Endlose Auswahlmöglichkeiten machen das Leben in der Theorie auch endlos bunt. In der Praxis erstarren wir vor lauter Wahlmöglichkeiten gerne mal. Welchen Film sollen wir am Abend gucken, welches Buch lesen, welches neue Gadget kaufen? Ununterbrochen werden wir mit neuen Ideen überschüttet. Ununterbrochen haben wir Angst, uns für das Falsche zu entscheiden. An uns nagt die leise Ahnung, dass es bessere Alternativen gibt.

Bis wir das Erwählte genießen können, quälen wir uns deshalb meist erst durch einen mühsamen und stressigen Auswahlprozess. Wie schön ist es da, wenn uns ein Freund erzählt, dass wir das Buch, das er gerade gelesen hat, auch unbedingt kaufen müssen, dass diese bestimmte neue Uhr ganz fantastisch die Zeit anzeigt und wir dringend mal einen Cocktail in dieser neuen Bar trinken sollten.

Recommend, heißt es auf der Homepage recht vollmundig, soll uns genau dabei helfen. Endlich treffsicher entscheiden, wie, wo und womit wir unsere Zeit verbringen. Die Arbeit übernimmt das eigene Netzwerk aus Freunden und Experten. Das perfekte Hotel, den besten Film, das leckerste Restaurant: Ab sofort soll das so einfach zu finden sein wie nie zuvor. Anstatt sich alles mühsam im Netz zusammensuchen zu müssen, soll es uns hier auf dem virtuellen Silbertablett gebündelt serviert werden. "Da, wo Facebook irritiert und ablenkt, will Recommend nützlich sein." Klingt, als wäre die Lösung gefunden.

Wo sind die Experten?

Beim Start gibt es allerdings gleich ein Problem: Kein einziger meiner Onlinefreunde ist bei Recommend angemeldet, obwohl es die App (kostenlos für Android und iOS) in der ersten Fassung schon 2012 gab und die Macher in diesem Jahr 500.000 Nutzer anpeilen. Bei mir sind Empfehlungen aus dem eigenen Zirkel aber vorerst Fehlanzeige.

Mir bleibt nur, einigen vertrauenswürdigen, sogenannten Experten zu folgen, darunter die New York Times, das Onlinestadtblatt Gothamist und die Tech-Seite The Next Web. Weil die Macher von Recommend ausnahmsweise nicht aus den USA, sondern aus Frankreich kommen, finden sich in den Quellen neben wenigen englischen überdurchschnittlich viele französischsprachige Experten.

Die Skala reicht von "bad" bis "amazing"

Ist mein Expertennetz einmal zusammengestellt, gehen sie an die Arbeit. Meine persönlichen Empfehlungen finden sich gebündelt in einem Stream der verschiedensten Interessen wieder. Zur Auswahl stehen zum Beispiel "Books & Magazines", "Gadgets & Electronics", "Music & Concert" oder "Restaurants".

Man hat die Möglichkeit, sich durch das ganze Potpourri auf einmal zu wühlen, oder sich die einzelnen Kategorien gezielt anzuschauen. Schließlich muss ich nicht wissen, was gerade die neuesten elektronischen Spielzeuge sind, wenn mir eigentlich nur nach einem Film oder einem guten Buch ist.