Wer eine neue Wohnung bezieht, benötigt einen Werkzeugkasten. Wer sich im Internet bewegt, nutzt früher oder später Google. Egal ob Gmail, Maps, Docs, Drive, den Chrome-Browser oder die Suchmaschine – Googles Werkzeuge sind aus dem Alltag der meisten Internetnutzer nicht mehr wegzudenken. Doch so wie der Werkzeugkasten selten prominent im Wohnzimmer steht, sind die Google-Dienste nichts, was man auf dem Computer oder Smartphone "einfach so" öffnet. Der Hammer wird nur herausgeholt, wenn man einen Nagel hat.

Für Google ist das ein Problem. Das Unternehmen weiß zwar, was Millionen Menschen im Internet suchen und in der Vergangenheit gesucht haben, kennt persönliche Vorlieben, Beziehungen zu anderen Menschen und ihre Termine. Doch was Google eigentlich will: seinen Nutzern Dinge zeigen, nach denen sie gar nicht gesucht haben, die sie aber trotzdem interessieren. Wer morgens das Smartphone in die Hand nimmt, soll nicht zuerst Facebook, Instagram oder die Nachrichtenapp öffnen. Sondern Google.

Genauer gesagt die Google App, die auf jedem Android-Smartphone vorinstalliert ist und in den kommenden Wochen ein größeres Update bekommt. Aus Google Now, dem ersten Versuch eines persönlichen Assistenten, wird dabei der neue Google Feed. Die Idee bleibt gleich: Auf Basis der individuellen Suchhistorie und Informationen wie dem aktuellen Standort sollen den Nutzern neue, relevante Informationen präsentiert werden.

Suchbegriffe im Abo

Seit die Funktion im Dezember erstmals vorgestellt wurde, habe man die Algorithmen verbessert, schreibt der Google-Manager Shashi Thakur in einem Blogbeitrag. Der Feed lerne nun effektiver aus den Suchanfragen der Nutzer: Wer häufig die Ergebnisse seines Lieblingsvereins googelt, bekommt diese künftig automatisch angezeigt. Wer Texte eines Musikers sucht, sieht auch dessen neuesten Song auf YouTube. Und wer oft die Wirtschaftsseite der New York Times aufruft, bekommt deren Artikel bevorzugt serviert.

So weit, so bekannt. Künftig können die Nutzer diesen Feed aber noch stärker anpassen. So ist es beispielsweise möglich, Suchbegriffe und Themen direkt zu abonnieren. Wer etwa nach Game of Thrones sucht, kann das Thema über eine Schaltfläche zum Feed hinzufügen. Dann werden automatisch mutmaßlich interessante Inhalte dazu angezeigt. Die müssen übrigens nicht unbedingt aktuell sein – Google will auch ältere Inhalte anzeigen, die relevant sein könnten.

Im Fall von Nachrichten will das Unternehmen vermeiden, dass die Nutzer nur einzelne Quellen zu Gesicht bekommen. Unter aktuellen Nachrichten gibt es deshalb weitere Artikel zum Thema von anderen Seiten zur weiteren Lektüre. In einzelnen Fällen soll es den Nutzern möglich sein, die Fakten zu überprüfen, heißt es im Blogbeitrag. Wie das genau aussehen soll, wird nicht erwähnt.

Falls der Algorithmus falsch liegt oder man eben keinen Gossip über Taylor Swift lesen will, nur weil man einmal einen Songtext von ihr gegoogelt hat, kann man das dem Feed mitteilen. Wie jede künstliche Intelligenz lernt der Feed, je häufiger und intensiver er genutzt wird. Überhaupt ist er nur für Menschen interessant, die kein Problem damit haben, ihre Suchhistorie an Google zu übermitteln. Werbung soll zunächst keine in der App geschaltet werden.