Manche Menschen speichern es auf Facebook als "Lebensereignis", wenn sie einen Monat überstehen, ohne ihr Datenvolumen aufzubrauchen und entweder nachbuchen oder ein Schneckeninternet benutzen zu müssen. In Deutschland sind solche Ereignisse besonders selten, weil die Mobilfunkanbieter im Schnitt deutlich weniger Datenvolumen anbieten als die in anderen europäischen Ländern. Für 35 Euro im Monat haben Menschen in Finnland 50 Gigabyte zur Verfügung, in Deutschland mitunter gerade mal 1 Gigabyte, wie Politico.eu im Mai berichtete.

Die Deutsche Telekom kennt diese peinliche Statistik sicherlich. Auf der Internationalen Funkausstellung Ifa in Berlin kündigte sie nun erwartungsgemäß an, ihre Tarife attraktiver zu machen: Neu- und Bestandskunden, die den Tarif MagentaMobil M ausgewählt haben, bekommen statt der bisherigen 1,5 nun 2 Gigabyte ohne Aufpreis, bevor die Verbindung gedrosselt wird.

Im Tarif L werden aus 3 nun 4 Gigabyte. Wer die teuersten Tarife L Plus oder Complete Premium gebucht hat, bekommt 10 statt 5 beziehungsweise 30 statt 20 Gigabyte. Auch in den Data-Comfort-Tarifen werden die Volumengrenzen leicht angehoben.

Einzig der Einsteigertarif MagentaMobil S beinhaltet weiterhin nur 500 Megabyte im Monat. Wer damit nicht hinkommt, kann in allen Tarifen Datenvolumen nachbuchen, das künftig 31 Tage lang gültig ist, also auch noch im Folgemonat. Damit lohnt sich das Nachbuchen auch noch drei Tage vor Ende eines Monats.

Zudem können LTE-Nutzer künftig schneller surfen als bisher: theoretische 150 Megabit pro Sekunde sollen Kunden erreichen, die den Tarif MagentaMobil S, M, Data Comfort S oder M gebucht haben, Nutzer der Tarife MagentaMobil L und Data Comfort L bestenfalls 300 MBit/s.

Teurer als in anderen Ländern

Im europäischen Vergleich sind die neuen Volumengrenzen immer noch sehr niedrig. Der Tarif MagentaMobil M etwa kostet knapp 40 Euro. Für 35 Euro dagegen bekommen Nutzer in der EU im Durchschnitt fünf Gigabyte, in Schweden, Dänemark, Großbritannien, Frankreich und vor allem Finnland noch sehr viel mehr. Der L-Tarif der Telekom wiederum, der immerhin 10 Gigabyte beinhaltet, kostet knapp 80 Euro. Die Telekom steht damit aber nicht allein: Auch die anderen Provider in Deutschland kassieren für die fünf Gigabyte im Monat aus dem EU-Vergleich deutlich mehr als 35 Euro im Monat.

Die auf dem Papier deutlich attraktiveren Tarife in anderen europäischen Ländern – wie gut dort die LTE-Netzabdeckung und die Netzqualität sind, geht aus dem Vergleich nicht hervor – sind zum Teil nur möglich, weil manche Regierungen den Mobilfunkausbau bereits in den neunziger Jahren stark subventioniert haben.

Zudem müsse das unterschiedliche Nutzungsverhalten berücksichtigt werden, teilten Bundeswirtschaftsministerium, Bundesnetzagentur und auch der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) zuletzt mit: In Deutschland werde weiterhin mehr als in anderen Ländern über Festnetzverbindungen gesurft, weil Deutschland besser mit Festnetzbreitband versorgt sei – was aber auch Ansichtssache ist. Für alle Menschen, die viel unterwegs sind und mobil surfen, sind die neuen Tarife zwar etwas besser, bleiben aber letztlich ein Tropfen auf den heißen Stein.