Allgegenwärtigkeit ist das Ziel von Google. Daraus macht das Unternehmen schon lange keinen Hehl mehr. Gelingen soll das mit dem Betriebssystem Android. Das gibt es in Smartphones und Tablets, aber auch schon in Autos und Spielekonsolen. Als Nächstes will Google es auf den sogenannten Wearables verbreiten, also auf tragbaren Computern und Sensoren wie Smartwatches und Fitness-Armbändern. In zwei Wochen werde Google ein entsprechendes Software-Development-Kit (SDK) für Entwickler bereitstellen, sagte Android-Chef Sundar Pichai auf der Konferenz South by Southwest (SXSW) in Austin. 

Ein SDK ist eine Art Werkzeugkasten, mit dem Softwareentwickler Apps bauen, testen und korrigieren. Mit einem solchen Werkzeugkasten können Entwickler sehr viel einfacher Anwendungen für ein bestimmtes Betriebssystem programmieren. Für Smartphone-Apps stellt Google bereits ein solches SDK bereit. Für Wearables wird es nun offenbar angepasst. Googles Kalkül: Je mehr Apps es für ein Betriebssystem gibt, desto eher werden Hardwarehersteller es einsetzen, statt selbst eines zu entwickeln. So würde sich Android auf dem Markt der Wearables verbreiten, ohne dass Google selbst die Geräte produzieren (lassen) muss.

Pichai sagte bei der Konferenz in Austin: "Wenn wir Wearables sagen, dann kann das für uns vieles heißen. Es könnte auch eine Jacke mit Sensoren sein." Auch Konzernchef Larry Page gab jüngst in einem Blogeintrag bekannt, dass er an die Dynamik von Wearables glaube. Bislang ist deren Zahl noch auf wenige Gerättypen beschränkt. Auf den großen Messen wie dem Mobile World Congress waren in diesem Jahr vor allem Smartwatches zu sehen. Technologieunternehmen und Nutzer testen aber längst weitere geeignete Felder. Drei Milliarden US-Dollar ist der Markt 2014 groß, schätzen die Wirtschaftsprüfer von Deloitte (PDF).

Goldschmuck mit Prozessor

Erste Geräte, die nicht nach Technik oder Sportgerät aussehen, gibt es bereits. Das mobile Gerät von Misfits etwa sieht wie ein Amulett aus. Fitbit, Hersteller von Fitness-Armbändern, hat eine Kooperation mit einem Schmuckdesigner angekündigt. Intel hat einen Preis für modische Wearables ausgeschrieben.

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung von Googles SDK ist gut gewählt. Im Bereich der Fitness-Armbänder hat Google sein Betriebssystem bislang nur schlecht platzieren können. Weder Fitbit noch Nikes Jawbone laufen unter Android. Hier hat Google Nachholbedarf.

Google reagiert auf die Konkurrenz

Bei den Smartwatches sah es lange Zeit besser aus. Im vergangenen Jahr lag der Marktanteil von Android bei etwa 60 Prozent. Das heißt, sechs von zehn Smartwatches wurden 2013 mit Android ausgeliefert, darunter die Modelle von Sony und Samsung. Allerdings hat Samsung gerade sein eigenes Betriebssystem namens Tizen vorgestellt, für die Smartwatches Gear 2 und Gear 2 Neo.

Google bekommt also Konkurrenz. Ein guter Werkzeugkasten für Entwickler kann in diesem Wettkampf entscheidend sein. Je komfortabler und kostensparender die Entwicklung einer App ist, desto höher der Anreiz für die Entwickler.