Endlich. Seit den ersten Ankündigungen vor mehr als zwei Jahren warte ich auf ein Smartphone mit vorinstalliertem Ubuntu-Betriebssystem. Nicht, weil ich mit den Android- und iOS-Geräten, die ich benutze, so unzufrieden wäre. Eher aus Prinzip.

Ubuntu ist für mich so etwas wie eine coole Band, die nicht mehr ganz Untergrund ist, aber auch noch kein Mainstream. Im Alltag ist es einfach ein Betriebssystem, das auf meinem Notebook so gut und stabil funktioniert, dass ich immer Mitleid empfinde, wenn ich Zeuge eines Software-Updates auf einem Windows-Rechner werde.

Seit zwei Jahren frage ich mich, ob mich die mobile Version der Linux-Distribution ebenso glücklich machen kann. Ob ein Ubuntu-Smartphone alle Vorteile der mittlerweile weit entwickelten Systeme Android und iOS (und Blackberry und Windows Phone sowieso) vergessen macht.

Nun ist es da. BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition heißt es, und es kostet 170 Euro. Ein Mittelklasse-Gerät also, mit sehr mittelmäßiger Ausstattung. Aber das ist mir egal. Es geht ja ums Prinzip.

Kurz zum Äußeren: Das Smartphone des spanischen Herstellers BQ hat eine eher billig wirkende Plastikhülle, einen Bildschirm, der schnell verschmiert, und einen ziemlich dicken Rand zwischen Displaykante und Gehäuse. Sonderlich hochwertig wirkt es damit nicht. Aber immerhin hat es zwei Steckplätze für Micro-SIM-Karten und einen für Micro-SD-Karten mit bis zu 32 Gigabyte Speicherkapazität.

Der Scope "NearBy" zeigt lokal relevante Informationen. © ZEIT ONLINE

Eine SD-Karte sollte man auch gleich dazu kaufen, denn mit (theoretisch) acht Gigabyte fällt der Speicher des Smartphones ziemlich klein aus – zumal er real noch etwas kleiner ist und das Betriebssystem einen Teil davon beansprucht. Die Bildschirmdiagonale beträgt – wie der Name schon sagt – 4,5 Zoll. Mit 123 Gramm ist das Gerät vergleichsweise leicht.

Die Acht-Megapixel-Kamera macht dem ersten Eindruck nach etwas zu helle, aber akzeptable Fotos. LTE beherrscht das Gerät leider nicht. Zur Akkulaufzeit kann ich nach meinem eher kurzen Test keine verlässlichen Angaben machen.

Viel wichtiger dürfte den meisten ohnehin die Benutzeroberfläche sein. Die erfordert eine gewisse Eingewöhnungszeit, macht dann aber durchaus Spaß.

Die Oberfläche, auf der man sich die meiste Zeit bewegt, besteht aus sogenannten Scopes. Es sind Überblicksseiten, die Daten aus verschiedenen, thematisch zueinander passenden Apps versammeln. Die einzelnen Apps verlieren damit an Präsenz und Bedeutung. Ein Prinzip, das Google so ähnlich in seinem virtuellen Assistenten Google Now umgesetzt hat, dort heißen die Übersichtsseiten "Karten".

Der erste nach dem Entsperren sichtbare Scope, also der Startbildschirm des Ubuntu-Smartphones, ist mit "Heute" überschrieben. Er zeigt Informationen zum Wetter, anstehenden Terminen und Benachrichtigungen zum Beispiel über die zuletzt empfangenen SMS.

Scopes sind nur zum Teil nützlich

Ein Wisch von rechts nach links führt zum nächsten Scope, er heißt "NearBy". Anhand der Standortdaten listet das Smartphone hier Sehenswürdigkeiten in der Nähe, Restaurants von Yelp, ortsbezogene Wikipedia-Artikel sowie geocodierte Flickr-Bilder auf. Für Touristen erscheint mir das praktischer als für jemanden, der seine Umgebung kennt.

Scope Nummer drei zeigt alle installierten Apps. Aktuelle Nachrichten aus verschiedenen vorausgewählten Quellen bilden den vierten Scope. Hier fehlen allerdings noch deutsche Kanäle. Die übrigen Scopes sind thematisch auf Musik, Videos und Fotos ausgerichtet, versammeln also zum Beispiel selbst geschossene Fotos, die Flickr-App und Instagram auf einem Bildschirm.