Die seit Jahren prophezeite Applecalypse verschiebt sich erneut. Apple hat wieder einmal einen iPhone-Verkaufsrekord aufgestellt. 78,3 Millionen Stück hat das Unternehmen im Weihnachtsquartal verkauft, was klar über dem bisherigen Bestwert von 74,78 Millionen aus dem Vorjahreszeitraum liegt und bei einem Geschäftsanteil von fast 70 Prozent den Hauptgrund für einen Quartalsgewinn von 17,9 Milliarden US-Dollar darstellt. Zehn Jahre nach der Vorstellung des ersten iPhones verkaufen sich die aktuellen Geräte also besser als je zuvor.

Nun kritisieren Börsenanalysten schon lange, Apples Wohlergehen hänge zu stark von den iPhone-Verkäufen ab, Apple sei also beinahe ein one trick pony. Gleichzeitig erwarten viele von ihnen, dass im Jubiläumsjahr dieser eine Trick ganz wunderbar funktionieren wird. Supercycle heißt das Schlagwort: Das nächste iPhone – ob es nun iPhone 8 oder iPhone X heißen wird – werde einen echten Entwicklungssprung darstellen, nicht mehr nur ein eher kosmetisches Update, wie es das iPhone 7 und das 6S im Vergleich zum iPhone 6 sind. Manche rechnen damit, dass Apple dann noch mehr Geräte verkauft.

Spekuliert wird unter anderem über ein neues High-End-Modell mit OLED-Display statt wie bisher einem TFT-LCD, oder gar einem gekrümmten AMOLED-Bildschirm, außerdem über kabelloses Laden selbst auf eine Entfernung von mehreren Metern zur Stromquelle, über neue Displaygrößen oder eine komplett aus Glas bestehende, beinahe randlose Front ganz ohne echte Knöpfe.

Nutzer müssen aktiv einwilligen

Seltsam abwesend sind bisher Gerüchte über neue oder erweiterte Software. Dabei hat Apple kürzlich selbst angedeutet, was dem Unternehmen in Zukunft besonders wichtig sein könnte: In der neuen Betaversion des iPhone-Betriebssystems iOS 10.3 weitet Apple das Sammeln von Nutzerdaten aus, um seine virtuelle Assistentin Siri ("und andere ähnliche oder verwandte Dienste", wie es im Datenschutzhinweis heißt) kompetenter zu machen.

Zunächst die technischen Details: Apple bittet iPhone-Nutzer in den Datenschutzeinstellungen um die Erlaubnis, ihre iCloud-Daten – darunter Fotos, E-Mails, Notizen, Kontakte und Termine – analysieren zu dürfen. Diejenigen, die das gestatten wollen, müssen aktiv einwilligen, standardmäßig ist die Option deaktiviert.

Hinweis in der Betaversion von iOS 10.3 © Screenshot ZEIT ONLINE

Außerdem betont Apple, die Daten würden zunächst präpariert, um die Privatsphäre der Kunden zu schützen. Seit der Einführung von iOS 10 setzt Apple zu diesem Zweck auf die sogenannte Differential Privacy. Apple ist das erste Unternehmen, dass diese in der Wissenschaft seit Jahren bekannte Technik in großem Maßstab einsetzt: Einem Datensatz wie in diesem Fall den iCloud-Daten von Millionen von Nutzern werden Hash- und Zufallswerte hinzugefügt, die zwar eine statistische Auswertung, eine Mustererkennung, zulassen, aber – und das muss mathematisch beweisbar sein – keine Rückschlüsse auf einzelne Personen.

Erstmals angekündigt hat Apple die Einführung von Differential Privacy auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC im Juni 2016. Details dazu, wie genau das Unternehmen sicherstellen will, dass die Anforderungen an einen wirksamen Schutz der Privatsphäre erfüllt werden, hat es bisher allerdings nicht veröffentlicht. Nutzer müssen sich also darauf verlassen, dass Apple hält, was es verspricht, während es Freiwillige sucht, um seine Datensammlung zu erweitern.

Etwas grundsätzlicher betrachtet verrät die Neuerung, woran Apple 2017 softwareseitig arbeitet: Siri gilt im neuen Zeitalter der conversation as an interface als rückständig und den Konkurrenten unterlegen. Der Google Assistant beherrscht bisher zwar nur zwei Sprachen, Siri hingegen 20. Aber im Verstehen und Beantworten von Folgefragen ist Googles Software besser. Samsung wird im Galaxy S8 erstmals einen eigenen Assistenten namens Bixby einsetzen. Als Maßstab muss derzeit aber wohl Amazons Alexa gelten. Die sprachgesteuerte Assistentin wird dank der Ideen von Drittentwicklern sehr schnell mächtiger und Amazon beeilt sich, sie in möglichst viele Geräte anderer Hersteller bis hin zu Kühlschränken und Autos zu integrieren. Nicht zuletzt aber auch in Smartphones, wie etwa Huaweis Mate 9, jedenfalls in den USA. Alexa könnte so in absehbarer Zeit die Rolle eines überall einsetzbaren Betriebssystems übernehmen.