Der nächste logische Schritt nach den Computerbrillen wie Google Glass sind Kontaktlinsen. Noch gibt es diese Sehhilfen nicht, aber Google hat in den USA schon einmal ein Patent darauf angemeldet. Die in der Patentschrift beschriebene Kontaktlinsenkamera beinhaltet neben dem Bildsensor auch noch etwas Ansteuerungselektronik und einen Sensor, der den Auslöser ersetzt. Mit einigen gezielten Blinzelgesten soll die Kamera ausgelöst und das Bildmaterial per Funk auf ein mobiles Gerät übertragen werden.

Der Kontaktlinsenkamera fehlt nicht einmal die bei Google Glass entscheidende Komponente: Ein Display zum Anzeigen von Daten ist ebenfalls vorgesehen. Diese Rolle kann aber auch das Smartphone des Anwenders einnehmen.

Google beschriebt mehrere Anwendungszwecke, die allesamt auf eine Bildanalyse beziehungsweise eine Mustererkennung hinauslaufen. So könnten Sehbehinderte mit Hilfe der Kontaktlinsen und einer Bildauswertung prüfen, ob die Straßenüberquerung sicher möglich ist. Dazu müsste der Kontaktlinsenträger nur in die Richtung der Straße blicken, die Kamera liefert eine Aufnahme und das Smartphone könnte ihm dann sagen, ob die Überquerung jetzt möglich ist. Natürlich sind auch Gesichtserkennungen möglich – was mittlerweile jede einfache Kompaktkamera schafft, sollte auch mit den Kontaktlinsen in Verbindung mit einem Handy möglich sein.

Im Patent wird auch die Möglichkeit angeschnitten, dass ein Display in der Kontaktlinse das periphere Gesichtsfeld erweitern könnte. Auch ließen sich Objekte farblich hervorheben, mit denen der Benutzer droht zusammenzustoßen.

Patentantrag stammt aus dem Jahr 2012

Die Technik zu einem Display in der Kontaktlinse wird bereits erforscht. Wissenschaftler am Ulsan National Institute of Science and Technology in Südkorea haben mit Hilfe eines Geflechts aus Graphen und Silbernanodraht eine normale, weiche Kontaktlinse mit einer Leuchtdiode versehen. Bis zu einem Mikrodisplay direkt auf der Kontaktlinse ist es aber noch ein weiter Weg. Im November 2012 hatten US-Wissenschaftler ein Display, das drahtlos mit Strom versorgt wird, in eine Kontaktlinse integriert.

Google hatte den Patentantrag US20140098226 Ende 2012 eingereicht. Das US-Patent- und Markenamt hat ihn erst jetzt veröffentlicht. Ein Patent oder gar eine Patentanmeldung sind keine Belege dafür, dass die Erfindungen auch in die Realität umgesetzt werden.

Im Januar 2014 überraschte Google aber mit einer elektronischen Kontaktlinse, die Diabetes-Patienten helfen soll. Sie misst regelmäßig den Blutzuckerspiegel der Tränenflüssigkeit und kann so vor zu hohem oder zu niedrigem Blutzuckerspiegel warnen.

Erschienen auf golem.de