Der Autozulieferer Delphi zeigt auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas seine Vision vom sicheren Autofahren: die kombinierte Sprach- und Augensteuerung: "Wo ist ein Starbucks" öffnet auf dem Bildschirm im Armaturenbrett die Liste der Kaffeeläden in der Umgebung. Kameras im Auto folgen den Bewegungen der Pupillen des Fahrers. Der blickt den Bruchteil einer Sekunde auf das zweite Geschäft der Liste, das dann automatisch ausgewählt wird. "Fahr mich da hin", aktiviert die Navigation. Fertig.

Safety First: Ziel von Delphi ist es, die Augen des Fahrers so viel wie möglich auf der Straße zu halten und die Hände am Steuer. Ruht der Blick zu lange auf den Bildschirm der Navigation, wird dieser schlicht und einfach abgedunkelt. Immer erst die Straße.

Szenenwechsel: Der Ballsaal des Four Season Hotels. Nvidia zeigt den Supercomputer der Straße. Der Tegra X 1 liefert aus dem Handschuhfach die Rechenleistung, die vor 15 Jahren noch den größten Supercomputern der Welt in riesigen, klimatisierten Lagerhallen vorbehalten war. Solche Monsterchips werden die Augen und das Gehirn selbstfahrender Autos der Zukunft. Sie werden sehen, verstehen und lernen. Gesteuert werden sie mit Gesten, Augenzwinkern und Sprachbefehlen. Oder sie werden trainiert, alltägliche Routen automatisch zu fahren. All das ist nur noch ein paar Jahre entfernt.

Nvidia bereitet sich wie viele andere Unternehmen auf das nächste große Schlachtfeld der Digitalisierung vor: das Automobil.  Es war praktisch das einzige Thema von Nvidia Gründer und CEO Jen-Hsun Huang am Montag auf der CES. Superchips wie den Tegra X1 "brauchen wir nicht für Telefone", ruft er den Zuhörern im Four Seasons in Vegas zu, "wir brauchen sie für Autos."

Es ist die Zeit des großen Experimentierens. Gary Silberg von KPMG Chicago fasst es im Gespräch mit dem Handelsblatt knapp zusammen: "Pferdestärken werden bald nicht mehr so wichtig sein wie Computerpower." Die Gewinner der digitalen Revolution auf der Straße werden seiner Meinung nach "beweglich sein, zukunftsorientiert und bereit, in neue Märkte und Talente zu investieren."

Chip- und Autohersteller arbeiten gemeinsam

Audi etwa kam "vor zehn Jahren auf uns zu", räumt Nvidia-Chef Huang ein, und "hat uns überzeugt, dass ein Auto in Zukunft ein rollender Supercomputer sein wird". Seitdem arbeiten die früheren Spezialisten für PC-Grafikkarten aus San Jose und die Autobauer aus Ingolstadt eng zusammen.

Audi wiederum stand vor der riesigen Herausforderung die durchschnittliche Entwicklungszeit der Komponenten von fünf auf ein Jahr zu verdichten. "Wir mussten die Entwicklungsgeschwindigkeit an die der Konsumelektronik anpassen", sagt Ricky Hudy, Vice President bei Audi für Electronics Development.

Eine Herausforderung, der sich auch der Autozulieferer Delphi stellen musste. Mit Erfolg, wie Michael Gassen, Europachef von Delphi betont. "Wir haben vor sechs Monaten" erklärt er im Gespräch mit dem Handelsblatt, "mit einem Autokonzern über ein wirklich extrem komplexes Projekt erste Gespräche begonnen. In Produktion gehen wird es Anfang 2017." Undenkbar vor fünf Jahren.

Volkwagen zeigte mit dem Golf R Touch sein Konzept einer Gestensteuerung: Eine wischende Handbewegung in Richtung Windschutzscheibe schließt das Schiebedach, wischt man in Richtung Rückscheibe, wird es geöffnet.

All das benötigt Rechenpower und Nvidia sieht sich gut gerüstet. Zudem erwartet Huang einen dramatischen Wandel in der Technologie, die selbst fahrende Autos steuern wird. "Kameras werden immer mehr Aufgaben von Radar und Laser übernehmen", sagt Huang voraus.

"Wir sind auf dem richtigen Weg", zeigt sich auch Hudy zuversichtlich. "Glauben Sie mir, Sie brauchen nicht mehr zu lange auf einen fahrerlosen Audi zu warten". Audis fahrerloser A7 hat sich bereits vom Silicon Valley bis nach Las Vegas vorgearbeitet.