Android-Nutzer sollen in Zukunft selbst bestimmen können, welche Zugriffsberechtigungen die Apps auf ihren Smartphones und Tablets haben dürfen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf "Personen, die mit der Materie vertraut sind". Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O am 28. und 29. Mai könnten die Pläne demnach vorgestellt werden.

Bisher zeigt Android vor dem Download nur, welche Rechte eine App verlangt. Nutzern bleibt nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren oder die App nicht zu installieren. Viele der Anwendungen aber verlangen Zugriffsrechte, die sie gar nicht oder nur in speziellen Anwendungsfällen brauchen. Die nicht benötigten Rechte sind mitunter geeignet, die Nutzer auszuspionieren oder deren Daten ungefragt für Werbung zu verwenden.

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten französische Forscher eine Studie über kostenlose Android-Apps, die im Hintergrund Tracking- und Werbedienste im Netz aufrufen. Das Ergebnis: Apps wie Music Volume EQ rufen fast 2.000 verschiedene Adressen auf, ohne dass Nutzer etwas davon mitbekommen. Dabei bräuchte die App gar keine Internetverbindung, um zu funktionieren, schließlich dient sie nur zur Lautstärke- und Klangregelung von Musik auf dem Smartphone.

Sollte Google den Android-Nutzern eine granulare Feineinstellung jeder App erlauben, könnten diese mehr Kontrolle über die Programme auf ihren mobilen Geräten und letztlich über ihre Privatsphäre gewinnen.

Google hat wie Microsoft mit Windows Phone in diesem Bereich Nachholbedarf. Apples iOS und das Blackberry-Betriebssystem erlauben das Feintuning längst, ebenfalls das auf Android basierende Betriebssystem Privat OS von Blackphone und die alternative Android-Distribution CyanogenMod. Im mobilen Ubuntu ist eine entsprechende Möglichkeit ebenfalls vorgesehen, im Test Ende Februar war sie aber noch nicht fertig.

In Android 4.3 fanden Blogger vor knapp zwei Jahren zwar schon eine entsprechende, aber versteckte Option. Daraufhin entstanden Drittanbieter-Apps, mit denen die Feineinstellung möglich war. Im Test von ZEIT ONLINE mit einem Android-Smartphone der Version 5.1 funktionierte die App allerdings nicht.

Bisher verdient Google an Apps, die zu viel können

Sollte Google die Funktion bald auch offiziell unterstützen, werden Nutzer zwei Dinge beachten müssen: Die Standardeinstellung wird immer sein, dass eine App bei der Installation alle Rechte bekommt, die sie verlangt. Wer ihr nur die nötigsten Rechte einräumen will, muss selbst aktiv werden und sich durch das Einstellungsmenü arbeiten. Außerdem werden einige Apps nicht mehr oder nur eingeschränkt funktionieren, wenn ihnen zu viele oder bestimmte Rechte entzogen werden.

Für Google wäre der Schritt weniger eine technische Herausforderung, sondern vielmehr eine geschäftliche. Denn erstens könnte der Schritt einige App-Entwickler abschrecken, die vor allem ihre kostenlosen Apps durch die Onlineverbindung zu Tracker- und Werbediensten refinanzieren. Um Android so attraktiv wie möglich zu gestalten, ist Google aber auf App-Entwickler angewiesen.

Außerdem fanden die französischen Forscher heraus, dass bis zu 90 Prozent der Werbedienste, die ihre getesteten Apps heimlich aufrufen, Google gehören. Das Unternehmen verdient bisher also daran, dass viele Apps mehr können und tun, als nötig wäre.