Es ist erst knapp vier Wochen her, da stellte WhatsApp seine neue Telefon-Funktion für Android-Smartphones vor. Am vergangenen Dienstag veröffentliche der Blogger Jens Herforth einen Bericht, demzufolge WhatsApp die Gespräche auch speichert. Jedenfalls auf dem Smartphone und ungefragt. Herforth wurde von einem Nutzer darauf aufmerksam gemacht und konnte das nachvollziehen: Er fand in einem Ordner auf seinem Gerät die mitgeschnittenen Gespräche. Der Blogger Carsten Knobloch konnte das später ebenfalls nachweisen.

WhatsApp war in der Vergangenheit häufig durch laxes Verhalten in Sachen Datenschutz aufgefallen. Doch dieses Mal ist die Facebook-Tochter offenbar unschuldig. In einem Statement für heise online hat das Unternehmen die Berichte der Blogger zurückgewiesen. Es handele sich um eine "geleakte und rein interne Version von WhatsApp, die von den Programmierern für das Testen und die Fehlerbehebung bei VoIP-Telefonaten genutzt wird". Die aktuelle Version von WhatsApp, Version 2.12.5, zeichne keinesfalls die Gespräche der Nutzer mit. Dies wäre zudem strafbar.

Herforth und Knobloch hatten das merkwürdige Verhalten mit der internen Version produziert, Versionsnummer 2.12.45. Die Frage ist, wie sie an diese gelangen konnten. WhatsApp hat bisher nur erklärt, dass sie nie im Google Play Store zum Download bereitstand. Auf der eigenen Seite von WhatsApp ist die Version 2.12.45 auch gar nicht als öffentliche Version aufgeführt.

Herfort selbst hat sie von giga.de heruntergeladen, sein Tippgeber nach eigenen Angaben direkt von der WhatsApp-Seite. Wenn das stimmt, hatte WhatsApp sie dort möglicherweise versehentlich verlinkt. Weil die allermeisten Nutzer die App aus den offiziellen App-Stores herunterladen und nicht von der Website des Anbieters, sollte man WhatsApp nicht unterstellen, dass es seinen Nutzern die Funktion unterjubeln wollte.

Die Version ist noch immer im Netz

Der Download aus anderen Quellen als den App-Stores ist aber auch auf Seiten wie APKMirror oder APKReleases möglich. Im Store von MSI8 auf Aptoide zum Beispiel stand die fragliche WhatsApp-Version seit dem 3. April zum Download. Auf all diesen Seiten können Nutzer sogenannte APK-Dateien von Apps herunterladen und so die App auf ihrem Smartphone manuell und autark vom Google Play Store installieren.

Unter den Apps auf diesen Seiten sind teilweise ganz normale Versionen bekannter Apps. Nutzer, die ihre Smartphone gerootet haben, greifen etwa auf solche Seiten zurück. Denn um die volle Kontrolle über ein Android-Smartphone zu gelangen, muss auch der Google Play Store weichen. Neben den normalen Apps finden Nutzer dort aber auch solche, die es nicht in den Google Play Store geschafft haben. Sei es, weil sie sich nicht dem Google-Diktat unterwerfen wollen oder weil sie mit Schadsoftware infiziert sind. Eine Garantie wie im Google Play Store gibt es auf diesen Seiten nicht.

Fehler fiel erst nach vier Wochen auf

Wie die WhatsApp-Version 2.12.45 auf Seiten wie APKMirror und APKRelease landen konnte, ist ebenso unklar wie die Frage, warum sie auf der WhatsApp-eigenen Seite zu finden war. Fest steht aber, dass sie allein von APKMirror mehr als 140.000 Mal heruntergeladen wurde. Viele Tausend Nutzer haben also eine Version installiert, die ihre über WhatsApp geführten Telefongespräche mitzeichnet und lokal speichert, ohne in irgendeiner Form darauf hinzuweisen und ohne eine Möglichkeit anzubieten, das zu unterbinden. WhatsApp hat sich bisher nicht zu der Frage geäußert, ob das Unternehmen bei Version 2.12.45 auch von außen auf die aufgenommenen Gespräche zugreifen kann.

App-Entwickler weisen regelmäßig darauf hin, dass Software nur aus dem Google Play Store installiert werden soll. Denn nur diese ist verifiziert. Der Fall der geleakten WhatsApp-Version zeigt aber nicht nur, dass inoffizielle Seiten Einfallstore für fehlerhafte oder gar schädliche Software sein können.

Er zeigt vielmehr auch, wie wenig Nutzer über die Funktionen und die mitunter weitreichenden Rechte von Apps auf ihrem Smartphone wissen. Von sicherlich weit über 140.000 Nutzern ist nach vier Wochen offenbar nur einer darauf aufmerksam geworden, dass sein Smartphone Gespräche mitschneidet. Alle anderen haben dies entweder übersehen oder stillschweigend zur Kenntnis genommen.