Und dann gab es doch noch eine Überraschung. Auf der Samsung-Veranstaltung im Berliner Tempodrom stand am Mittwochnachmittag plötzlich John Carmack auf der Bühne: Der US-Amerikaner ist als Co-Gründer des legendären Spielestudios id Software bekannt, das mit Titeln wie Wolfenstein und Doom das Egoshooter-Genre prägte. An diesem Tag aber ging es nicht um Spiele, sondern um Carmacks neue Rolle als Technischer Leiter von Oculus. Jene Firma, die mit ihrer Brille Rift den Trend um Virtual Reality (VR) in den vergangenen beiden Jahren erst so richtig entfacht hat.

In Cargohose, zerknittertem T-Shirt und Turnschuhen präsentierte Carmack nach der Vorstellung der beiden Smartphones Galaxy Note 4 und Note Edge, sowie der Smartwatch Gear S, das wohl interessanteste Produkt an diesem Tag: Gear VR, Samsungs erste Virtual-Reality-Brille, die in Kooperation mit Oculus entstanden ist und seit einigen Monaten erwartet wurde.

Gear VR funktioniert nur mit dem Galaxy Note 4

Im Gegensatz zu Oculus Rift oder Sonys VR-Brille Morpheus benötigt Gear VR für den Betrieb weder ein Kabel noch Computer oder Spielkonsole – allerdings ein Smartphone. Die Brille funktioniert ausschließlich in Verbindung mit dem neuen Galaxy Note 4, sie ist in gewisser Weise nur eine Hülle.

Das Display und die Recheneinheit bilden das Note 4, das in die Vorderseite der Brille eingelegt wird. Ein kurzer Piepton signalisiert den Kontakt mit dem USB-Anschluss. Zum Schutz des Smartphones wird anschließend eine Kunststoffkappe aufgesetzt, die nach Angaben von Samsung individualisierbar sein soll. Aber auch in der Standardversion sieht Gear VR schick aus und sitzt angenehm auf dem Kopf.

Google hatte unter dem Projektnamen Cardboard in diesem Jahr eine Brille nach dem gleichen Prinzip vorgestellt. Allerdings bestand Cardboard aus gefalteter Pappe und funktionierte mit jedem Smartphone. Das Projekt war eine Spielerei, Gear VR soll es laut Samsung nicht sein.

Schnelle Reaktionszeiten

John Carmack erklärt auf der Bühne in Berlin die Schwierigkeiten für die Entwickler. Die Verzögerung, die zwischen dem Bewegen des Kopfes und dem veränderten Bild entsteht, müsse bei Virtual Reality minimal sein. Ansonsten sei eine erfolgreiche Immersion, also das Eintauchen in die virtuelle Umgebung, nicht möglich. Um das zu gewährleisten, benötigt es im Fall von Gear VR sowohl exakte Sensoren für die Kopfbewegungen, als auch genügend Rechenleistung, um das Bild schnell herzustellen.

Beides scheint Samsung und Oculus gelungen zu sein. In Gear VR stecken wie in anderen VR-Brillen zwei Linsen, die das Bild vergrößern. Die Auflösung des Galaxy Note 4 ist mit 2.560 x 1.440 Pixeln höher als die der aktuellen Oculus-Rift-Version. Da in der Brille selbst eine Tracking-Funktion verbaut ist, unterstützt sie die Sensoren des Smartphones. Über ein kleines Touchpad, einen Lautstärkeregler und einen Zurück-Knopf an der Seite der Brille können die Nutzer die Apps steuern.

Generell reagiert die Brille fast ohne Verzögerung auf Kopfbewegungen. Wie die Tester von golem.de schreiben, lassen sich aber dennoch Pixel und einige Fehler erkennen, unter denen auch Oculus Rift noch leidet. Der 3-D-Effekt sei aber ähnlich intensiv. Die Tester von Mashable bezeichnen den ersten Eindruck als "sehr sehr cool".