Apple, Google und Microsoft läuten gemeinsam ein Beta-Wochenende ein. Alle drei Unternehmen haben in dieser Woche neue Testversionen ihrer Betriebssysteme bereitgestellt. Wer experimentierfreudig ist, kann jetzt iOS 9 und OS X El Capitan ausprobieren, die zweite Entwicklerversion von Android M oder auch eine neue Preview von Windows 10.

Für Apple ist es eine Premiere: Von einer komplett neuen iOS-Generation gab es bisher noch nie eine öffentliche Betaversion. Bisher konnten nur Entwickler frühzeitig auf kommende Versionen zugreifen, um ihre Apps zu testen. Das galt zunächst auch für iOS 9, doch nun kann sich jeder Interessierte auf beta.apple.com anmelden und bekommt anschließend eine Konfigurationsdatei zum Installieren von iOS 9 in der aktuellen Betaversion 3. Die Datei erlaubt es, das System als Over-the-Air-Update aus dem Internet zu laden, ganz so, als handelte es sich um eine normale iOS-Version.

Apple weist darauf hin, dass sich iOS 9 noch im Entwicklungsstadium befindet und deshalb möglicherweise nicht immer ganz rund läuft. Deshalb empfiehlt das Unternehmen, die Betaversion nur auf einem Gerät zu installieren, das man nicht unbedingt benötigt. Geeignet sind alles iPhones ab dem 4S, der iPod touch der fünften Generation und alle iPads ab der zweiten Generation, das iPad mini eingeschlossen. Außerdem ist es ratsam, vorher mit iTunes eine Sicherungskopie des bisherigen Betriebssystems anzufertigen.

Nach der erfolgreichen Installation von iOS 9 werden die Nutzer zunächst aufgefordert, eine sechsstellige PIN festzulegen statt wie bisher eine vierstellige. Diebe oder auch die Strafverfolger sollen den Entsperrcode dadurch nicht mehr so einfach mit purer Rechengewalt knacken können. Aber das funktioniert höchstens dann, wenn Nutzer  nicht unbedingt die naheliegendsten sechsstelligen Codes verwenden: Geburtstagsdaten. Denn von denen gibt es nur eine sehr beschränkte Anzahl.

Anschließend fällt vor allem eines direkt ins Auge: Apple Music ist als App vorinstalliert. Wenn das ab Herbst auf Millionen von Geräten der Fall ist, könnte das den Streamingdienst von Apple erheblich populärer machen.

Weitere wichtige Neuerungen, die wir aber noch nicht getestet haben:

  • Apple Maps zeigt auch ÖPNV-Verbindungen sowie detaillierte Angaben zum richtigen Ausgang zum Beispiel einer U-Bahn-Station an. Angekündigt ist die Funktion auch für Berlin, zu sehen ist davon bisher aber nichts.
  • Das Betriebssystem soll jetzt auch "proaktive Hilfestellung" leisten. Das bedeutet, iOS 9 lernt, wann und wo ein Anwender immer wieder die gleichen Apps aufruft und die gleichen Funktionen nutzt. Dann bietet es beim nächsten Mal eine Abkürzung zu dieser App an. Ein Beispiel: iOS 9 merkt sich, wenn ein Nutzer nach dem Einstöpseln der Kopfhörer immer als nächstes die Musik-App aufruft und zeigt diese künftig sofort an. Es analysiert zudem E-Mails automatisch und trägt Termine wie zum Beispiel Einladungen selbsttätig in den Kalender ein. Wer iOS 9 Zugriff auf seine Standortdaten erlaubt, bekommt auf Wunsch zum Beispiel auch Restaurantvorschläge aus der Nähe, abhängig auch von der Uhrzeit.  All das passiert und bleibt lokal auf dem Gerät, es findet also keine Profilbildung auf Apples Servern statt.
  • Zudem soll iOS 9 die Batterielaufzeit eines iPhones um eine Stunde verlängern. Ein neuer Stromsparmodus soll bis drei weitere Stunden bringen, dabei wird allerdings auch der Prozessor stark gedrosselt.
  • Auf dem iPad ermöglicht iOS 9 endlich verschiedene  Splitscreen-Optionen zum parallelen Arbeiten in zwei Apps, wie sie Android- und Windows-Tablets schon länger bieten.
  • Die News-App mit speziell aufbereiteten journalistischen Beiträgen von namhaften Medienpartnern gibt es in Deutschland zunächst nicht.

Praktisch gleichzeitig mit der öffentlichen Betaversion von iOS 9 hat Apple auch eine von OS X El Capitan zur Verfügung gestellt. Auch hierfür müssen sich die Anwender kostenlos registrieren. Anschließend erhalten sie einen Code, den sie im App Store einlösen können, um an die Beta zu gelangen. Die wird dann über den App Store eingespielt. Alle folgenden Beta-Versionen können anschließend über die Software-Aktualisierung wie normale Updates heruntergeladen und installiert werden.

Android M ist derzeit eher etwas für Entwickler

Googles neue Vorabversion von Android M richtet sich an Entwickler, nicht unbedingt an neugierige Privatanwender. Die Installation ist deutlich komplexer als die der iOS-Beta. Laut golem.de wird ohnehin erst die nächste, für Ende Juli angekündigte M-Version weitgehend dem fertigen Endprodukt entsprechen, das im Herbst auf den Markt kommen soll.

Microsoft veröffentlicht derzeit in schneller Folge Updates für die Vorabversion von Windows 10. Teilnehmer des Windows-Insider-Programms sollen fleißig Fehler melden, denn schon ab dem 29. Juli will Microsoft die finale Version verteilen.

Nutzer von Windows 7 und Windows 8.1 bekommen die fertige Version von Windows 10 innerhalb eines Jahres kostenlos, aber nicht alle gleichzeitig. Zunächst werden die fünf Millionen Teilnehmer des Windows-Insider-Programms das Upgrade erhalten. Erst danach sind die Millionen von Windows-Kunden an der Reihe, die sich für das Gratis-Upgrade angemeldet hatten.