Im September, mit der Vorstellung des iPhone 7, hatte Apple den Klinkenstecker getötet. Die Botschaft war klar: Statt mit traditionellen, verkabelten Kopfhörern sollen die Menschen künftig vor allem kabellos Musik hören. Ein entsprechendes Produkt lieferte Apple gleich mit: AirPods. Die Bluetooth-Kopfhörer mit integriertem Mikrofon sind nach einiger Verzögerung seit Mitte Dezember erhältlich und damit bereit für einen Test.

AirPods also. Was ist daran nun besonders?

Die AirPods sind die Weiterentwicklung der EarPods, so heißen die verkabelten In-Ear-Kopfhörer von Apple. Sie sind ebenso weiß, haben eine ähnliche, aber nicht die gleiche Bauform und sind, wie erwähnt, kabellos. Die Geräte sind etwas größer, weil sie sowohl einen Bewegungssensor als auch ein Mikrofon enthalten und stechen deshalb buchstäblich aus dem Ohr heraus. Der neue, eigens von Apple entwickelte W1-Chip soll eine zuverlässigere Bluetooth-Verbindung und längere Akkulaufzeit garantieren. Ach ja, und sie kommen in einem ziemlich coolen Case.

"Cooles Case". Wie toll. 

Ja, statt in einem schnöden Beutel stecken die AirPods in einem Case, das ungefähr die Größe einer Zahnseidenbox hat. Der Clou: In diesem Gehäuse steckt ein Akku, der die AirPods auflädt. Nur 15 Minuten sollen reichen, um die Kopfhörer wieder voll aufzuladen, was einer Nutzungsdauer von etwa fünf Stunden entspricht. Das Case wiederum lässt sich per USB-Kabel aufladen – und es sorgt für die Verbindung der Kopfhörer mit Smartphones, einer Apple Watch oder einem Computer mit macOS (ab Version Sierra).

Ich kann die kostbaren Stücke also mit mehreren Geräten nutzen.

Jein. Apple löst das ursprüngliche Versprechen von der nahtlosen Wiedergabe nicht wirklich ein. Die AirPods funktionieren mit mehreren Geräten, können aber immer nur mit jeweils einem von ihnen gleichzeitig verbunden sein. Sind sie gerade auf dem Macbook aktiviert, funktionieren sie nicht mehr auf dem iPhone. Der Wechsel ist zwar einfach und erfordert nur wenige Klicks, ist aber eben nicht nahtlos. In geschlossenen Räumen ist die Verbindung übrigens erstaunlich gut: Ich kann im Büro problemlos AirPod-bestückt aufs Klo gehen und weiterhin Musik hören. What a time to be alive!

Aber echt. Wie funktioniert die Einrichtung?

Ziemlich leicht. Wer Bluetooth auf einem iPhone aktiviert hat, das Gehäuse der AirPods daneben hält und es öffnet, bekommt auf dem Smartphone die Option angezeigt, die Kopfhörer zu verbinden. Fertig. Anschließend lassen sich die AirPods im Kontrollzentrum aktivieren oder deaktivieren und der aktuelle Akkustand von sowohl Case als auch Kopfhörern anzeigen. In den Systemeinstellungen können die Nutzer einrichten, was passiert, wenn sie zweimal im Ohr auf die Kopfhörer tippen. Das merken die Sensoren nämlich.

Und dann?

Per Doppeltipp lässt sich die Wiedergabe pausieren, fortsetzen oder Siri aufrufen. Über Apples virtuelle Assistentin lassen sich einzelne Songs aus der Musiksammlung abspielen, die Lautstärke einstellen, Termine organisieren oder Fragen beantworten. Telefonieren geht natürlich auch über die AirPods, die Rauschunterdrückung des Mikrofons funktioniert dabei recht zuverlässig. Man kann sie also auch auf der Straße oder in der Bahn nutzen.

Prinzipiell ist die Bedienung über Spracheingabe aber recht mühsam. Wer nur die Lautstärke verstellen möchte, kann das schneller direkt am iPhone machen. Die Sensoren merken übrigens auch, wenn die Nutzer einen AirPod aus dem Ohr nehmen. Dann stoppt die Wiedergabe automatisch, was praktisch ist.

Sind die Dinger denn bequem?

Im Vergleich zu anderen In-Ear-Kopfhörern gibt es bei den AirPods keine Möglichkeit, sie durch verschiedene Gummiaufsätze an die Größe des Ohrs anzupassen. Sie sind also one size fits all und wie Apple sagt, habe man Tausende verschiedene Ohrformen getestet und schließlich ein Design gefunden, das in die meisten passt. Das heißt nicht, dass sie deshalb in jedem Ohr bequem sitzen. Sie sitzen auch nicht so tief im Gehörgang wie die EarPods oder andere Modelle, sondern werden vor allem in der Ohrmuschel fixiert. Meine klassischen In-Ear-Kopfhörer mit Gummiaufsatz kann ich einen Transatlantikflug am Stück tragen, die AirPods drücken nach etwa einer Stunde. Das kann aber auch an meinen, mit dem Apple-Design inkompatiblen Ohren liegen. Rausrutschen tun sie übrigens nicht so einfach – andere Tester trugen die Kopfhörer problemlos während des Sports.