Apple will keinen Zweifel daran lassen, dass es noch immer der Achthunderpfundgorilla der Branche ist. Während in Berlin der letzte Tag der Internationalen Funkausstellung IFA zuende geht, veranstaltet Apple in Kalifornien ein Event mit 7.000 Gästen, davon rund 500 Journalisten, um seine Sonderstellung zu feiern. Die beruht zwar seit einigen Jahren in erster Linie auf dem phänomenalen Verkaufserfolg der iPhones, was Analysten langsam nervös macht. Aber Apple hält prinzipiell auch alle seine anderen Produkte für das Maß aller Dinge.

Gut zwei Stunden lang stellte das Unternehmen am Mittwochvormittag (Ortszeit) in San Francisco seine kommenden Produkte vor: neue iPhones, ein großes iPad und nicht zuletzt ein komplett überarbeitetes Apple TV.

Die Neuerungen im Überblick:

iPhone 6s und 6s Plus

Sie waren die letzten am Mittwoch vorgestellten Geräte, offensichtlich gedacht als Höhepunkt: das iPhone 6s und das 6s Plus. Das verdeutlicht noch einmal, wie konkurrenzlos wichtig das iPhone für Apple ist.

Zur Hardware: Die Kameras sind runderneuert. Lange hatte Apple auf eine Acht-Megapixel-Kamera vertraut, statt das Rennen der Konkurrenten um Pixelrekorde mitzumachen, und war damit gut gefahren. Die Kamera des iPhone 6 und 6s ist sehr gut, wenn auch nicht völlig konkurrenzlos. Die 6s-Geräte bekommen nun aber eine Zwölf-Megapixel-Kamera, um detailstärkere Fotos zu liefern. Außerdem kann die Kamera nun 4K-Videos aufnehmen.

Auch die Frontkamera löst nun höher auf, nämlich mit fünf statt wie bisher 1,2 Megapixeln – für Facetime-Gespräche oder für Selfies. Das Display dient nun als Blitzlicht.

Das iPhone 6s bekommt mit 3D Touch eine neue Bedienebene. © Beck Diefenbach /​ Reuters

Die zweite große Neuerung heißt 3D Touch. Das drucksensitive Display hatte Apple mit der Watch eingeführt und auch ins Trackpad der MacBooks eingebaut. In beiden hieß es noch Force Touch. Während der Präsentation rutschte Apples Software-Chef Craig Federighi auch noch ein "Force Touch" über die Lippen – ein Zeichen dafür, dass der neue Name wohl in erster Linie aus Marketinggründen verwendet wird: Die prinzipiell bekannte Technik preist Apple nun mit viel Brimborium als neue Dimension von Multitouch an. Offenbar soll 3D Touch das große Kaufargument werden.

Auf dem iPhone ist sie zugegebenermaßen aber auch mächtiger als auf der Watch: 3D Touch öffnet bei stärkerem Druck auf den iPhone-Bildschirm Shortcuts zu häufigen Aktionen und Vorschaufenster wie zum Beispiel eine E-Mail. Bei anhaltendem Druck führt es direkt in den entsprechenden Inhalt. Letztlich geht es darum, mehrere einzelne Multitouchgesten durch eine durchgehende zu ersetzen.

Beim ersten Ausprobieren im Anschluss an das Event konnte Apple nur eine Handvoll verschiedener 3D-Touch-Aktionen vorführen. Ein fester Druck auf das Icon der Mail-App etwa öffnet ein Kurzmenü, mit dem sich unter anderem direkt eine neue E-Mail erstellen lässt. Das spart das vorherige Öffnen der App an sich. Weltbewegend mag das nicht sein, aber eben praktisch. Der Umgang mit 3D Touch erfordert allerdings ein wenig Übung.

Apple hat die Funktion auch App-Entwicklern zugänglich gemacht. Die Navigation durch Anwendungen wie Instagram und Dropbox ändert sich darum künftig, aber auch das Spielen von Games. Hier könnte 3D Touch zu einigen kreativen Spielideen genutzt werden.

Allein wird Apple damit aber nicht oder nicht lange sein. Huawei hatte auf der IFA ein Smartphone mit einer prinzipiell sehr ähnlichen Technologie vorgestellt und sie frecherweise Force Touch genannt. Das Mate S der Chinesen kommt wahrscheinlich erst nach dem 6s in den Verkauf, aber Huawei hatte offenbar vor, Apple zu trollen.

Live Photos ist dagegen neu auf dem iPhone. Ein fester Druck auf ein Foto macht aus dem statischen Motiv einen Minifilm: Ein porträtierter Menschen wirft sich in Pose, ein Wasserfall rauscht, Verkehr auf einer Straße bewegt sich. Das Prinzip dahinter ist simpel: Die Kamera nimmt nicht einfach nur ein Bild auf, sondern eine Sequenz. HTC-Nutzern wird das bekannt vorkommen, bei ihnen heißt eine ähnliche Funktion Zoe.

Ebenfalls neu ist der Prozessor, er heißt erwartungsgemäß A9. Er soll 70 Prozent schneller bei CPU-und 90 Prozent bei Grafik-Aufgaben sein. Und schließlich erwähnte Apple-Vize Phil Schiller noch, dass es für Wechselwillige nun einen sehr einfachen Weg gibt, Daten von einem Android-Smartphone auf ein iPhone umzuziehen.

Vorbestellungen sind ab dem 12. September möglich, der Verkauf startet am 25. September. Die Preise liegen zwischen 739 Euro für die 16-Gigabyte-Version des 6s und 959 Euro für die 128-Gigabyte-Ausführung des 6s Plus.

iOS 9

Am 16. September wird Apple sein neues mobiles Betriebssystem veröffentlichen. Was es kann, hatte Apple schon beim WWDC erklärt und erstmalig in der Geschichte von iOS eine Public Beta zum Testen bereitgestellt. Denn auch wenn iOS 9 einige Neuerungen mit sich bringt, so ist es wohl doch vor allem als Verbesserungsversuch gedacht, nachdem iOS 8 lange Zeit als unausgereift galt. Ob das gelungen ist, muss ein ausführlicher Test zeigen. Die Betaversionen jedenfalls hatten Entwicklern zufolge noch mit einigen Schwierigkeiten vor allem beim WLAN-Empfang zu kämpfen.

Die wichtigsten Neuerungen von iOS noch einmal zusammengefasst:

  • Siri wird ein wenig mehr wie der vorausplannde virtuelle Assistent Google Now und versucht "proaktive Hilfestellung" zu leisten, wie es bei Apple heißt.
  • Splitscreen-Multitasking für das iPad
  • ÖPNV-Informationen zumindest aus ausgewählten Städten in Apple Maps sowie exakte Hinweise, welcher Ausgang an Haltestellen der günstigste ist
  • sowie eine Reihe von Sicherheitsfeatures, die der Sicherheitsforscher Frederic Jacobs hier schon einmal zusammengefasst hat