Ich gebe ziemlich viel Geld für Kaffee aus. Morgens auf dem Weg zur Arbeit kaufe ich den ersten, und ab da dann etwa alle zwei Stunden einen weiteren. Kleckerbeträge, die sich läppern.

Ebenfalls nach dem Prinzip des Kleckerbetrags funktioniert die App Streetspotr. Sie vermittelt Mikrojobs, die sogenannten Spots, und entlohnt sie jeweils mit Kleinstbeträgen zwischen 1,50 und 7 Euro. Die Streetspotr, also die Straßendedektive, müssen Artikel in Supermarktregalen zählen, Kontaktdaten herausfinden oder Gebäude und Speisekarten fotografieren.

Auftraggeber ist entweder Streetspottr selbst oder ein Unternehmen, das so kostengünstig Marktforschung betreiben will. Die Liste ist lang, die Namen darauf prominent: Microsoft, Red Bull, Sony oder Philips nutzen die Daten zum Beispiel zu Marketingzwecken. Sie können bei Streetspotr ein Guthaben erwerben und nach Bedarf aufladen. Das wird dann an Dedektive wie mich verteilt. Gut für mich, so will ich mir einen Tag lang meinen Kaffeekonsum refinanzieren.

Damit das klappt, muss ich mir erst mal einen Kaffee kaufen. Ich nehme einen großen für 50 Cent mehr. Sollte ich ja schnell wieder drin haben. Und dann muss ich schnell sein. Ich habe 375.000 Konkurrenten, die schon viel geübter sind als ich: Seit Launch der Betaversion 2011 hat die investigative Crowd 1,5 Millionen Spots erledigt.

Seit Anfang an dabei ist der Nutzer Peter G. Er führt die Rangliste an und hat bereits rund 143.000 Streetpoints verdient. Knapp 3.000 Spots hat er erfolgreich bearbeitet. Aber ich hole auf. Nachdem ich die App installiert habe, erledige ich sofort meinen ersten Spot. Ich soll ein Foto von mir hochladen. Damit soll die Kamera getestet werden. Ein Job, der machbar erscheint.

Wer besonders fleißig ist, der bekommt bessere Jobs

Dafür kann ich nicht einfach eines aus der Galerie nehmen, sondern muss hier und jetzt eines schießen. Dann eben Neonröhre im Büro statt Nashville Instagram Filter. Ich muss Geburtstag, Geschlecht und Steuernummer angeben. Und ein Paypal-Konto, das ich bislang nicht besitze. Wer diesen Online-Bezahlsystemen also eher kritisch gegenüber steht, hat hier automatisch ein Problem.

Der erste Spot ist erledigt, die App bedankt sich und schreibt mir 50 "Streetpoints" gut. Neben dem Eurozeichen steht allerdings noch eine Null. Bargeld hat mir das also nicht beschert. Die Währung Streetpoints erschließt sich mir nicht so recht. 10 und 100 Streetpoints bringen beide einen Euro ein, 20 Streetpoints hingegen 2 Euro.

Esther Lachmann von Streetspotr versucht sich an einer Erklärung. Grundsätzlich gelte das Verhältnis 1:10, für zehn Points gibt es also einen Euro. Manchmal würden Spots aber im Verhältnis mit mehr "Points" als Euros belohnt. So sollen die User schnell Points sammeln und so auf ein höheres Streetspotr-Level kommen können. Aus dem gleichen Grund gebe es auch Spots, bei denen man gar kein Geld, sondern nur Streetpoints verdiene.

Wer besonders viele Points gesammelt hat, schwingt sich zum Experten auf und erhält Zugriff auf Spots, die besser bezahlt werden. Immer gilt die "12-7-30"-Regel: Um den Spot zu erledigen, habe ich 12 Stunden Zeit. Das Ergebnis wird innerhalb von sieben Tagen geprüft, das Geld überweist mir Streetspotr innerhalb von 30 Tagen auf mein PayPal Konto.

20 Streetpoints für die Nummer eines Kiosks

Ich wische im Menü herum, um mir die bevorstehenden Aufgaben und ihren Lohn anzuschauen. Auf einer Karte zeigen mir Punkte, wo wie viele Spots bearbeitet werden können. Rund 1.200 Spots sind am späten Nachmittag deutschlandweit aktiv. Die Hälfte fällt auf den Großraum Berlin. 

Beim Heranzoomen werden die Punkte zu blauen und grünen Fähnchen. In einem "Check it Out" -Spot muss die St. Piusskirche in Prenzlauer Berg fotografiert werden. 50 Streetpoints gibt es dafür. In einem Kiosk soll die Telefonnummer erfragt und an Streetspotr weitergegeben werden. 20 Streetpoints, 2 Euro. Hinter einer dunkelblauen Markierung verbirgt sich ein sogenannter Stufenspot. Hier soll ich für die Onlinekarte Wheelmap.org Fotos machen und Informationen über die Barrierefreiheit des Spots herausfinden. Gibt es Stufen? Wie breit sind die Türen? Das ist eine umfangreiche Aufgabe, finde ich. Geld kann ich hier aber nicht verdienen, lediglich 75 Streetpoints. 

In einer Real-Filiale soll ich prüfen, wo und wie einige Dr. Oetker Produkte plaziert sind. Verdienst: 1 Euro. In einer McPaper-Filiale soll ich Preise von einigen Produkten recherchieren. Verdienst: 3,50 Euro. Die Aufgaben sind kinderleicht, viele könnte ich bequem vom Rechner oder nach Feierabend vom Sofa aus erledigen. Das sieht die App anders. "Deine Entfernung zum Spot ist zu weit."

Die Spots auf der Karte fallen also weg, mir bleibt nur der Spot-Typ "Überall machbar" das sind Spots, die von überall aus erledigt werden können. Leider sind nicht immer welche verfügbar, jetzt gerade herrscht zum Beispiel Flaute. Ich kaufe mir einen Kaffee und warte. Negative Kaffee-Bilanz. Ein verlässliches Einkommen ist Streetspottr nicht gerade.