfinder und Silent-Circle-Gründer Phil Zimmermann und Jon Callas – das Projekt erstmals öffentlich angekündigt, ohne viele Details zu nennen. Bis heute war nur klar: Das selbst entwickelte Betriebssystem PrivatOS des Blackphones basiert auf Android, mit den vorinstallierten Apps von Silent Circle können Blackphone-Besitzer verschlüsselt telefonieren und verschlüsselte Kurznachrichten austauschen sowie Dateien auf dem Gerät verschlüsselt speichern. Der Internetzugang soll per VPN gesichert sein. Wer möchte, kann das Gerät mit einem Google-Konto verknüpfen, um Apps aus GooglePlay Store installieren zu können. Heute nun sagte Zimmermann: "Wir sind kein Telefonhersteller, der eine Privatsphären-Funktion entwickelt. Wir sind eine Privatsphären-Firma, die ein Telefon entwickelt."

Die Frage, die seit den ersten Ankündigungen im Raum stand: Was bietet das Blackphone, das man sich nicht auch mit ein paar Apps und dem Einstellungsmenü in einem normalen Smartphone selbst zusammenstellen kann?

Alternativ zu den kostenpflichtigen Silent-Circle-Diensten gibt es schließlich die Gratis-Android-App Redphone zum verschlüsselten Telefonieren, es gibt haufenweise Messaging-Apps mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, und einen VPN-Zugang kann man sich in jedem neueren Smartphone selbst einrichten. Die Apps OrWeb und OrBot ermöglichen auf Android-Smartphones das Surfen über das Anonymisierungsnetzwerk Tor, für iOS gibt es den Onion Browser. Für die Dateiverschlüsselung gibt zum Beispiel BoxCryptor als App für iOS und Android. Wer dann noch die Standortdaten deaktiviert und eine privatsphärenfreundliche Suchmaschinen-App von Startpage oder von DuckDuckGo installiert, hat bereits ein vergleichsweise sicheres Smartphone in der Hand.

Das Blackphone kann noch etwas mehr. Um den teils kostenlosen Apps wie Redphone etwas entgegenzusetzen, gehören zum Blackphone auch zwei Jahre kostenlose Nutzung der Silent-Circle-Apps sowie drei Einjahresgutscheine zum Verschenken. Denn auch ein Blackphone-Besitzer kann nur mit jemandem verschlüsselt telefonieren, der die App Silent Phone nutzt. Nach Ablauf des Jahres muss der Gutscheinempfänger entscheiden, ob er zehn Dollar im Monat für die Dienste von Silent Circle ausgibt, sich selbst ein Blackphone kauft – oder eben nicht mehr verschlüsselt telefonieren kann.

Etwas wirklich Einzigartiges ist die Steuerung der App-Berechtigungen. "Der heutige Konsument ist der Wirt von hundert Datenparasiten auf jedem Smartphone, und er hat keine Kontrolle, kein Mitspracherecht und keine andere Option. Bis jetzt." So schrieb es Mike Janke, einer der Blackphone-Macher, noch vor wenigen Tagen. 

Silent Contacts ersetzt das normale Adressbuch

Das Blackphone ist dagegen ein Gerät für Kontrollfreaks. Denn Nutzer können im sogenannten Security Center jeder einzelnen App bestimmte Berechtigungen verweigern, also zum Beispiel die Einsicht ins Adressbuch oder das Senden von Standortdaten an den Anbieter. Das Adressbuch wird durch die App Silent Contacts geschützt, sie ersetzt das gewohnte Android-Adressbuch.

Manche Apps werden, wenn sie eingeschränkt werden, nicht mehr einwandfrei oder sogar gar nicht funktionieren. Die Blackphone-Macher sagen, dann gebe es drei Alternativen: Nutzer können der App doch alle erforderlichen Rechte einräumen, sie können nach einer anderen App mit den gleichen Funktionen suchen oder den Anbieter der App kontaktieren und dazu drängen, die App auch ohne bestimmte Berechtigungen auf dem Smartphone funktionstüchtig zu machen.