"Darf ich mal kurz anfassen?" Die Frage höre ich kaum noch, wenn ich mal wieder ein neues Testgerät in die Redaktion bringe. Von neuen iPhones abgesehen interessieren sich die lieben Kollegen kaum noch für die im Prinzip immer gleich aussehenden, mal schwarzen, mal rosé-, mal sonstwiegoldenen flachen Quader. Nur HTC ist eine Ausnahme. Der wirtschaftlich gebeutelte taiwanische Hersteller hat hier noch immer Fans, und die wollen das neue HTC 10 zumindest mal kurz berühren.

Auch für mich sind die Metall-Unibody-Gehäuse von HTC immer etwas Besonderes. Das war schon beim HTC Legend so, damals, im Jahr 17… 2010. Es hat noch heute einen Ehrenplatz in meiner Althandyschublade. Das HTC One M7 von 2013 war so lange das schönste Smartphone, das ich je gesehen habe, bis ein Jahr später das M8 herauskam. Das fand offenbar HTC selbst so hinreißend, dass es sich mit dem M9 praktisch selbst kopiert hat.

Nun also das HTC 10. Die Verwandtschaft ist zumindest auf der Geräterückseite sofort offensichtlich, auch wenn das Unternehmen selbst die One-Reihe als abgeschlossen betrachtet: Kameralinse, Antennenstreifen, und prinzipiell die Rundungen an den Kanten – das alles hat einen Wiedererkennungswert. Der größte Unterschied sind die geschliffenen Ränder auf der Rückseite. Das mag Geschmackssache sein, aber die glatteren Übergänge des M8 und M9 finde ich hübscher.

Exzellentes Display, unerreichter Sound

Zum Vergleich: HTC One M8 (li.) und HTC 10 © ZEIT ONLINE / Patrick Beuth

Zudem sieht das HTC dadurch klobiger aus als die One-Geräte, obwohl es das nicht ist: Mit 145,9 mal 71,9 mal 9 Millimetern ist es nur minimal länger und flacher sowie gut zwei Millimeter breiter als das M9, und es wiegt 161 Gramm statt 157.

Auf der Vorderseite sieht mir das HTC 10 zu samsungig aus. Die beiden auffälligen Lautsprechergrills der Vorgängermodelle sind verschwunden, der HTC-Schriftzug ebenfalls. Der Fingerabdrucksensor sieht aus wie der eines Galaxy-Smartphones. Fazit: Das HTC 10 ist einer der hübscheren flachen Quader, sieht für meinen Geschmack aber nicht ganz so großartig aus wie das M8 und das M9.

Keine Wünsche offen lässt der 5,2-Zoll-Bildschirm, der mit 2.560 mal 1.440 Pixeln auf eine Pixeldichte von 564 ppi kommt und mit allem mithalten kann, was mir in letzter Zeit in die Finger geraten ist. Die Kollegen von golem.de bemängeln, dass die Helligkeit nachlässt, wenn sie das Gerät von der Seite betrachten, aber so eine Kritik habe ich nie nachvollziehen können. Ich schaue grundsätzlich frontal auf mein Smartphone, wie jeder normale Mensch.

Es gibt zwei Farbprofile, "normal" und "lebendig". Letzteres zeigt wärmere, sattere Farben, aber beide Modi haben ihre Berechtigung. Zudem lassen sich beide über Schieberegler feintunen, sodass jeder die passende Balance finden sollte.

Angenehm nah am puren Android

Was auf dem Bildschirm zu sehen ist, gefällt mir auch: eine weitgehend schnörkellose Benutzeroberfläche, die zwar wie gehabt HTC Sense heißt, aber weitgehend an pures Android 6.0.1 erinnert. Wer sich mal mit Samsungs TouchWiz herumschlagen musste, weiß, wovon ich spreche. Außerdem gibt es einen HTC-eigenen Theme-Shop, über den sich alternative Designs einrichten lassen.

HTC verspricht, aufgrund der wenigen Anpassungen künftig schneller die Updates von Google für Android ausliefern zu können. Bisher waren die Taiwaner dabei nicht die allerschnellsten, die Ankündigung lässt nun hoffen.

Zu den Stärken der One-Reihe gehörte immer der Sound, und da macht das HTC 10 keine Ausnahme. Die Lautsprecher sind denen eines iPhone 6s qualitativ klar überlegen, sofern man in den Einstellungen den Musik- und nicht den sogenannten Theatermodus auswählt. Erheblich lauter sind sie auch. In aller Regel werden Smartphones aber mit Kopfhörern oder Bluetooth-Boxen genutzt. Kopfhörernutzern bietet HTC die Einrichtung individueller Hörprofile an, und wer sich ein paar Minuten Zeit dafür nimmt, wird mit einem Sound belohnt, der satter ist als der eines iPhones.

Der Akku des HTC 10 reicht auch mal für eineinhalb Tage

Die restliche Hardware entspricht dem, was man in dieser Preisklasse heutzutage erwarten darf: Vier Gigabyte Arbeitsspeicher und Qualcomms Snapdragon 820 sorgen dafür, dass auch grafisch aufwendige Spiele das Gerät nicht an seine Belastungsgrenze bringen. Die 32 Gigabyte Festspeicher lassen sich mit MicroSD-Karten auf bis zu zwei Terabyte erweitern.

Die Flex-Storage-Option im HTC 10 © ZEIT ONLINE / Patrick Beuth

Wer nicht nur Musik und Fotos, sondern zum Beispiel auch mehrere sehr große Spiele samt Spielständen speichern will, kann die MicroSD-Karte als internen Speicher formatieren. Flex Storage oder auch Adoptable Storage nennt Google die in Android 6.0 eingeführte Möglichkeit. Dabei wird die Karte formatiert, alle zuvor darauf gespeicherten Daten gehen also verloren. Dafür wird die Karte anschließend zu einem Teil des Geräts, inklusive Verschlüsselung, und funktioniert wie der interne Speicher. Bei LG und Samsung mag man diese Option nicht, HTC aber unterstützt sie.

Der Akku hat eine Nennladung von 3.000 Milliamperestunden, was problemlos reicht, um auch bei intensiverer Nutzung über einen Tag zu kommen. Mein bisheriger Eindruck ist in dieser Hinsicht sogar ausgesprochen positiv. Selbst nach einem langen Testtag, an dessen Ende ich das Ladegerät in der Redaktion vergaß, musste ich mir keine Sorgen machen, am nächsten Morgen mit einem nutzlosen Smartphone in der S-Bahn zu sitzen. Dabei habe ich weder den Energiesparmodus, geschweige denn den "extremen Energiesparmodus" verwendet. Zudem sorgt eben jenes Ladegerät dafür, dass der Akku im Test nur 45 Minuten brauchte, um von etwas unter 20 auf 85 Prozent Ladung zu kommen.