Nein, der Discman ist nicht explodiert. Er hat auch nicht gebrannt, auch wenn ich ihn gerne angezündet hätte. Aus Wut, denn er hat nicht funktioniert, schon wenige Tage nachdem ich ihn mir von meinem hart ersparten Taschengeld gekauft hatte. Die CD sprang immer wieder und machte dabei ein Geräusch, dass jüngere Menschen gar nicht mehr kennen. Klack-klack-klack. Meine Mutter brachte ihn zurück, ich glaube zu Hertie, ich bekam ein anderes Gerät. Das funktionierte ungefähr acht Wochen, bevor die gleichen Probleme wieder auftraten und ich das Teil vor Ärger in die Ecke meines Kinderzimmers feuerte.

Das war Mitte der neunziger Jahre. Der Discman kam von Sony und seitdem habe ich kein anderes Sony-Gerät mehr gekauft. Keine Kamera, kein Handy, keine PlayStation, keinen Fernseher, lediglich ein paar In-Ear-Kopfhörer. Auch wenn ich heute weiß, dass ich damals als Kind vermutlich nur doppeltes Pech mit dem Discman hatte und Sony durchaus innovative Hardware herstellt, steht der Name in meinem Unterbewusstsein seit jeher für Murks, für klack-klack-klack.

Stattdessen hat sich seit einigen Jahren ein anderer großer asiatischer Konzern in meinem Haushalt verbreitet: Samsung. Ich habe einen Samsung-Monitor, einen großen Samsung-Fernseher, vier Festplatten, eine VR-Brille und – Achtung! – mehrere Smartphones der Galaxy-Serie. Weshalb mich die Nachrichten der vergangenen Tage und Wochen wenn nicht unruhig, so doch zumindest nachdenklich stimmen.

Auch die Austauschgeräte scheinen betroffen

Denn Samsung-Handys sind derzeit buchstäblich heiß, jedenfalls wenn es sich um das Modell Galaxy Note 7 handelt. Seit Anfang September die ersten Berichte bekannt wurden, dass sich die Akkus in einzelnen Geräten des Oberklasse-Smartphones entzündeten und Samsung eine weltweite Rückrufaktion startete, schwelt die Sache munter weiter und könnte dem Image des Unternehmens auf Jahre hin schaden.

Jetzt sollen nämlich auch die Ersatzgeräte von den Problemen betroffen sein. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sieben Fälle bekannt, in denen ein Note 7 mit ausgetauschtem Akku sich in Brand setzte. Vergangenen Donnerstag musste ein Flugzeug evakuiert werden, nachdem ein Gerät angefangen hatte zu qualmen. Am Montag erklärte Samsung, man wolle die Produktion nun "anpassen". Entgegen erster Berichte aus Südkorea soll es allerdings vorerst keinen kompletten Produktionsstopp geben. Ist aber vielleicht auch fast schon egal: Erste Mobilfunkanbieter wollen die Serie nicht mehr verkaufen.

Hinzu kommt, dass Samsung, um es vorsichtig zu sagen, suboptimal kommuniziert. Bereits am vergangenen Dienstag wusste das Unternehmen von Problemen mit den Ersatzgeräten. Es reagierte aber erst Tage später öffentlich – nachdem weiter Fälle publik wurden. Nun erklärt das Unternehmen, es nehme jede Beschwerde ernst und wolle noch stärker nach den Ursachen fahnden. Das klingt vage und ausweichend, aber wenig hilfreich. Die Besitzer eines Note 7 wissen noch immer nicht, ob ihr (Ersatz-)Gerät nun ebenfalls gefährdet ist, ob es wirklich an defekten Lithium-Ionen-Akkus liegt oder ob es vielleicht doch eine andere Ursache gibt.

Nun ist es richtig, dass Teile der Berichterstattung nach Panikmache klingen, vor allem wenn der Anschein erweckt wird, dass rund um die Welt Samsung-Smartphones explodieren. Hundert Fälle bei geschätzt etwa 400.000 verkauften Galaxy Note 7 in den USA klingt erst mal nicht viel. Es ist ebenfalls richtig, dass Akkus, die immer mehr Energie auf immer kleinerem Raum speichern sollen, stets gefährdet sind und das gleiche Problem somit auch einen anderen Hersteller hätte treffen können. Und nicht zuletzt ist es richtig, dass elektrische Geräte, von der Waschmaschine bis hin zum Wasserkocher, immer mal wieder in Flammen aufgehen.