Snapchat kann einpacken. Faceswapping, Geofilter – alles Regenbogenkotze von gestern. Nichts sagt ABF wie ein herzhafter Tritt in die Eier.

Deshalb wird Rawr das nächste große Ding, ganz bestimmt. Die erste Messenger-App der finnischen Firma Futurefly kommt ohne die Künstliche Intelligenz von Googles Allo aus, ohne die Streberverschlüsselung von WhatsApp, ohne die Kommerzbots von Facebooks Messenger. Stattdessen setzt Rawr auf Xbox-artige Avatare. Und eben den Tritt in Siewissenschon als Ausdruck für ... Zuneigung? Was man als Jugendlicher eben so macht.

Nach dem Download der kostenlosen iPhone-App erstellt man seinen Avatar, gibt ihm Frisur, Bart, Augenfarbe, Figur und Brille nach Wahl und einen Namen. Später kann man ihm auch Kleidung verpassen. Markenkleidung gibt es auch, in verschiedenen virtuellen Shops für In-App-Käufe.

Zur Registrierung muss man die Handynummer angeben, an die man eine Bestätigungs-SMS gesendet bekommt. Dann erhält der Avatar eine Einführung in Rawr-Konversation.

Die besteht aus ganz normalen Textchats, angereichert durch Hashtag-Aktionen, die von dem animierten Avatar ausgeführt werden. Bei #hug umarmt dieser seinen Gesprächspartner, bei #applause klatscht er Beifall, bei #poop kackt er, und zwar wahlweise Küken, Kraken, Kacke oder andere Dinge.

Avatar-Gestaltung in Rawr © Futurefly / Screenshot ZEIT ONLINE

Es gibt mehr als hundert Gesten, Aktionen, Gefühle, Orte und Tätigkeiten, die sich per Hashtag auslösen lassen. Auf #kick etwa, man ahnt es schon, folgt der Tritt zwischen die Beine.

Wer in Rawr chatten oder um sich treten will, kann Freunde einladen, allerdings nur über die Alte-Menschen-Anwendungen SMS, E-Mail oder Twitter. iOS fragt zudem, ob Rawr Zugriff auf das Adressbuch haben darf, was man verneinen kann. Wer keine Freunde hat, die gerne mit Avataren spielen, kann sich über die sogenannte Globetrotter-Funktion mit zufällig ausgewählten Nutzern aus aller Welt verbinden. Wie bei Chatroulette, die Älteren werden sich mit Grausen erinnern.

Die Pimmelparade von damals wird sich in Rawr allerdings nicht wiederholen, denn nur Freunde können sich über die App Fotos (aber keine Videos) zuschicken. Die Zufallskontakte können nur die Hashtag-Aktionen benutzen und eben ganz normal chatten.

Hashtag-Aktionen lassen sich spezifizieren

Wobei Letzteres kaum nötig ist. Denn viele Hashtag-Aktionen lassen sich spezifizieren. Siehe #poop. Wer zum Beispiel #eat eingibt, kann wählen, was genau der Avatar essen soll. Manuell getippter Begleittext kann dadurch mehr oder weniger überflüssig werden. Die Kommunikation findet dann nonverbal und kontextabhängig statt, wie beim vorvorletzten Beinahe-Nächsten-Großen-Ding, der App Yo.

Damit besetzt Rawr zwei Nischen: Avatare bietet keiner der populären Messenger und Chatten ohne lästige Texteingabe klingt zumindest theoretisch attraktiv.

Allerdings fehlen mit einer Android-Version, Gruppenchats, Videounterstützung und anderen Dingen noch einige Kernfunktionen, die ein Messenger braucht, um konkurrenzfähig zu sein. Man sollte Rawr deshalb vielleicht einfach nur als unterhaltsames Hallo, Welt  des kleinen finnischen Unternehmens Futurefly verstehen. Snapchat kann trotzdem einpacken.