Der Verkauf von Nokias Handysparte an Microsoft ist beschlossen und genehmigt, aber vollzogen ist er noch nicht. Deutlich wurde das auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, der größten Mobilfunkmesse der Welt. Microsoft und Nokia bewahrten vorsichtige Distanz zueinander.

Am Sonntag ließ Microsoft die Welt wissen, dass neben Samsung, HTC und Nokia in Zukunft auch LG, ZTE und Lenovo Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone laufen werden. Zudem wird Microsoft die Hardware-Anforderungen herunterschrauben, sodass auch weniger leistungsfähige Mobiltelefone mit Windows Phone laufen können. Das offensichtliche Ziel: den bisher winzigen Marktanteil von Windows Phone weltweit ausbauen, auch mit Einstiegsmodellen. 

Nokia wiederum stellte am Montag kein neues Windows-Gerät vor, sondern seine ersten Android-Smartphones. Das Nokia X, das X+ und das XL sind das Ergebnis des sogenannten Project Normandy

Allerdings steckt auch in den Android-Nokias eine Menge Windows. Die Finnen haben Googles Betriebssystem "geforkt", also aus dem Open-Source-Teil etwas Eigenes gemacht, so wie es auch Amazon für seine Kindle-Fire-Tablets getan hat. Das bedeutet: Die X-Familie setzt stark auf Microsoft-Dienste wie Here Maps, Skype, Outlook.com und vor allem OneDrive. "Die Geräte holen die Nutzer in die Microsoft-Cloud, nicht in die Google-Cloud", betonte Handysparten-Chef Stephen Elop. Zehn Gigabyte kostenlosen Cloud-Speicher gibt es deshalb dazu.

Auch die Benutzeroberfläche erinnert kein bisschen an Android, dafür umso stärker an die Kacheloptik des Betriebssystems Windows Phone. Und der Play Store von Google bleibt eine No-go-Area. Stattdessen können sich die X-Nutzer ihre Apps aus dem Nokia Store und von Drittanbietern, wie dem russischen Yandex Store herunterladen.

Das Nokia X und das X+ (mit mehr Speicher) haben vier Zoll große Displays und eine Drei-Megapixel-Kamera, sie sollen 89 und 99 Euro kosten. Das XL ist fünf Zoll groß und hat eine Fünf-Megapixel-Kamera, es wird 109 Euro kosten. Alle drei sind Dual-SIM-fähig. Das X soll sofort in den Handeln kommen, die beiden anderen im zweiten Quartal. Vor allem Wachstumsmärkte hat Nokia im Blick.

Zwischen den neuen Top-Modellen von Sony (das gleichzeitig vorgestellt wurde), Samsung (dessen Galaxy S5 am Montagabend vorgestellt werden dürfte) und LG kann Nokia also in diesem Jahr beim MWC nicht glänzen. Aber eine Messe ist kein Wettbewerb, an dessen Ende ein Sieger ausgerufen wird. Die nächste Version des Microsoft-Betriebssystems für mobile Geräte, Windows Phone 8.1, erscheint spätestens im Sommer, dann erst braucht Microsoft ein neues Nokia-Vorzeigemodell.