Es ist halb acht Uhr morgens. Bevor es in das Büro am Broadway geht, möchte ich mir noch schnell Bagel und Kaffee bei meinem Lieblingsitaliener kaufen. Von der Broad Street biege ich in die Wall Street ein und betrete das heruntergekühlte Geschäft. Was ich schon kurz nach meiner Ankunft in dieser Stadt feststellen musste, ist: die New Yorker sind immer in Eile. Nur im Café finden sie eine Minute der Ruhe und diskutieren das Wetter, das selten so ist, wie sie es gerne hätten – und in Minuten gerne von strahlendem Sonnenschein zu dicken Regenwolken wechselt. Aber niemand hier weiß so genau wie ich, was das unvorhersehbare New Yorker Wetter für uns bereithält.

Denn in der Tasche habe ich Climendo. Mittels GPS weiß mein neuer Wettergott, wo ich mich gerade befinde und will mir die sicherste Prognose von allen geben. Im AppStore finden sich unzählige Wetter-Apps. Eines haben sie alle gemeinsam – sie versprechen nichts Geringeres als die genaueste Wettervorhersage. Warum also 1,99 Euro in eine weitere App investieren, die ebenso die genaueste Prognose verspricht?

Hinter Climendo stecken die schwedischen Brüder David und Jacob von Corswant. Die leidenschaftlichen Surfer beklagten sich über ungenaue Windvorhersagen und konnten sich selten auf die vorhergesagten Surfbedingungen verlassen. Aus dieser Not heraus entstand die Idee, nicht nur einem Wetterdienstanbieter blind zu folgen, sondern die Daten mehrerer Anbieter zu mitteln.

Daten auch für Deutschland

Heute vergleicht und kombiniert Climendo die Daten von mehr als 10.000 Wetterstationen weltweit. Die "Durchschnittsprognose" wird dann – auch für deutsche Städte – auf dem Smartphone-Display angekündigt. Die kostenpflichtige Climendo-Version zeigt eine Fünf-Tage-Vorhersage, die in vier Sechs-Stunden-Prognosen unterteilt ist. Wer zehn Tage will, der muss noch einmal 99 Cent drauflegen.

Neben der Temperatur werden die zu erwartende Windgeschwindigkeit sowie die vorhergesagte Niederschlagsmenge angegeben. Zusätzlich illustriert ein Symbol, ob es sonnig, wolkig oder verregnet sein wird. Eine Wahrscheinlichkeitsangabe gibt mir eine Einschätzung, wie stark die zugrunde liegenden Wetterdaten übereinstimmen beziehungsweise abweichen. In New York ist es heute Mittag demnach "sehr wahrscheinlich", dass die Temperatur bei genau 30 Grad Celsius liegen und es leicht bewölkt sein wird.

Auch Climendo ist nicht unfehlbar

Und was sagen die anderen? Ein Wisch zeigt mir die fünf größten Wetterdienste an. Beruhigt sehe ich, dass die Temperatur nur zwischen 29 (laut Foreca, dem finnischen Unternehmen für Wettervorhersagen) und 33 Grad Celsius (nach der Wetterbehörde der Vereinigten Staaten, NOAA) schwankt. In die Mittagspause werde ich ohne Regenschirm gehen können, denn Climendosagt mir nur 0,2 mm Niederschlag voraus – auch wenn Konkurrent Dark Sky mit 0,53 Millimetern widerspricht. Aber dass die App pessimistischer ist, sagt schließlich bereits der Name.

Climendo behält recht. Es bleib trocken, die Mittagspause kann ich bei den angekündigten 30 Grad im Schatten genießen. Aber auch die vermeintlich beste aller Wetter-Apps ist nicht unfehlbar. Denn die Vorhersage hängt stark von den zugrunde liegenden Wetterinformationen ab. Sagt der eine Wetterdienst plus fünf, der andere aber minus fünf Grad Celsius voraus, wird Climendo mir einen Wert dazwischen angeben. Je größer die Schwankungen, desto schlechter also die Vorhersage.

Für den Normalverbraucher wird es kaum von Relevanz sein, ob es nun zwei Grad wärmer ist oder eben nicht. Für die Surfer unter uns kann Climendo womöglich aber tatsächlich nützlich sein. Und deinstallieren möchte ich die App noch nicht – nicht nur, weil ich die Zuverlässigkeit und Beständigkeit der Prognosen erst noch langfristig überprüfen möchte, sondern auch, weil ich für die Genauigkeit schließlich gezahlt habe. Und zumindest bei meinem Italiener mache ich damit Eindruck.

Climendo gibt es für Android und iOS und kostet 1,99 Euro.