Der auffällig gelb-rot lackierte Paketkopter 3 zeigte auch, wie sich DHL die Beladung und die Auslieferung vorstellt. Die Drohne holt sich selbstständig das Transportgut aus einer Paketstation und liefert sie am Zielort auch wieder an einer solchen ab. Eine gefährliche Landung direkt neben dem Kunden oder gar das Abseilen der Ware aus der Luft sind überflüssig.

DHL will nun die Daten auswerten und mögliche weitere Testgebiete auskundschaften. Auf Nachfrage nannte das Unternehmen bisher aber keine neuen Erprobungsorte. Der Test in Bayern war nur möglich, weil das Bundesverkehrsministerium ein Flugbeschränkungsgebiet eingerichtet und das Luftamt der Regierung von Oberbayern die erforderlichen Flugaufstiegsgenehmigungen erteilt hatte.

Nach Ansicht von Gleitschirm- und Drachenfliegern sind die Drohnen ein Sicherheitsrisiko. Gerade in schwach besiedelten Bergregionen könne es zu Kollisionen kommen, warnen die Drachenflieger. Auch die Tourismusbranche wehrt sich, wenn auch bislang erfolglos: Ende 2015 wandten sich Hoteliers und Restaurantbetreiber an die Öffentlichkeit, weil die Paketstation auf einem bisher nur für landwirtschaftliche und touristische Belange gedachten Areal aufgebaut wurde. Nach dem Ende der Tests wurde sie aber wieder entfernt.

Frankreichs Post erprobt Abwurf der Ladung

GeoPost, ein Ableger der französischen Post, testete monatelang Lieferdrohnen in der Nähe von Pourrières in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur im Südosten Frankreichs. Dort befindet sich mit dem CEEMA (Center for Studies and Tests for Independent Models) ein Drohnentestgelände, das schon 2008 gegründet wurde.

Die mit sechs Rotoren ausgerüstete Géodrone transportierte bei den Versuchen ein vier Kilogramm schweres Paket über eine Distanz von 20 Kilometern. Wer künftig damit seine Pakete versenden will, sollte auf eine gute Verpackung achten, da die Drohnen ihre Ladung beim Empfänger aus geringer Höhe abwerfen. Sie könnten künftig zur Versorgung besonders schlecht zugänglicher Gebiete – beispielsweise mit Medikamenten – genutzt werden.

Australien will abgelegene Gebiete mit Drohnen versorgen

Auch in anderen Teilen der Welt werden Lieferdrohnen ausgiebig getestet. Die australische Post ließ im April 2016 mit einer Sondergenehmigung der örtlichen Flugsicherheitsbehörde Civil Aviation Safety Authority für zwei Wochen ein Flugsystem des Unternehmens ARI Labs fliegen. Die Quadcopter sind mit Warnlichtern und sogar mit Fallschirmen für den Notfall ausgerüstet. Noch in diesem Jahr sollen öffentliche Tests beginnen, um in ländlichen Gegenden Lieferungen zu übernehmen. In Australien sind die Briefkästen mancher Großgrundstücke kilometerweit von den Haustüren entfernt. Da ist es natürlich sinnvoll, die Lieferungen näher am Haus zu platzieren.

Der Pizzalieferdienst Domino's will ebenfalls Luftzustellungen anbieten. Dazu fanden im August 2016 Tests im neuseeländischen Auckland statt. Die Pizzakartons werden von der Drohne auf Knopfdruck an einem Seil herunter gelassen, wenn der Kunde auf seinem Smartphone einen Button drückt.

Luftraumüberwachung für winzige Fluggeräte geplant

Doch was passiert, wenn künftig wirklich Lieferdrohnen die Lüfte erobern? Die Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) lässt in den USA zur Vermeidung von Chaos am Himmel bereits ein Luftraumüberwachungssystem entwickeln, das auch kleine Multicopter erfassen kann. Amazon selbst hatte vorgeschlagen, Transportdrohnen auf verschiedenen Spuren in unterschiedlicher Höhe fliegen zu lassen. Die Steuerung der Drohnen solle zentral vom Boden aus erfolgen. Bis es soweit ist, dürften aber noch viele Jahre vergehen.