Die Idee ist immer noch so simpel wie spannend: Ein Smartphone als Bausatz, der sich je nach Belieben erweitern und erneuern lässt. Ich möchte eine bessere Kamera? Kein Problem, dafür gibt es eine bessere Linse. Der Akku reicht mir nicht aus? Einfach einen stärkeren draufstecken. Und Gamer? Können über das entsprechende Modul einen externen Controller anschließen.

Individualität, Flexibilität, Nachhaltigkeit – das waren drei der Prinzipien mit denen Google für sein modulares Smartphone Project Ara warb. Vor drei Jahren stellte das Unternehmen das Projekt gemeinsam mit der damaligen Tochter Motorola erstmals vor. Das zusammensteckbare Gerät sollte das Smartphone-Design revolutionieren, Elektroschrott reduzieren und unter anderem Menschen in Entwicklungsländern die Chance geben, an ein günstiges und ihren Bedürfnissen angepasstes Smartphone zu kommen.

Es bleibt bei einer Vision, denn wie Google am Wochenende bestätigte, ist Project Ara offiziell beendet. Zuvor hatte das bereits die Nachrichtenagentur Reuters vermeldet.

Die Entscheidung kam überraschend. Noch auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz kündigte Google an, das Projekt durch eine komplette Neuausrichtung retten zu wollen nachdem die geplante Markteinführung in Puerto Rico nicht zustande kam. Google wollte sich dabei vom Grundprinzip verabschieden: Zentrale Bestandteile wie das Display sollten doch nicht mehr austauschbar sein, stattdessen sollte das Gerät lediglich erweitert werden können, etwa durch ein Kameramodul, das über die integrierte Kamera gesteckt werden sollte. Der Niederländer Dave Hakkens, der mit seinem Projekt Phonebloks gewissermaßen als Vater des modularen Smartphone gilt, kritisierte das.

Google fehlten die Partner

Nun gab es in den vergangenen beiden Jahren durchaus begründete Zweifel am Erfolg des Projekts. Diese waren zum einen technischer Natur: Ein Problem für die Entwickler war es, die Steckmodule so an der Rückseite des Geräts anzubringen, dass sie fest halten, vor Schmutz geschützt sind, sich trotzdem leicht austauschen lassen. Das ganze Gerät sollte dabei auch noch einigermaßen gut aussehen. Erste Prototypen, die im vergangenen Jahr unter anderem auf dem Mobile World Congress vorgestellt wurden, waren doch sehr klobig und gewöhnungsbedürftig. Zudem muss ein modulares Smartphone natürlich garantieren, dass alle Komponenten sowohl untereinander als auch mit der Software problemlos funktionieren.

Zum anderen hoffte Google auf die Unterstützung der Hersteller: Das Referenzdesign des Skeletts sollte unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar sein, also von jedem verwendet und angepasst werden können. Die Module wiederum sollten von Unternehmen wie dem US-Hersteller Yezz kommen. Doch offenbar war das Interesse insgesamt geringer als gedacht und so mangelte es Google letztlich an Partnern. Auch soll Insiderberichten zufolge die Herstellung der Module teurer gewesen sein als geplant. Das ist verständlich, denn während in praktisch allen gewöhnlichen Smartphones Standardkomponenten verbaut sind, müssten individuelle Module für Project Ara in deutlich geringerer Stückzahl produziert werden.

In Zeiten, in denen selbst namenhafte Smartphone-Hersteller mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfen, war vielen das Risiko eines modularen Smartphones offenbar zu groß. Zumal unklar ist, ob ein solches Gerät tatsächlich auch bei den Verbrauchern ankäme. Aktuelle Versuche, Smartphones mit Modulen zu erweitern, wie es etwa LG mit seinem G5 tut, waren bislang keine Verkaufsschlager. Das nachhaltig hergestelle Fairphone heimste zwar viel Lob in der Branche ein, zeichnet sich aber auch durch einen hohen Preis aus. Das Puzzlephone aus Finnland ist noch gar nicht erhältlich.

Es geht um die größere Vision von Modularität

Dass Google einzelne Projekte beendet, ist nicht ungewöhnlich. Trotzdem ist das Ende von Project Ara eine Niederlage für das Unternehmen. Mit seinen Ressourcen und seinem Einfluss in der Technologie- und Smartphone-Branche hätte es Google eigentlich möglich sein müssen, Project Ara zu realisieren. Die Gefahr, ein Nischenprodukt zu entwickeln, wäre dabei zu vernachlässigen gewesen.

Denn letztlich ging es bei Project Ara nie bloß um ein einzelnes, fertiges Smartphone, das man auf- und umrüsten kann. Sondern um die größere Vision, modulare Technik zu erschaffen, die nachhaltig und flexibel ist. In Zeiten, in denen Elektroschrott ein immer größeres Umweltproblem ist und Hersteller bewusst gegen die Reparatur durch die Nutzer arbeiten, hätte Google wie bereits mit dem mobilen Betriebssystem Android Pionierarbeit leisten können. Diese Chance hat Google vertan. Nun liegt es an anderen, den Traum vom modularen Smartphone weiter zu träumen.