Sie ist so groß wie ein Schokoriegel und auf den ersten Blick kaum als Kamera zu erkennen: Die Theta S genannte Kugelpanorama- oder Vollsphären-Kamera von Ricoh hat aber das Zeug, das Selfie als Ausdrucksform zu verändern. Auf der Internationalen Funkausstellung Ifa in Berlin können Besucher sie erstmals ausprobieren.

Die Vorgängerversion Theta M15 gibt es zwar bereits seit zwei Jahren, doch die Theta S macht qualitativ deutlich bessere Aufnahmen, verspricht Ricoh. Zudem kommt der Markt für 360-Grad-Kameras langsam in Bewegung. Blieb das erste Modell noch weitestgehend unbekannt, soll die Theta S die nächste Stufe der Fotografie begleiten.

Ricohs Kamera ist darauf ausgelegt, echte Kugelpanoramen mit minimalem Aufwand zu erstellen. Ein Klick auf den Auslöser reicht für ein Bild, das in alle Himmelsrichtungen geht, also automatisch auch ein Selfie ist. Dafür sorgen die beiden halbkugelförmigen Objektive am oberen Ende des Riegels. Die Aufnahme wird automatisch im Gerät zum Panorama zusammengesetzt und kann per WLAN aufs Smartphone übertragen werden.

Die Theta S kann außerdem Rundum-Videos von bis zu 25 Minuten in Full HD aufnehmen, selbst Live-Streaming ist möglich. Im Vorgängermodell waren es nur fünf Minuten, zudem war die Auflösung sowohl für Bewegt- als auch für Standbilder geringer. Mit speziell für professionelle Aufnahmen hergestellten Rundum-Kameras kann zwar auch die Theta S nicht mithalten, aber bei einem Verkaufspreis von rund 400 Euro peilt Ricoh ohnehin eine andere Zielgruppe an.

Google sammelt Theta-Aufnahmen für Street View

Betrachten lassen sich die Aufnahmen auf dem Smartphone, teilen können die Nutzer sie über die Website theta360.com, wo jeder ein Profil bekommt, sowie über Facebook, Twitter, Tumblr, YouTube und Google Maps. Eine App für Android und iOS ermöglicht das Einstellen und Auslösen der Kamera aus der Ferne, wenn sie etwa auf einem Stativ steht. Außerdem lassen sich Bilder und laut Ricoh bald auch Videos in der App bearbeiten, mit Filtern, Little-Planet-Effekten und Schnittmöglichkeiten.

Google wiederum hat eine eigene Street-View-App veröffentlicht, in der Nutzer die Theta-Aufnahmen aus aller Welt finden und betrachten können. Für den Markt sind solche Verbreitungskanäle wichtig, denn noch sind Kugelpanoramen vergleichsweise seltene Erscheinungen. Gleichzeitig profitiert auch Google: Im Idealfall kommt das Unternehmen so an Street-View-Aufnahmen von Orten, an die die eigenen Kameraautos nicht hinkommen. Ende Oktober soll die Ricoh Theta S auf den Markt kommen.