Allerdings weiß Cook natürlich, dass Apple neue Einkommensquellen braucht, wenn die iPhone-Rekorde ausbleiben. Den Gewinn zu maximieren und die Anteilseigner zufriedenzustellen, ist schließlich zentraler Teil seines Jobs. Das Dienste innerhalb des Apple-Ökosystems, etwa Apple Music, eine dieser Quellen sein sollen, hat Cook bereits im Juli deutlich gemacht. Da stellte er in Aussicht, dass Apple 2017 mit Diensten so viel Geld verdienen wird, dass es allein damit ein Fortune-100-Unternehmen wäre.

Was bisher eher wenig Beachtung erfährt, weil es nichts mit den fotogenen Warteschlangen vor Apple Stores in aller Welt zu tun hat, ist der Geschäftskundenbereich. Hier sieht Cook "enorme Möglichkeiten" für Apple, vor allem iPads zu verkaufen. Deshalb arbeite das Unternehmen mit Cisco, IBM und SAP zusammen, einigen der wichtigsten Player im B2B-Segment. So will Apple sicherstellen, dass seine Hardware in jedem großen Unternehmen einsetzbar ist.

Cooks Berater: Clinton, Buffet, Blankfein, Cooper

Über ein Apple-Auto hingegen möchte der Apple-CEO nicht sprechen. Und auch, welche Produktentwicklungen Apple in den vergangenen Jahren wieder eingestellt hat, bevor ihre Existenz überhaupt öffentlich bekannt wurde, will er nicht verraten. Dafür sagt er, Augmented Reality (AR) sei "extrem interessant und eine Art zentrale Technik", mit der Apple "hinter der Kulissen viel mache". Es darf also spekuliert werden, ob Apple an einer AR-Hardware wie Microsofts Hololens arbeitet – oder eher an Inhalten wie Pokémon Go interessiert ist.

Im Gespräch mit Fast Company verweist Cook zudem darauf, dass Apple mit Apps und Software-Frameworks wie HealthKit und ResearchKit sowie mit Hardware in Form der Apple Watch im Wellness-, Fitness- und Gesundheitsbereich aktiv geworden ist. Während die Pharmaindustrie und Medizintechnikhersteller ihre Produkte in erster Linie so entwickeln, dass die Krankenkassen später dafür zahlen, könne Apple einfach anbieten, was sich die einzelnen Nutzer wünschen. Diese Unabhängigkeit macht den globalen Billionen-Dollar-Markt Gesundheit für Cook so attraktiv, schon ein ein winziger Marktanteil wäre eine Goldgrube: "Wenn einem die Erstattungen durch die Krankenkassen egal sind, und dieses Privileg haben wir nun einmal, lässt das sogar den Smartphone-Markt klein erscheinen."

Für Apple-Fans und -Hasser gleichermaßen erhellend dürfte noch die Liste derer sein, auf deren Meinung Cook wirklich etwas gibt: Bill Clinton, wenn es um Politik geht, Warren Buffet, wenn es um Aktionärsbeteiligungen geht, Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein, wenn es um Steuern geht, CNN-Starmoderator Anderson Cooper, als es um sein Coming-out ging, und Laurene Powell Jobs, die Witwe von Steve, wenn es um Apple geht. Es ist diese Kontaktliste, die Tim Cooks iPhone von den 999.999.999 anderen unterscheidet.