Wer in diesen Tagen überlegt, ein Android-Smartphone zu kaufen, landet früher oder später vermutlich bei Herstellern wie Samsung, Sony oder Motorola. Ein Gerät von LG oder HTC gilt – trotz teils ausgezeichneter Hardware – in Deutschland bereits als etwas exotisch, Huawei und Xiaomi sind ohnehin vor allem in Asien bekannt. Kenner, die Android in "Reinform" schätzen, also ohne nachträgliche Anpassung der Hersteller, greifen vielleicht zu einem Nexus-Gerät, deren neue Ausführungen Google am heutigen Dienstagabend präsentieren wird.

Es gibt aber Alternativen. Eine Analyse des App-Entwicklers OpenSignal kam in diesem Sommer auf rund 24.000 verschiedene Geräte, die mit Android laufen – der Offenheit des Systems sei Dank. Das bringt zwar Probleme wie Preiskämpfe und Konkurrenzdruck mit sich, sorgt aber auch für einige außergewöhnliche Ideen. Geräte wie das auf Datensicherheit ausgelegte Blackphone, das nachhaltig hergestellte Fairphone oder das YotaPhone mit zwei Bildschirmen sind Androiden der anderen Art.

Dass es noch ungewöhnlicher geht, zeigen aktuelle und kommende Produkte von Herstellern wie Vertu, Marshall, Nextbit oder Turing Industries. Je nach ihren jeweiligen Alleinstellungsmerkmalen kann man sie praktisch, ambitioniert oder schlicht größenwahnsinnig finden.

Futuristisch: Das Turing Phone

Sicherheit und Fashion versprechen etwa die Entwickler des Turing Phones. Zumindest sieht das Gerät mit dem 5,5 Zoll großen Bildschirm anders aus als jedes andere Smartphone auf dem Markt. Mit seinen scharfen Kanten und auffälligen Farbkombinationen (Pharaoh, Cardinal und Beowulf genannt) könnte das Turing Phone auch aus dem Labor von Tony "Iron Man" Stark stammen. Die Legierung heißt Liquidmorphium und soll nach Angaben der Hersteller widerstandsfähiger als Stahl oder Titan sein. Dank Nanotechnologie sind sämtliche Bauteile zudem vor Wasser geschützt – das Turing Phone ist somit wasserdicht.

Aber schützt es auch die Daten seiner Nutzer? Dem Hersteller zufolge soll das Android-System komplett angepasst sein. Das Gerät hat eine eigene Verschlüsselungstechnik, die dezentral über einen auf dem Smartphone gespeicherten privaten Schlüssel funktioniert. Wichtige Turing-eigene Apps sollen mit dessen Hilfe eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterstützen, jedenfalls solange die Kommunikationspartner alle ein Turing Phone benutzen. Ob das wirklich sicherer ist als bestehende Ende-zu-Ende-Lösungen für Mail und Kurznachrichten, müsste ein Test von unabhängigen Sicherheitsexperten zeigen. So lange es den nicht gibt, ist Skepsis angebracht.

Das gilt auch für andere Spezifikationen: Wie The Verge schreibt, ist der verbaute 2,5-Gigahertz-Prozessor etwas veraltet und auch die Qualität des Displays fällt im Vergleich zu Topgeräten der etablierten Hersteller ab. Die Kamera soll 13 Megapixel haben. Statt einem USB-Adapter für das Ladekabel hat das Turing Phone einen Anschluss, der eher an Apples MagSafe erinnert. Und wer Musik hören möchte, muss sich auf die Lautsprecher verlassen – einen Kopfhöreranschluss gibt es nicht.

Ob das Turing Phone trotzdem Käufer findet und ob die Sicherheitsfunktionen halten, was der Hersteller verspricht, wird sich am Ende des Jahres zeigen. Das Gerät kann vorerst nur über ein Vorbestellungs- und Einladungssystem gekauft werden. Günstig ist es nicht: Die Version mit 16 Gigabyte Speicher soll 610 US-Dollar kosten und im Dezember ausgeliefert werden.