Mahdi Taghizadeh ist sauer. Das Leben des Iraners ist gerade komplizierter geworden, und das liegt an Apple. Das US-Unternehmen hat gerade Taghizadehs Lieferservice Delion aus dem App Store entfernt, so wie mehrere weitere im Iran beliebte Anwendungen, darunter den Uber-Klon Snapp. Begründet hat Apple das mit den US-Sanktionen gegen den Iran.

In einer Nachricht, die Taghizadeh und andere Entwickler im Iran bekommen haben, heißt es übersetzt: "Aufgrund der US-Sanktionsregularien kann der App Store keine Apps zur Verfügung stellen oder verbreiten und keine Geschäftsbeziehungen zu App-Entwicklern unterhalten, die in Verbindung zu bestimmten, von US-Embargos betroffenen Ländern stehen". Die New York Times hat zuerst darüber berichtet. Ein Sprecher des Unternehmens hat der Zeitung den Vorgang bestätigt, wollte ihn aber nicht weiter kommentieren. Bereits im Januar hatte Apple mindestens eine im Iran populäre App unter Verweis auf die Sanktionen aus dem App Store ausgeschlossen.

Erst kürzlich hat Apple auf Anweisung der chinesischen Behörden mehrere VPN-Apps (Virtual Private Networks) aus dem dortigen App Store geworfen. Alle diese Fälle veranschaulichen die möglichen Folgen zentralisierter Softwareverbreitung.

Warum gerade jetzt?

Dieses Mal war es nicht die Regierung der Apple-Kunden, die den Bann bestimmter iPhone-Apps verlangte, sondern die US-Regierung. Wobei unklar ist, ob sie Apple explizit aufgefordert hat, das Embargo gegen den Iran einzuhalten. Der betroffene Entwickler Mahdi Taghizadeh schreibt in einer E-Mail an ZEIT ONLINE, er habe gehört, Apple sei selbst zu dem Schluss gekommen, dass es bisher möglicherweise gegen US-Gesetze verstoßen hat. ZEIT ONLINE hat eine entsprechende Nachfrage an Apple übermittelt.

In der Mitteilung an die iranischen Entwickler, die Taghizadeh in einer Petition veröffentlicht hat, schreibt Apple nur: "Dieses rechtliche Feld ist komplex und verändert sich ständig. Wenn die derzeitigen Restriktionen aufgehoben werden sollten, ermutigen wir Sie, Ihre Apps wieder zur Veröffentlichung im App Store einzureichen."

iPhones werden millionenfach in den Iran geschmuggelt

Die Komplexität beginnt schon damit, dass Apple im Iran offiziell gar nicht vertreten ist. Es dürfte seine Technik dort aufgrund der von der US-Regierung auferlegten Handelsbeschränkungen derzeit nicht verkaufen, weshalb es weder Apple Stores noch einen eigenen App Store im Iran gibt. Allerdings sind iPhones dort ebenso beliebt wie überall sonst in der Welt und werden millionenfach aus Hongkong oder Dubai ins Land geschmuggelt. Der iranische Telekommunikationsminister schreibt auf Twitter, Apple habe in der islamischen Republik einen Smartphonemarktanteil von elf Prozent.

Entwickler haben für dieses Publikum eine Reihe von Apps in persischer Sprache programmiert, die bisher auch im App Store verfügbar waren. Für iranische iPhonebesitzer war es nicht immer leicht, sie herunterzuladen oder Updates zu installieren. Der Fehler 1009 taucht oft auf, wenn das Gerät erkennt, dass seine Internetverbindung aus einer Region kommt, die Apple offiziell nicht unterstützt. Aber mit einem VPN, das eine Verbindung über einen Server im Ausland errichtet, lassen sich solche Beschränkungen umgehen.

Wenn Apps nun aber gar nicht mehr in den App Store gelangen oder von Apple wieder entfernt werden, werde das Einfluss auf den iranischen Arbeitsmarkt haben, fürchtet Taghizadeh. Mehr als Hunderttausend Menschen seien als Fahrer für Snapp tätig, die ebenfalls nicht mehr zugelassen App DigiKala gehöre zur größten E-Commerce-Plattform des Landes. Ohne iOS-Nutzer drohten Jobverluste, zudem sei Apples Entscheidung schlecht für die iranische Start-up-Szene, die es nun schwerer habe, Kunden zu finden.