Kurz: Duolingo ist fast zu gut, um gratis zu sein. Ganz ohne Gegenleistung funktioniert es denn auch tatsächlich nicht. Denn mit jedem übersetzten Satz, mit jedem neuen gelernten Wort, hilft die Armee an Duolingo-Schülern, das Internet in möglichst viele Sprachen zu übersetzen. Eine Art Wikipedia der Sprachen. Das Duolingo-Team bedient sich für die Übungen und Tests echter Sätze aus dem Netz, anstatt sich mühsam neue auszudenken. Zahlreiche Übersetzungen ein- und desselben Satzes von fortgeschrittenen Nutzern stellen sicher, dass das Ergebnis auch wirklich stimmt.

Mit diesem Ansatz hat es die App, die Ende 2011 an den Start ging, zum Star unter den Lernprogrammen gebracht. Apple kürte Duolingo gerade erst zur "iPhone App des Jahres 2013", inzwischen frischen rund 20 Millionen aktive Nutzer ihre Sprachkenntnisse auf und übersetzen so nebenbei die Seiten von Kunden wie CNN und Buzzfeed. Auch die New York Times denkt über eine Zusammenarbeit nach. Erfinder Luis von Ahn (der einst das Captcha-Verfahren entwickelt hat, mit dem Webseiten feststellen, ob wir Mensch oder Maschine sind), will Duolingo zum professionellen Übersetzungsdienst ausbauen.

Zehn Sprachen spricht Duolingo, darunter neben Spanisch auch Italienisch, Deutsch, Portugiesisch und Französisch. Wer will, kann gleich mehrere parallel lernen. Und: Wer Vorkenntnisse hat, der kann das mit Tests beweisen und beliebig viele Stufen überspringen.

Keine Werbung, keine Premium-Versionen

Es gibt im App Store haufenweise Programme zum Sprachenlernen. Doch keines macht auch nur ansatzweise so viel Spaß wie Duolingo (das weiß ich, weil ich verzweifelt nach einer Alternative für Französisch gesucht habe, bis ich gemerkt habe, dass ich bei Duolingo hin- und herwechseln kann). Und es gibt weder Werbung noch kostenpflichtige Premium-Versionen.

Einen Haken gibt es allerdings doch. Es kommt auf die Muttersprache an: Wer etwa Deutsch spricht, der kann zwar Englisch lernen – Spanisch gibt es allerdings bislang nur für Englischsprachige. Aber auch daran arbeitet das Duolingo-Team. Denn wer zwei Sprachen fließend spricht, kann mit dem Inkubator-Programm an neuen Kursen mitarbeiten. Acht weitere befinden sich derzeit schon in der Beta-Phase, an elf weiteren wird gebastelt.

Ob ich dann tatsächlich fließend Spanisch spreche, wenn ich es bis zum Endgegner schaffe? Wir werden sehen. Für heute habe ich das Tagesziel aber erstmal erreicht.

Duolingo gibt es für iPhone, iPad und Android.

Erschienen auf Bold Economy