Die gute Nachricht zuerst: Mozilla hat eine neue Software veröffentlicht. Eine iOS-App, um genau zu sein. Sie heißt Focus by Firefox und blockiert Anzeigen, Tracker und Analysetools im mobilen Safari-Browser.

Werbeblocker gibt es seit der Einführung von iOS 9 zwar haufenweise, aber Mozilla hat eine eigene Vision. Focus ist kostenlos, der Quellcode wird ebenso offengelegt wie die Liste der blockierbaren Tracker. Zudem soll die App irgendwann in der Lage sein, den Traffic jeder beliebigen iOS-App zu filtern, ganz nach den Wünschen der Nutzer. Dafür muss aber Apple mitspielen. Bisher lässt es der iPhone-Hersteller nicht einmal zu, dass Focus im ebenfalls gerade erst veröffentlichten Firefox für iOS funktioniert.

Nun zur schlechten Nachricht: Mozilla hat angekündigt, keine weiteren Smartphones mit seinem Betriebssystem Firefox OS zu entwickeln oder zu verkaufen. Die Organisation will allenfalls testen, wie sich Firefox OS auf vernetzte Geräte im Internet der Dinge portieren lässt.

Die neue Strategie vom Mai ist schon wieder hinfällig

Damit gesteht Mozilla ein, dass es in dem hart umkämpften Markt nicht geschafft hat, sein Betriebssystem als attraktive Alternative zu Android oder auch nur dem mobilen Windows und anderen Nischensystemen zu etablieren. 

Zwar hatte Mozilla erst vor einem guten halben Jahr intern eine neue Strategie ausgegeben, um mehr Nutzer zu Firefox OS zu locken. Statt vor allem auf ultrabillige Mobiltelefone für Einsteiger zu setzen, wollte man Geräte bauen, "die Menschen wegen der Nutzererfahrung kaufen, nicht wegen des Preises". Doch der Plan ging nicht auf. Software und Hardware wurden nie wirklich nutzerfreundlich, ausgereift und damit konkurrenzfähig. Weil aber auch die Mobilversionen des Firefox-Browsers bisher keinen nennenswerten Marktanteil haben, verschwinden Mozillas Endkundenprodukte langsam aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Man kann das für problematisch halten: Je weniger Menschen etwas (mehr oder weniger) Greifbares von der Mozilla Corporation bekommen, desto schwieriger könnte es für die Mozilla Foundation werden, als relevanter Lobbyist für das freie und offene Internet wahrgenommen zu werden.

"Die Welt braucht Mozilla"

Mozillas Chefjuristin Denelle Dixon-Thayer versucht nun, diese Bedenken zu zerstreuen. In einem Blogpost schreibt sie: "Wir sind mehr als unsere Produkte. Wir messen unseren Erfolg nicht nur an der Verbreitung unserer Produkte, sondern auch an unserer Fähigkeit, den Menschen mehr Kontrolle in ihrem Online-Leben zu geben, an unserem Einfluss auf das Netz durch unsere Technologien, unsere Beiträge zu Standards und daran, wie wir das Netz schützen, das unsere Nutzer wollen".

Sie listet anschließend Web-Technologien, -Standards und Initiativen auf, an denen Mozilla beteiligt ist, darunter WebGL für 3D-Grafiken, WebRTC für Echtzeitkommunikation und der Videocodec OpenH264. Sie erwähnt Mozillas Arbeit am Protokoll HTTP/2, an der offenen Certificate Authority Let's Encrypt, die Administratoren kostenlose Zertifikate zur SSL/TLS-Verschlüsselung ausstellt und die netzpolitischen Anstrengungen von Peru bis Indien. Für Entwickler, Unternehmen und Fachkreise ist das alles wertvoll, für normale Internetnutzer bleibt es praktisch unsichtbar.

Dixon-Thayer schreibt: "Die Welt braucht Mozilla als Anführer im Kampf für Offenheit mehr denn je". Letztes verbliebenes Aushängeschild für die breite Masse ist jedoch der Firefox-Browser. Auf dessen Entwicklung will sich die Mozilla Corporation nun konzentrieren, um ihn zu alter Stärke zurückzuführen, um – wie es Mozilla-Chefin Mitchell Baker ausdrückt – "signifikanten Einfluss auf die heutige Computer-Welt zu haben".