Ich habe einen Kindle. Mittlerweile schon seit etwa zwei Jahren, und mittlerweile bin ich ein ziemlicher Fan. Ich sage mittlerweile, weil ich am Anfang nicht so wirklich überzeugt war – denn ich bin auch ein Freund von traditionellen Büchern, also denen auf Papier.

Als ich den Kindle damals zum Geburtstag bekam, war ich also noch eher semibegeistert. Jetzt lese ich fast nur noch damit: Im Bus, im Zug, im Park, im Flugzeug und am Strand. Mein Kindle ist allerdings ein Gerät der älteren Generation, genauer gesagt der Kindle 4 aus dem Jahr 2011. Der leuchtet nicht und er hat auch keinen Touchscreen.

Bisher hat mich das nicht gestört. Warum also sollte ich knapp 290 Euro für ein neues Gerät ausgeben, nur damit es leuchtet, etwas leichter ist und schöner aussieht? Die Rede ist vom neuen Kindle Oasis. Natürlich soll der noch ein paar weitere Vorteile haben, aber was davon merke ich als Normaloleser?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich den neuen Kindle für einige Tage ausprobiert. Vorher habe ich mir eine Liste gemacht und gezielt darauf geachtet, welche der angepriesenen Vorteile mir als Laie wirklich auffallen.

Aussehen und Handling

Die Besonderheit des Kindle Oasis ist seine Bauform. Im Gegensatz zu meinem alten Kindle ist das Gehäuse aus Metall, und mit 131 Gramm ist es deutlich leichter und auch dünner – jedenfalls auf einer Seite. Die andere Seite ist nämlich dicker, was den Eindruck eines Buchrückens vermitteln soll, wie es offiziell heißt. Der Reader soll somit besser in der Hand liegen, mehr wie ein normales Buch eben.  

Ehrlich gesagt konnte ich den Kindle aber auch nicht viel besser festhalten als mein altes Modell. Und auch, wenn das etwas schwerer ist, ist mir bisher auch nach stundenlangem Lesen noch nicht annähernd die Hand abgefallen. Auch Muskelkater hatte ich noch nicht. Insgesamt finde ich die neue Form ganz nett, aber für mich persönlich ist sie kein überwältigender Vorteil. Noch dazu finde ich den Kindle ohne Schutzhülle optisch etwas seltsam, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Der Kindle Oasis hat eine spezielle Griffseite. © ZEIT ONLINE

Hülle und Akku

Die mitgelieferte Schutzhülle ist gleichzeitig ein Akku. Wer den Kindle an den Strom anschließt, lädt immer zuerst das Gerät und erst dann die Hülle. Später entlädt sich zuerst die Hülle, sodass der Reader möglichst immer Strom hat. Keine schlechte Idee, aber ganz durchdacht erscheint mit das Konzept nicht. Zum einen habe ich die Hülle schon aus Schutzgründen nur selten abgelegt, und weil der Akku integriert ist, ist sie relativ schwer. Mit Schutzhülle wiegt er etwa 240 Gramm, mehr als mein alter Kindle 4.

Zum anderen ist es mit angeschlossener Hülle nicht mehr möglich, den Oasis an seiner Griffseite zu halten. Die Akkuhülle hebt also Vorteile wie das geringe Gewicht und die spezielle Form wieder auf. Dafür sieht sie gut aus, und auch über die Akkulaufzeit kann man sich nicht beklagen: Laut Produktbeschreibung soll der Akku monatelang halten. Allerdings muss ich auch meinen alten Kindle geschätzt nur einmal im Monat aufladen – und das, obwohl ich jeden Tag im Schnitt etwa eine Stunde damit lese.

Bildschirm und Auflösung

Der Bildschirm dreht sich dank Sensoren automatisch wie bei einem Smartphone. Das ist praktisch, wenn man die Hand wechseln möchte und wirklich die dicke Seite des Readers zum Festhalten nutzt. Allerdings habe ich das in der Praxis wegen der Hülle nicht gemacht. Außerdem ist mir aufgefallen: Ich halte das Buch manchmal während des Lesens etwas schräg – und ein paar Mal hat sich dabei schon der Bildschirm gedreht. Eine Möglichkeit, das Drehen komplett zu deaktivieren, gibt es nicht.

Was die Auflösung (300 DPI) des E-Ink-Displays und die Hintergrundbeleuchtung angeht, ist der Oasis meinem alten Kindle um Längen voraus. Logischerweise. Im Vergleich zum Kindle Voyage oder Paperwhite aber ist sie gleich. Ich war mir die ganze Zeit ziemlich sicher, dass ich keine Hintergrundbeleuchtung brauche. Schließlich habe ich eine praktische Anstecklampe, und auch sonst lese ich eher selten im Dunkeln. Hier musste ich wirklich feststellen: Das Hintergrundlicht ist super. Selbst wenn man eine kleine Lichtquelle hat, ist es um einiges angenehmer, mit der zusätzlichen Beleuchtung zu lesen. Auch die Schrift wirkt schärfer.