Apple verdient nur noch enttäuschende 100 Millionen US-Dollar pro Tag. Enttäuschend jedenfalls im Paralleluniversum der Analysten und Anleger. Aber weder sie noch sonst irgendjemand dürfte von den gestern von Apple-CEO Tim Cook vorgestellten Quartalszahlen ernsthaft beunruhigt sein. Das hat Zeit bis 2017.

Zunächst läuft eine Hardwaregeneration aus. Das iPhone 7 wurde zwar gerade erst vorgestellt, ist aber letztlich nur ein zweites Update des iPhone 6 von 2014. Der nächste große Schritt wird erst im Herbst 2017 mit dem nächsten iPhone erwartet – zum zehnten Geburtstag der Smartphonereihe. Und morgen, am Donnerstag, dürfte Apple erstmals seit 2015 ein neues MacBook Pro und ein MacBook Air vorstellen. Das ist die Aufstellung für das wichtige Weihnachtsgeschäft und das kommende Jahr.

Erste Bilder der MacBooks kursieren dank macrumors.com bereits und darauf ist eine berührungsempfindliche OLED-Leiste zu sehen, wo bisher die Funktionstasten F1 bis F12 waren. Auf dem schmalen Display werden wohl je nach gerade geöffneten Anwendungen passende Buttons angezeigt werden. Die erste Reaktion ist  ein höchstens mittelernst gemeinter Aufschrei der Empörung, weil das MacBook Pro wegen der OLED-Leiste keine physische Escape-Taste mehr haben wird. (Gerüchteweise auch keinen HDMI-Ausgang, keinen magnetischen Netzstecker und keinen SD-Kartenslot mehr.)

Apple-Kunden kriegen, womit sie zufrieden sind

Erst entfernte Apple die Kopfhörerbuchse im iPhone 7, jetzt die Escape-Taste am Mac. Apple scheint inzwischen das Unternehmen zu sein, das unter Innovation in erster Linie das Weglassen bewährter Dinge versteht. Ein wenig gehört das auch zur Apple-Geschichte, seit das Unternehmen 1998 das Diskettenlaufwerk des iMac für ein CD-ROM-Laufwerk opferte und dieses 2012 ersatzlos strich.

Natürlich werden die neuen MacBooks auch etwas Neues dazubekommen. Zum Beispiel einen Touch-ID-Sensor, mit dem sich das Notebook wie ein iPhone per Fingerabdruck entsperren lassen wird. Aber im Kern der größtenteils gespielten Empörung um die Klinkenbuchse und die Escape-Taste steckt auch eine Wahrheit: Apple unter CEO Tim Cook gibt seinem treuen, riesigen Kundenstamm das, womit er zufrieden ist. Es gilt aber nicht länger als visionäres Unternehmen, das ein technophiles Publikum jedes Jahr aufs Neue mitreißt.

Xiaomi zeigt schon mal, was möglich ist

Die Rolle übernehmen andere. Nicht nur Google, das mit seinem Assistant als Interface dahin will, wo Apple mit Siri schon sein könnte, wenn es wirklich gewollt (und wenn es dazu Nutzerdaten im Google'schen Ausmaß gesammelt) hätte. Auch Samsung gibt Gas: Die Koreaner bauen ihr Bezahlsystem Samsung Pay gerade schneller aus als Apple das seine. Samsung Pay wird zum Beispiel schon im kommenden Monat ortsbasierte Angebote machen können, eine Funktion, die Apple Pay nicht beherrscht. Und in Sachen Smartphonetechnik demonstriert das chinesische Unternehmen Xiaomi gerade, was jetzt schon möglich ist. Das Konzept-Gerät Mi Mix nimmt möglicherweise vorweg, was Apple 2017 wahrscheinlich als fortschrittlich verkaufen will: ein Smartphone mit Keramikgehäuse, einem fast randlosen Display und riesigem Akku.

Selbst Microsoft, das lange als verschnarcht geltende Bürosoftware-Unternehmen, präsentiert sich wieder als fortschrittlicher Hardwareproduzent. Sei es mit der Augmented-Reality-Brille HoloLens oder einem neuen Desktoprechner der Surface-Marke, den es angeblich am heutigen Mittwoch vorstellen wird.