Es gibt diese Bekannten auf Facebook, die offenbar den ganzen Tag damit verbringen, nach Sachen zu suchen, die sie mit ihren Facebook-Freunden teilen können. Sie fluten die Timeline in verlässlicher Regelmäßigkeit mit ach so süßen Tiervideos, politischen Botschaften, Rezepten oder Trailern. Meist führt das dazu, dass ich sie nach kurzer Zeit von meiner Timeline verbanne. Sicher ist man aber auch dann nicht. Überall im Netz lauert permanente Reizüberflutung. Links, Posts, Artikel, Videos buhlen um unsere Aufmerksamkeit und sorgen für virtuelle Erschöpfungszustände.

Bei This. hat das ein Ende. Die Webseite (die es auch als gleichnamige App gibt), die in dieser Woche den privaten Beta-Status offiziell verlassen hat, will das Netz auf das Wesentliche – das heißt wirklich Teilenswerte – konzentrieren und so die Geschwindigkeit ein bisschen herausnehmen. Jeder Nutzer darf hier pro Tag genau EINEN Link posten. Eben This, nicht this, this, oh und vielleicht auch that.

Im Zweifel lässt man da das Katzenvideo vielleicht lieber links liegen, um auf einen Artikel oder ein Video zu warten, das den Freunden und Followern etwas mehr Mehrwert bietet. Die Beiträge kommen von Followern aus dem eigenen Twitter- und Facebook-Universum und bekannten Kuratoren aus Journalismus und Wissenschaft.

Alberne Videos? Fehlanzeige

"Wir fühlten uns überfordert von der Masse und unterfordert von der Qualität der Online-Medien und Netzwerke", schreiben die Macher in ihrem Blog. "Wir fühlten uns abgelenkt und sehnten uns nach einem Ort, der die ehrgeizigsten und facettenreichsten und sonderbarsten Inhalte im Netz feiert." Bei This. gilt das Motto: Von allem, was ich heute gesehen habe, ist es das hier, das Eure Aufmerksamkeit verdient. 502 Buchstaben hat man, um das in einer Kurzbeschreibung zu begründen.

An Tag drei nach dem Start finde ich unter anderem ein Artikel aus der Vogue über den Abgang von Raf Simons bei Dior und was das über Aufstieg und Fall der Modehäuser sagt. Es gibt die Geschichte eines Paars aus Neuseeland und wie sie das Leben ihrer schwerbehinderten zehnjährigen Tochter erleichtern wollen, indem sie ihr Wachstum stoppen. Oder einen Artikel von Wired über die Kosten des Klimawandels. Alberne und zeitraubende Videos? Fehlanzeige. 

Klar, was This. bietet, ist nur ein kleines Guckloch in die Weiten des Netzes, eine stark zensierte Parallelwelt. Dennoch: Die Seite ist ein ruhiger Hafen, ein Ort, an dem einem die virtuelle Creme de la Creme zusammengesucht wird, sodass man sich nicht selbst durchs Dickicht wühlen muss. Das wirkt auf den ersten Blick erstaunlich überfällig und extrem beruhigend. Für die Katzenvideos kann man dann ja jederzeit zurück zu Facebook.

This. gibt es als Webseite und als iOS-App, die bislang aber nur in den USA.