Yo ist so Juni 2014!

Zugegeben, der Hype um die minimalistische App hält an. Gerade verkündeten die Entwickler stolz, Yo sei mittlerweile zwei Millionen Mal heruntergeladen worden.

Dabei kann die App so gut wie nichts. Sie verschickt genau ein Wort an Bekannte aus dem Adressbuch, die sie ebenfalls installiert haben müssen: Yo. Mehr passiert nicht. Was der Sender damit sagen will, muss der Empfänger selbst wissen oder sich zusammenreimen. Je nach Situation oder Zeitpunkt kann ein "Yo" alles heißen von "Guten Morgen, mein Schatz" bis "Hast du das gerade auch gesehen?" Yo war zunächst als Aprilscherz gemeint, hat sich aber in den vergangenen drei Monaten zu einem richtigen Start-up entwickelt.

Und es hat sofort Trittbrettfahrer angelockt. Wer Yo nach zwei Wochen langweilig findet, hat vielleicht noch Spaß daran, seinen Freunden hin und wieder ein Hodor zu schicken (sofern sie die Anspielung aus Game of Thrones verstehen). Oder ein Hey.

Noch ist nicht abzusehen, wie nachhaltig das Prinzip der Ein-Wort-Apps ist. Grundsätzlich ist die Idee aber auch spannend. Kontextabhängige Kommunikation ist schließlich eine Art Verschlüsselung. Und die ist zum Beispiel interessant für Jugendliche, die sich bei Facebook von den eigenen Eltern beobachtet fühlen. Sie lieben solche und andere Codes, wie die Wissenschaftlerin Danah Boyd herausgefunden hat. Mit anderen Worten: Apps wie Yo erlauben es nicht nur Teenagern, unkompliziert, aber für Außenstehende unverständlich zu kommunizieren. Das dürfte für viele einen gewissen Reiz haben.

Ob Yo oder irgendein anderes Wort vielleicht sehr schnell langweilig wird, weil es inflationär gebraucht wird, wird sich bald zeigen. Das Prinzip, derart codierte Kurznachrichten auszutauschen, hat aber Potenzial und wird bereits weiterentwickelt, zum Beispiel mit der App La-La. Die ist gerade für iOS-Geräte erschienen und verschickt keine einzelnen Worte, sondern ausschließlich Song-Ausschnitte.

Ein paar Sekunden aus Lionel Richies Hello oder aus Insane in the Brain von Cypress Hill – das ist wesentlich abwechslungsreicher als immer nur Yo. Aber hier wie dort kennen meist nur Sender und Empfänger die Botschaft, die sich darin versteckt, weil sie situationsbezogen ist oder auf gemeinsamen Erinnerungen oder Erlebnissen beruht.

Song-Katalog soll schnell wachsen

Noch ist der Katalog an Song-Schnipseln überschaubar, aber in der App heißt es: "La-La ist erst drei Tage alt! Wir werden jeden Tag weitere Song-Snippets hochladen, um den Katalog zu vergrößern. Noch könnt ihr keine eigenen Snippets hochladen, aber das wird in den nächsten Wochen möglich sein." Zumindest eigene Vorschläge können Nutzer schon einreichen, die La-La-Macher wollen die dann schnellstmöglich lizensieren und in ihren Katalog aufnehmen.

Um auch jene kontaktieren zu können, die kein iPhone haben und die App deshalb nicht installieren können, verschickt La-La bei Bedarf auch SMS mit einem Link auf den Song-Ausschnitt. In jedem Fall muss der Empfänger den Song abspielen, um zu erfahren, um welchen es sich handelt und damit, welche Botschaft der Sender verbreiten wollte.

Wer bei Yo an den Untergang von Wortschatz und Abendland dachte, wird vielleicht für La-La mehr Verständnis aufbringen.