Ab wann darf man Weihnachtsmusik spielen? Was würdet Ihr lieber für den Rest Eures Lebens essen – Burger oder Hot Dog? Und wenn Ihr nur Alkohol oder Marihuana legalisieren könntet – welches würdet Ihr wählen? Die Welt ist voller großer und kleiner Fragen. Manche davon erscheinen erst nach ein paar Gläsern Wein wirklich wichtig, andere beschäftigen uns auch nüchtern. Und mit Sayer gibt es jetzt endlich einen Ort, an dem man jederzeit um ein paar Antworten bitten kann.

"In den vergangenen Jahren habe ich immer mehr das Interesse an sozialen Netzwerken verloren", sagt Sayer-Gründer Patrick Davis. Die besten Gespräche in der nicht-digitalen Welt seien von Fragen getrieben, die das Denken anregen. Die Inhalte seiner Feeds hätten dagegen hauptsächlich aus narzisstischen Statements bestanden – Ankündigungen, Selfies, Status-Updates. "Wir wollten eine Gemeinschaft schaffen, die sich um Fragen dreht, die uns inspirieren", so Davis.

Das Ergebnis sind Sooths. So heißen bei Sayer Umfragen und Vorhersagen, die die Nutzer in die Runde werfen. Bei der App aus Kalifornien geht es, zumindest in der Theorie, nicht darum, Tipps für ein technisches Problem zu bekommen oder einfache Entscheidungshilfen zu finden. Sooths sollen Neugier wecken oder Debatten starten. Was ist die Lieblingsjahreszeit? Vertraust Du Trinkwasser? Wer ist romantischer – Männer oder Frauen? Das Beste an Offline-Gesprächen, so Davis, solle bei Sayer in die digitale Form übertragen werden.

Es dauert nur wenige Sekunden, um selbst ein paar Gedanken anzuregen. Man legt die Frage fest, mögliche Antworten und Laufzeit und schickt das Ergebnis hinaus in die Sayer-Community. Bei Bedarf können die Nutzer ihren Sooths Links zu Artikeln oder Videos anhängen. Unter "Trending" finden sich die beliebtesten Sooths, Nutzer können zudem gezielt nach bestimmten Kategorien suchen.

Dass Fragen uns alle plagen, zeigte vor nicht allzu langer Zeit die Schauspielerin Anna Kendrick. Sie präsentierte sich in einem Video gedankenversunken auf einem Stuhl am Meer und murmelte mehr oder weniger weise Gedanken vor sich hin: Verbraucht ein Eiscreme-Kopfschmerz mehr Kalorien als einer, der von Frozen Yogurt ausgelöst wird? Ist mein brauner Gürtel traurig, dass ich mich heute für den schwarzen entschieden habe? Ich frage mich, wie mein Hund mich nennt?

Sayer kam das Video gerade recht zum Start. Die Macher griffen die Fragen auf und schickten sie hinaus in die Gemeinde. Aber der Dienst will noch mehr sein als ein netter Zeitvertreib. Die App, die fast ausschließlich per Crowdfunding finanziert wurde und erst seit wenigen Wochen online ist, will die Daten mittelfristig aggregieren und so bereitstellen, um neue Erkenntnisse über Meinungen und Vorlieben seiner Nutzer zu gewinnen.

Im dazugehörigen Firmenblog gibt sich das Startup entsprechend schon jetzt ernster. Dort greift das Team die großen Debatten des Landes auf und fragt etwa, wie viele Amerikaner gegen ein Waffenverbot und für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen sind – und fordern die "Sayers" auf, eigene Sooths zu den wirklich wichtigen Dingen zu starten.

Bislang klappt das allerdings nur bedingt. Bei Sayer geht es meist eben doch um Schuluniformen, den Snooze-Button oder Tattoos, nicht um Syrien, Arbeitslosigkeit oder Klimawandel. Und repräsentativ für das große Ganze sind die Umfragen mit 180 bis 330 Teilnehmern auch noch nicht.

Ein Problem immerhin ist schon gelöst: Weihnachtsmusik darf man erst ab dem Tag nach Thanksgiving spielen. Da sind sich 65 Prozent der Nutzer einig.

Sayer gibt es gratis für iOS.