Android, wo bleibt mein Update? Das fragten wir an dieser Stelle bereits vor knapp sechs Jahren. Schon damals war es ein Problem des mobilen Betriebssystems, dass viele Smartphones mit verschiedenen und veralteten Versionen liefen und damit die sogenannte Fragmentierung des Marktes vorantrieben. Hersteller und Mobilfunkbetreiber, die das Standard-Android von Google mit eigenen Features und Oberflächen anreicherten, kamen schon damals nicht schnell genug mit Updates hinterher. Selbst die Kunden namhafter Hersteller mussten bisweilen Monate auf neue Versionen warten – wenn sie denn überhaupt kamen.

Sechs Jahre später hat sich an dieser Situation wenig geändert. Android ist das weltweit am meisten verbreitete mobile Betriebssystem, es gibt mehr Hersteller und Geräte denn je. Doch mit Ausnahme von Googles eigenen Nexus-Modellen ist es immer noch so, dass offizielle Systemupdates Wochen oder gar Monate benötigen, um auf die Geräte der Nutzer zu kommen. Nach Googles eigenen Angaben läuft derzeit etwas mehr als ein Drittel aller Android-Geräte noch mit Version 4.4. Kitkat, das im Herbst 2013 erschien. Zum Vergleich: Mehr als 80 Prozent aller iPhone-Nutzer haben das aktuelle iOS 9 installiert.

Nachdem die Sicherheitslücke Stagefright im vergangenen Jahr nahezu alle Android-Geräte bedrohte, gelobten Hersteller wie Samsung zwar, zumindest monatliche Sicherheitsupdates zu liefern. In der Realität funktioniert das nicht immer auch für alle Geräte, denn um die neuesten Updates bekommen zu können, muss ein Smartphone in der Regel mit der aktuellen Android-Version laufen. Und oft prüfen auch die Mobilfunkanbieter erst, ob sie ein Update für ihre Kunden freigeben.

Googles schwarze Liste

Schon bald könnte Google den Druck auf die Hersteller und Provider erhöhen. Wie Bloomberg berichtet, führt Google eine Liste mit Herstellern, die besonders schnell und viele Android-Updates ausliefern. Diese Liste soll erstmals zu Beginn des Jahres den Partnern ausgehändigt worden sein. Der Clou: Sie enthält nur Hersteller, die sich vergleichsweise gut engagieren. Wer dagegen nicht auf ihr steht, darf sich gewissermaßen von Google bloßgestellt fühlen. Es ist unklar, ob Google diese Liste wirklich öffentlichen machen möchte, aber auch in der Branche setzt sie ein Zeichen: Google zeigt, dass man genau im Blick behält, welcher Partner wann und wie schnell seine Geräte aktualisiert.

Bloomberg berichtet unter Berufung auf einen leitenden Angestellten eines bekannten Herstellers, dass sich Google zudem dafür einsetze, dass bestimmte Sicherheitsupdates künftig an den offiziellen Tests der Hersteller und Mobilfunkbetreiber vorbei veröffentlicht werden.

Deren Tests sind einerseits verständlich, denn schließlich fällt es nicht Google, sondern dem Hersteller auf die Füße, wenn ein Smartphone nach einem Update nicht mehr richtig funktioniert. Ob die Unternehmen Googles Forderungen nachkommen, ist deshalb fraglich. Die kommende Android-Version soll zumindest eine Funktion bieten, mit der Sicherheitsupdates automatisch im Hintergrund geladen und installiert werden.

In jedem Fall scheint Google zunehmend daran interessiert zu sein, aktiver auf die Updatepolitik der Hersteller einzuwirken, was gerade in den Anfangsjahren von Android nicht der Fall war. Das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen färben große Sicherheitslücken wie Stagefright eben auch auf Google ab und lassen Android als System in der Summe schlecht aussehen. Zum anderen ist Android mittlerweile zu wichtig für Googles Geschäftsmodell, als dass die Mehrheit der Nutzer mit veralteten Versionen arbeiten sollte, die einzelne Features und Dienste nicht unterstützen.