Die Internationale Funkausstellung Ifa entwickelt sich zur Bühne für neue Smartwatches. Das war schon im vergangenen Jahr zu beobachten und wird auch dieses Jahr so sein: Nach dem Verkaufsstart der Apple Watch im April stellen in dieser Woche sowohl Samsung als auch Motorola, Asus, und Huawei neue Uhren in Berlin vor. Im Mittelpunkt steht außerdem die iPhone-App von Android Wear – zum ersten Mal können damit auch Android-Uhren mit iPhones kommunizieren.

Samsung hat bereits vor einigen Wochen bei der Vorstellung des Phablets Galaxy Note 5 seine kommende Smartwatch angeteasert und kann es offenbar kaum erwarten, das Gerät vorzustellen. Schon vor der offiziellen Präsentation am Donnerstagabend hat der koreanische Konzern nämlich die meisten Details zur Gear S2 bekannt gegeben und damit die Woche der smarten Uhren eröffnet.

Samsungs neue Rundheit

Samsung hat sich von seinem rechteckigen Design verabschiedet und bietet nun erstmals eine runde Smartwatch an, die nicht mehr aussieht, als hätte man ein verbogenes Smartphone am Handgelenk kleben. In der Classic-Version wirkt die Gear S2 wie ein traditioneller Chronograf, die Standardversion dürfte eher die Freunde gepflegter Science-Fiction ansprechen: Sie hat keine schmuckhaften Verzierungen, sondern stattdessen einen dunkelgrauen Rahmen mit einer drehbaren Lünette, über die sich die Uhr "wie mit einem Lenkrad" steuern lässt. Am rechten Rand sind zudem zwei Knöpfe eingearbeitet, die weniger hervorstechen als etwa die Krone der Apple Watch.

Das Super-Amoled-Display der Gear S2 ist 1,2 Zoll groß bei einer Auflösung von 360 mal 360 Pixeln, was eine der höchsten Pixeldichten unter aktuellen Smartwatches bedeutet. Das Display ist vergleichsweise klein, trotzdem zählt die Uhr mit einem Durchmesser von 11,4 Millimetern zu den eher wuchtigen Geräten. Erste Bilder lassen vermuten, dass die Gear S2 trotz ihres reduzierten Designs recht auffällig wirkt – jedenfalls an etwas zarteren Handgelenken. Zu den weiteren Spezifikationen gehören ein GPS-Modul, ein NFC-Chip für bargeldloses Zahlen, ein Zweikernprozessor und vier Gigabyte Speicher.

Tizen und eSIM

Wie der Vorgänger läuft die Uhr mit dem von Samsung mitentwickelten mobilen Betriebssystem Tizen, also weiterhin nicht mit Android Wear. Auch wenn Tizen im Fall der Gear S2 einige besondere Steuerungsmöglichkeiten in Verbindung mit der drehbaren Lünette bietet, bleibt ein großer Nachteil: Nutzer können nicht auf die zahlreichen Android-Apps für Smartwatches zugreifen. Samsung will zwar das Angebot für Tizen weiter ausbauen, doch im Vergleich zu Android-Geräten könnte die geringe Auswahl interessierte Käufer abschrecken.

Zumindest für Internet und Telefongespräche benötigt die Gear S2 aber gar kein Smartphone, jedenfalls nicht die 3G-Version. Hat der Vorgänger noch das Nano-SIM-Format unterstützt, wird die Gear S2 eine neue Embedded SIM (eSIM) nutzen, die einen Providerwechsel ohne Austausch der Karte ermöglicht. Preise und Verfügbarkeit der verschiedenen Versionen wird Samsung vermutlich am Donnerstag im Rahmen der offiziellen Vorstellung bekannt geben.

Moto 360 in zwei Größen

Ein geleaktes Bild der neuen Moto 360 © Weibo.com/ihei5

Samsungs Gear S2 muss sich nicht nur gegen die Apple Watch, sondern vor allem gegen die asiatische Konkurrenz mit Android Wear behaupten – allen voran Motorola, das inzwischen zum chinesischen Konzern Lenovo gehört. Bereits die erste Version der Smartwatch Moto 360 im vergangenen Jahr überraschte mit einem runden und futuristischen Edelstahl-Design und konnte zumindest ansatzweise überzeugen. Gleichzeitig krankte die Uhr noch an einem unausgereiften Betriebssystem und der schwachen Prozessorleistung.

Wie erste Leaks zeigen, bleibt Motorola seinem tellerförmigen Design treu, allerdings ist die Krone von der Drei-Uhr- auf die Zwei Uhr-Position gewandert, was für die Bedienung hilfreich sein dürfte. Die Bilder legen nahe, dass Motorola den als "geplatzten Reifen" bekannten schwarzen Balken am unteren Displayrand beibehält. Dort sind Sensoren verbaut, die Motorola erlauben, den Rest des Displayrandes dünn zu halten. Die Moto 360 wird voraussichtlich in zwei Displaygrößen auf den Markt kommen: Eine Variante mit 1,37 Zoll und eine mit 1,55 Zoll – beide wären also größer als die Gear S2. Eine zusätzliche Sportedition könnte zu einem späteren Zeitpunkt folgen.