Keks oder Limonade, Oreo oder Orangina? Kurz vor der offiziellen Veröffentlichung des neuen Android-Betriebssystems 8.0, Codename O, rankten sich wieder die Gerüchte über den offiziellen Namen. Da Google die Versionen traditionell nach Süßigkeiten benennt, fiel zumindest Octopus – trotz entsprechender Spekulationen – weg. Auch die spanischen Orelletes machten nicht das Rennen. Android 8.0 heißt nun Oreo.

Android-Updates sind ohnehin Geschmackssache. Zunächst erhalten die Geräte aus dem Hause Google, darunter die Nexus- und Pixel-Modelle, das Update. Sie bekommen das "pure" Android im Gegensatz zu den meisten anderen Herstellern, die das System mit zusätzlichen Funktionen, Apps und einem eigenen Look versüßen (oder versalzen, je nach Geschmack). Und die überhaupt entscheiden müssen, welche ihrer Geräte in den Genuss des Updates kommen.

Diese sogenannte Fragmentierung unterscheidet sich von Apples iOS, dessen Aktualisierungen die meisten iPhone-Nutzer binnen kürzester Zeit installieren. Dagegen laufen nur etwa 13 Prozent aller aktiven Android-Geräte derzeit mit der aktuellen Version Android 7.0 beziehungsweise 7.1 alias Nougat. Zwar liefern viele Hersteller mittlerweile schnellere Updates. Doch Smartphones, die älter als zwei Jahre sind, werden häufig ignoriert.

Welche Geräte erhalten Android O?

Neben Google selbst haben einige Hersteller das neue System ihren Kunden bereits in Aussicht gestellt. So will der chinesische Hersteller Oneplus es für sein neues Modell Oneplus 5 und die Vorgänger Oneplus 3 und 3T noch bis Ende des Jahres liefern. Die drei neuen Nokia-Smartphones bekommen Android O, ebenso das G6 von LG. Ob die Koreaner ihr kommendes Spitzenmodell V30 von Haus aus mit der neuen Version ausliefern, ist noch unklar, aber möglich. Vergangenes Jahr war das V20 eines der ersten Smartphones mit Android 7.0.

Samsung dagegen gehört traditionell nicht zu den schnellsten Updatern. Sicher wird es das neue System für das Galaxy S8 und S7 geben sowie für das Note 8, das am Mittwoch vorgestellt werden dürfte. Einige Mittelklasse-Modelle bekommen es ebenfalls, das Galaxy S6 dagegen wohl nicht mehr. Von Huawei gibt es noch keine Informationen, der Hersteller hat Android 8.0 aber bereits auf seinem Mate 9 getestet und auch das kleinere P9 gilt als sicherer Kandidat. Sony soll das Update Berichten zufolge für neun Modelle einplanen, darunter die XZ-Serie.

Sollte ich das Update installieren?

In der Regel ist ein Update empfehlenswert, vor allem weil damit Sicherheitslücken geschlossen werden. Berichte, dass Smartphones danach langsamer laufen oder größere Komplikationen auftreten, gibt es zwar immer wieder. Doch in den vergangenen Jahren ist Android als System stabiler geworden, weshalb diese Fälle eher Ausnahme denn Regel sind. Falls der Hersteller kritische Systemupdates weiterhin für ältere Versionen liefert, ist die Installation trotzdem nicht immer zwingend notwendig. Auch künftige Apps werden sehr wahrscheinlich mit den letzten Android-Versionen funktionieren. Allerdings könnten dann einige neue Funktionen nicht unterstützt werden. Fünf wichtige Neuerungen stellen wir hier vor:

1. Benachrichtigungen

Benachrichtigungen waren in den vergangenen Jahren stets prominent in Android-Updates. Eine ideale Lösung, dem täglichen Chaos aus Pop-ups, Mitteilungen und Pushnachrichten gerecht zu werden, hat Google bislang trotzdem nicht gefunden. Mit Android 8.0 versuchen die Entwickler es erneut. Erstens mit einer Snooze-Funktion für Mitteilungen. Konnten diese bislang per Wischgeste einfach nur aus der Liste gelöscht werden, lassen sie sich nun auch für einen bestimmten Zeitraum entfernen. Nach 15 oder 30 Minuten werden sie noch einmal angezeigt.

Zweitens gibt es nun kleine Hinweise über App-Symbolen auf dem Homescreen, wenn es neue Benachrichtigungen für diesen Dienst gibt. Ein langer Klick darauf zeigt eine Vorschau an, aus der sich die Mitteilungen bei Bedarf gleich löschen können. Ob das geht, hängt natürlich davon ab, ob die jeweiligen App-Entwickler die Funktion unterstützen. Sie könnte aber die bisherige Nachrichtenleiste entlasten und Nutzern mit einem Blick auf den Homescreen zeigen, welche App neue Benachrichtigungen hat.

Drittens erlauben die neuen Notification-Channels noch mehr Kontrolle darüber, welche Apps zu welchem Zeitpunkt Benachrichtigungen versenden. So lassen sich in einem Chatdienst beispielsweise Gruppen zu einem Geschäftsprofil verknüpfen, die dann eine besondere Mitteilung erhalten. Ähnlich, wie sich für verschiedene Kontakte bereits andere Klingeltöne definieren lassen.

2. Bild-in-Bild und externe Geräte

Multitasking auf dem Smartphone? Noch vor drei, vier Jahren war das unvorstellbar. Inzwischen ist dank größerer Bildschirme und der Möglichkeit, zwei Apps gleichzeitig anzeigen zu lassen, schon realistischer. Vergangenes Jahr hat Android 7.0 solch eine Multi-Window-View eingeführt, inklusive der Option, Inhalte per Drag & Drop von einer Anwendung in die nächste zu verschieben. Weil aber ein zweigeteilter Bildschirm nicht immer die ideale Lösung ist, gibt es in Android 8.0 nun eine weitere Option: Bild-in-Bild. Videos und andere unterstützte Inhalte können dann weiterhin verkleinert auf dem Bildschirm laufen, während die Nutzer in anderen Apps tätig sind. Das verkleinerte Bild lässt sich per Geste auf dem Display verschieben, damit es nicht im Weg ist. 

In einem weiteren Schritt werden externe Geräte besser unterstützt. So sollen mit Android 8.0 einerseits Tastaturen besser funktionieren. Andererseits kann das System nun mehrere Bildschirme erkennen – sofern die jeweilige App das unterstützt. Was für Smartphone-Nutzer seltsam anmutet, könnte für Besitzer von Android-Tablets oder auch Chromebooks (die seit Kurzem Android-Apps unterstützen) interessant sein.