Nähme LG seinen auf die Initialen gemünzten Marketingspruch "Life's Good" ernst, müsste sich zumindest die Mobilgerätesparte des Unternehmens umbenennen, in LH. Denn "Life's Hard" in der Branche. Drei Jahre in Folge verkaufte sich das jeweilige Top-Smartphone der Südkoreaner schlechter als erwartet. Es fing an mit dem eigentlich gelungenen G4 von 2015, setzte sich fort beim nicht mehrheitsfähigen Modulsystem-Smartphone G5 und wiederholte sich noch einmal beim G6 aus diesem Frühjahr. Dass LG es aber noch drauf hat, deutete das Unternehmen nun mit der Vorstellung des V30 im Rahmen der Ifa in Berlin an.

Die V-Reihe war bisher eher auf ein Nischenpublikum ausgelegt, aber auf dem Papier und den Eindrücken der ersten Tester zufolge ist das neue V30 das eigentliche Spitzenmodell von LG. Es stellt sich die Frage, ob der Hersteller im kommenden Jahr überhaupt noch ein G7 produzieren wird, und wenn ja, warum eigentlich.

Das V30 drängt in die Liga von Samsungs Galaxy S8, das wird schon mit den abgerundeten Kanten und dem fast die gesamte Vorderseite bedeckenden Sechs-Zoll-OLED im nur 151 Millimeter langen und 7,3 Millimeter dünnen Gehäuse deutlich. Allerdings hat LG den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite nicht wie Samsung direkt neben der Kameralinse platziert, sondern dankenswerterweise mittig und weiter unten, sodass er im Gegensatz zu dem von Samsung gut erreichbar ist. Mit 158 Gramm ist das V30 erstaunlich leicht für seine Größe.

Ausgestattet ist es mit einer Dual-Kamera mit einer besonders lichtdurchlässigen Blende (f/1,6) sowie einer in Smartphones nie zuvor verbauten Glaslinse. Für Standardaufnahmen gibt es wie im G6 eine 16-Megapixel-Kamera, für Weitwinkel eine mit 13 Megapixeln. Anders als zum Beispiel Huawei geht es LG bei der Dual-Kamera also um Weite, nicht um Tiefeneffekte.

Besonderen Wert legt LG auf die Videofunktionen. Nach Storytelling komme Storyshowing, wie LG-Manager Juno Cho bei der Präsentation sagte. Selbst Videos vom Haustier würden mittlerweile mit Filtern, Schnitt und Hintergrundmusik veredelt, bevor sie über soziale Medien geteilt werden.

V wie Video

Um auch ambitionierte Filmer zufriedenzustellen, hat LG das V30 deshalb mit einem besonderen Mikrofon etwa für Konzertaufnahmen sowie mit "Cine-Effects" und einem "Point Zoom" ausgestattet. Letzteres ist die Option, jeden Aufnahmebereich auf dem Display anzutippen und dann heranzoomen zu können – was professioneller aussieht, als die ganze Kamera schwenken zu müssen, weil sich nur die Bildmitte vergrößern lässt. Die erwähnten Effekte sind auswählbare Voreinstellungen, die Videoaufnahmen mit einer bestimmten Stimmung einfangen sollen, etwa nach Art einer Romanze oder eines Thrillers. Wer es noch aufwendiger mag, soll die Dateien am Desktop besonders gut nachbearbeiten können.

So ähnlich funktioniert die Funktion Graphy für Fotos. Nutzer wählen vorab aus einer Reihe von professionellen Bildern eines aus, dessen Grundstimmung ihnen gefällt. Die Kamera übernimmt dann soweit möglich die entsprechenden Einstellungen von der Verschlusszeit über die Blende bis zur Lichtempfindlichkeit, um ein atmosphärisch ähnliches Bild zu machen. Wo das nicht sinnvoll ist, rät Graphy zu einer Alternative.

Praxistests müssen zeigen, wie gut sich der Akku mit seiner Nennladung von 3.300 Milliamperestunden mit eifrigen Filmern verträgt. In den Vorgängermodellen V10 und V20 war der Akku noch wechselbar, unterwegs waren Nutzer also mit einem Ersatzakku unabhängig von einer Steckdose. Im V30 hingegen ist er fest verbaut, zugunsten des Designs und wohl auch, um das Smartphone wasserdicht nach dem Standard IP68 zu machen. Nicht alle werden darüber glücklich sein, weil es einfach nur noch wenige Oberklasse-Smartphones mit Wechselakku gibt.