Oh, die Dropkick Murphys sind übermorgen in der Stadt? Vermutlich seit Wochen ausverkauft, bis ich es mitkriege. Ich will mich nicht ständig drum kümmern müssen, wann wer wo spielt. Dafür habe ich zu viele Interessen, das soll jemand anderes machen – bisher waren das meist Freunde. Es ist also fast Zufall, welche Konzerte ich mitbekomme.

Bandsintown könnte jemand sein, der sich für mich um Konzerte kümmert. Die App soll mir zeigen, wer wann in der Stadt ist. Kann in New York nicht schaden. Das Angebot hier ist viel größer und damit noch unübersichtlicher als anderswo. Wäre super, wenn ich coole Konzerte nicht mehr verpasse – so wie wahrscheinlich auch genau jetzt gerade. Zusätzlicher Anreiz: Mit der App soll ich meine Lieblingsbands verfolgen können und sehen, wo sie gerade unterwegs sind.

Ich bereite mich schon geistig darauf vor, Hunderte von Bandnamen einzugeben. Aber hey, das muss ich gar nicht. Stattdessen kann ich meine Accounts von last.fm, Pandora, Google Play (auf meinem Android), iTunes (auf dem iPhone) und auch Spotify (nur Premium) verknüpfen. Und schon hat die App einen recht guten Eindruck meines Musikgeschmacks – oder zumindest von der Musik, die über mein Handy läuft. Der Kollegin ist das suspekt, Stichwort: Apps und Facebook sollen nicht so viel wissen. Bei mir hingegen siegt die Faulheit.

In der Konzert-Wolke zeigt mir die App bekannte und unbekannte Bandnahmen. Fett gedruckt sind Bands, die ich "verfolge", also die aus meinen Profilen kommen. Der Rest sind Empfehlungen. Aber Moment, ABBA? Die gibt es doch seit Ewigkeiten nicht mehr? (Oder? Ich zweifle kurz.) In der App kann ich scheinbar zum nächsten Konzert-Termin der Schweden zusagen und das dann auf Facebook oder Twitter teilen. Die App kann mir sogar Track-Ausschnitte aus dem iTunes-Store vorspielen. "Ist das ABBA?" fragt meine Kollegin ungläubig als Dancing Queen durch das Büro schallt. "Die spielen in New York?"  Nein, aber angeblich in Glenside, Pennsylvania, etwa zwei Stunden von hier.

Buchen nur über externe Seiten

Über "Ticket kaufen" versuche ich mehr Informationen zu dem öminösen Abba-Revival zu bekommen. Ich werde zu einer externen Website für Ticketbuchungen weitergeleitet. Die ist offensichtlich nicht fürs Handy konzipiert und lädt und lädt und lädt und dann die Erleuchtung: "Abba-esque performance" – also eine Cover-Veranstaltung. Aha. Das habe ich mir ja schon gedacht. Aber irgendwie auch cool, dass die Verknüpfung funktioniert. Vielleicht bräuchte die App aber ein Feature für den In-App-Kauf von Konzertkarten, schließlich ist mir noch keine gute, einfache und intuitive oder gar mobile Ticket-Website begegnet.

Karten für das Bob Dylan-Konzert im November ("Was, der lebt auch noch und gibt Konzerte?") gibt es noch nicht. Das kann ich aber leider auch nur über die verlinkte Ticket-Website erfahren. Und eine Erinnerung kann ich mir in der App auch nicht setzen. Dabei vergesse ich das Konzert doch bestimmt, bis es Tickets gibt und dann sind die bestimmt weg. Trotzdem setze ich den Haken bei "vielleicht" – denn "vielleicht" denke ich so dran, in ein paar Tagen nochmal nach Tickets zu suchen. Die App möchte das am liebsten gleich bei Facebook posten, aber das kann ich abbrechen.

Wer spielt heute Abend?

Ich kann natürlich auch die Flut von Konzertankündigungen im Umkreis durchwühlen. Muss ich aber nicht, auch wenn das in der App recht übersichtlich aussieht. Wie die Liste mit Vorschlägen entsteht, ist mir ein Rätsel. David Guetta taucht zum Beispiel nur in der vollständigen Liste auf. Bandsintown hat dazu bis Redaktionsschluss nicht reagiert. Schon mit den Vorschlägen bin ich aber ganz zufrieden: Shaggy heute Abend, Kings of Leon am Samstag – oder doch lieber Chris Isaak? Wise Guys am Montag, Aerosmith am Mittwoch. Verdammt, Bandsintown wird mich ganz schnell arm machen!

Also günstigere Konzerte. In der kompletten Liste finde ich was Interessantes. Dead Stars spielt heute Abend in Brooklyn. Nie von gehört, aber dank der Musiksuche kann ich direkt reinhören. Klingt nach solidem College Rock. Also schnell noch über Facebook die bessere Hälfte einladen und Konzerttickets holen. Ich freue mich jetzt schon darauf, die App in Berlin auszuprobieren. So entkomme ich dort vielleicht endlich doch noch dem ganzen Elektrogedöns, auch ohne den rockigen Freundeskreis aus dem Studium.

Erschienen auf boldeconomy.com